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Afrika

Rechte für Kinder

Burundi: Nothilfe für jugendliche Flüchtlinge

Burundi: Ein friedlicher Ort für Kinder

Jugendliche vom Maison Shalom in einem KreisJugendliche vom Maison Shalom - Gemeinsame Friedensarbeit schweißt zusammenJorge Neto / Caritas international

Die Stimmung in dem kleinen zentralafrikanischen Land Burundi ist angespannt.  2015 hat Präsident Pierre Nkurunziza  eine schwere Krise ausgelöst (siehe Hintergrund). Seither kamen laut Angaben der Vereinten Nationen mindestens 1.200 Menschen ums Leben. Rund 420.000 Personen sind auf der Flucht - im eigenen Land sowie in die Nachbarländer. Etwa 88.000 burundische Flüchtlinge halten sich derzeit in Ruanda auf.

Obwohl die ruandische Regierung und das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen ihr Möglichstes tun, um die Flüchtlinge zu versorgen, ist die Not groß. Die Mehrzahl der Hilfsorganisationen arbeitet in den Flüchtlingslagern. Für die rund 32.000 städtischen Flüchtlinge wird lediglich die medizinische Versorgung von Kindern unter 12 Jahren und von Personen über 60 Jahren sowie von schwangeren Frauen gewährleistet.

Nothife für burundische Flüchtlinge

Viele Geflüchtete, die in den Städten leben, haben Wunden von Folter, Schüssen oder Granaten, Amputationen oder leiden an chronischen Krankheiten. Schon aufgrund ihres Gesundheitszustandes sehen sich viele gezwungen, in den Stadtzentren zu bleiben, weil die medizinische Versorgung in den Camps nicht ausreicht. Und weil Flüchtlinge keine Krankenversicherungskarte für die medizinische Behandlung haben,  überleben sie oftmals nur dank der zeitweisen Hilfe von Kirchen und zivilen Initiativen.

Das Essen ist knapp, es gibt kaum Arbeit und damit kein Einkommen.  Insbesondere junge Flüchtlinge ohne Familien in städtischen Gebieten sind anfällig für Kriminalität, Drogenkonsum, Prostitution. Die meisten von ihnen sind geflohen, nachdem sie ein Trauma erlebt hatten. Viele berichten von sexueller Gewalt, Folter, Inhaftierung. Physische und psychische Verletzungen  machen diese jungen Menschen sehr verwundbar. Sich selbst überlassen, spielen die Jugendlichen aus Verzweiflung schnell auch mit dem Gedanken, sich bewaffneten Gruppen anzuschließen, um nach Burundi zurückzukehren. Die allgemeine Sicherheitslage und Krise kann sich damit weiter verschärfen.

Viele Geflüchtete sprechen bei der  Wohltätigkeitsorganisation Maison Shalom vor oder werden von anderen hierher geschickt. Maison Shalom  möchte insbesondere diese jungen Flüchtlinge unterstützen. Zumindest so lange,  bis sie andere Wege finden, in den Städten Kigali, Butare oder Nyamata  zu leben oder bis  ihre Gesundheit es ihnen erlaubt, in Flüchtlingslagern zu leben.

Nahrung und Arznei, Mietzuschüsse und Beratung

Abgesehen von einer medizinischen Versorgung benötigen die meisten städtischen Flüchtlinge dringend Nahrungsmittelhilfe. Die Psychologin von Maison Shalom legt in einem Beratungsgespräch mit den Bedürftigen gemeinsam fest, welche Unterstützung sie am nötigsten brauchen. Seit rund zwei Jahren betreibt Maison Shalom ein neues Zentrum, die Oase des Friedens (Oasis of Peace). Die geflüchteten Jugendlichen, die hier gerne herkommen oder hierher verwiesen werden, haben oft von der Oase bereits Gutes gehört.

Die Hilfen des Maison Shalom konzentrieren sich auf die Bereiche Bildung, Gesundheit, Ausbildung und Einkommensperspektive und Friedenserziehung. Caritas international finanziert  für die Arbeit des Zentrums medizinische Hilfen, Krankentransporte, Arzt- und Klinikbesuche, Arzneimittel. Auch erlauben Mitzuschüsse ein Dach über dem Kopf. Zudem wird die Beratung und Begleitung von geflüchteten Jugendlichen ausgebaut: Ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Hinweise, wie sie selber aktiv werden können, sind oft ausschlaggebend bei ihrer Entscheidung, zu bleiben oder sich einer Miliz anzuschließen. Immer geht es auch um die Würde dieser jungen Menschen. Und der Kontakt im Zentrum gibt ihnen das Vertrauen, nicht völlig alleine zu sein. Da auch in Ruanda viele Jugendliche in großer Armut leben und eine Zukunftsperspektive suchen, wird ein Fünftel der zugesagten Hilfen für die Bedürfnisse der ruandischen Jugendlichem vorgesehen.

Die langjährige Erfahrung des Projektpartners Maison Shalom hat große Vorteile, auch für die Jugendlichen. Erfahrene und gut vernetzte Programme stehen ihnen nach dieser ersten Hilfe offen. Einige Jugendliche werden also bald die Möglichkeit haben, an den Ausbildungsangeboten des Zentrums teilzunehmen, mit dem Ziel, selber ein Einkommen zu erwirtschaften. Andere werden, sobald sich ihr Gesundheitszustand stabilisiert hat,  einen Platz in einem Camp des UNHCR erhalten.

Die Bevölkerung in Ruanda hat die Initiative zum Aufbau des Zentrums "Oasis of Peace" positiv aufgenommen. Es ist nicht nur für burundische Flüchtlinge, sondern auch für Ruander und viele andere offen. Das Zentrum bietet eine Vielzahl von Kursen an, darunter Englischunterricht, Kochkunst, Nähen und Sticken. Zudem ist es mit Computern ausgestattet. Täglich sind rund 200 Personen in der Oase des Friedens anzutreffen.  

Juni 2018

 

Der Projektpartner

Ende 1993 gründete die Lehrerin Marguerite Barankitse in der Diözese Ruyigi mit 25 überlebenden Kindern eines Massakers ein Haus für unbegleitete Kinder. Sie gab ihm den Namen Shalom - hebräisch für Frieden. Seit der Gründung des "Maison Shalom" hat Maggy Barankitse mit ihrem Team mehr als 20.000 Kinder betreut und aufgenommen.

Der Schwerpunkt der Arbeit hatte sich mit den Jahren verändert: In der Anfangszeit waren es hauptsächlich Kinder, die im Krieg ihre Familie verloren hatten. Bis 2015 engagieren sich die Mitarbeitenden im Maison Shalom für Kinder in schwierigen Lebenslagen: Straßenkinder, Aidswaisen und Kinder, deren Eltern im Gefängnis waren. 2015 musste der Projektstandort wegen der Unruhen in Burundi aufgegeben werden. Maggy Barankitse gründete im benachbarten Ruanda das Zetnrum Oasis of Peace als Anlaufstelle für Flüchtlinge und mit zahlreichen Bildungsangeboten

Die Erfolge von Maison Shalom in Zahlen

Im Maison Shalom wurden allein in den Jahren 2009 bis 2011 insgesamt 1.127 Kinder empfangen und betreut. Weiterhin unterstützen Sozialarbeiter und Psychologen die z.T. stark traumatisierten Kinder bei der Vorbereitung für die Wiedereingliederung in ihre Familien. Allein zwischen 2009 und 2011 konnten durch die Unterstützung von Maison Shalom 944 Kinder und Jugendliche wieder in ihre Familien (621) oder in familienähnliche Strukturen (323) integriert werden.

Neun Jahre hat Caritas international Maison Shalom mit gefördert. Über diese Jahre hat das Projekt eine hohe Qualität und Reputation erlangt, die sich auch im weit verzweigten internationalen Fördernetzwerk widerspiegelt. Marguerite Barankitse, die Gründerin des "Maison Shalom", wurde außerdem im September 2011 der Ehrendoktor der Universität Lille verliehen, sie ist ausgezeichnet mit dem Opus Prize der Universität Seattle und der Auszeichnung durch die französische Ehrenlegion. Die Nachhaltigkeit der meisten Aktivitäten von Maison Shalom ist durch ihre professionelle Arbeit und die ihrer Mitarbeiterinnen vor Ort sichergestellt.

 

 

Video

Burundi: Kinderhaus

Das Kinderhaus Maison Shalom