Rechte für Kinder

Afrika

Niger: Gegen Kindersklaverei

Jugendlicher wird an einem Seil in die Mine herabgelassenJugendlicher auf dem Weg zur Arbeit in 100 m Tiefe: der "Sicherungsgurt" aus alten Schlingen, eine Taschenlampe am Kopf, ein Hanfseil auf einer WindeCaritas Niger

Die Betreiber der Minen rund 170 km nordwestlich der nigrischen Hauptstadt Niamey sind Privatleute, die sich in der Grauzone zwischen Familienunternehmen und informellem Kleingewerbe bewegen. Die Arbeiterinnen und Arbeiter sind verarmte Bauern, die die Hoffnung hegen, sich hier ihr Überleben zu sichern.

Und es sind Kinder: Mindestens 257 zwischen acht und 16 Jahren, die meisten von ihnen aus Burkina Fasso, Benin, Togo oder Mali. Zwölf Stunden am Tag verrichten die Kinder Schwerstarbeit, fast alle unter Tage in den ungesicherten, gefährlichen Minen. Sie werden - im Gegensatz zu den Erwachsenen - in der Regel nicht bezahlt. Die Patrones versorgen sie lediglich mit Essen.

Die Kinder eignen sich für die Arbeit in den Stollen. Sie sind klein und schmal genug für die extrem engen Schächte und sie sind psychisch belastbarer als die Erwachsenen.

Niemand fragt nach ihrem Verbleib bei einem Unglück oder wenn sie schwer erkranken. An Atemwegserkrankungen wegen der giftigen Chemikalien wie Cyanid oder Schwefelsäure beim Pulverisieren des Gesteins und Herauswaschen des Goldstaubs, an Malaria, Tuberkulose oder, wie so viele: Infiziert mit HIV.

Nur wenige der Kinder sind als Teil ihrer Familie in Komabangou. Alle anderen sind auf sich gestellt und ohne Unterstützung von Erwachsenen. Sie schlafen als Gruppen in einfachen Strohhütten direkt bei den Minen.

Die Kinder sind billig und sie sind für alles gut. Für die Arbeit im Bergwerk, fürs Wasserholen aus entfernten Dörfern - im Ort gibt es keinen Brunnen - als Prostituierte und, wenn die Kräfte nicht reichen, auch für den Verkauf von Lebensmitteln in dem rasant wachsenden Ort.

"Seit drei Jahren steige ich täglich unter Tage und grabe nach Gold" erzählt der 17-jährige Assoumana dem Berater der nigrischen Caritas, der eine umfassende Situationsanalyse zu den versklavten Kinderarbeitern in Komabangou gemacht hat. Die 16-jährige Hadiza erzählt ihm: "Ich verkaufe hier Lebensmittel an die Arbeiter, aber seit drei Monaten habe ich kein Geld mehr bekommen. Die Leute nehmen das Essen aber sie zahlen nicht. Wenn ich mich wehre, werde ich geschlagen."

Oktober 2011