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Afrika

Krisen und Konflikte

Kongo: Hilfe für Opfer der Konflikte

Saatgut und Palmöl für Vertriebene

Mitarbeiter gießt Plamöl in einen KanisterNahrungsmittel sind für alle knapp. Verteilung von Palmöl an Vertriebene und an die lokale Bevölkerung.Volker Gerdesmeier

Dieses Gebiet schafft es, trotz zahlreicher Fluchtgeschichten und politischer Krisen, nicht in die Hauptschlagzeilen der Medien. Dabei flüchteten allein zwischen Mai und Dezember 2017 rund 60.000 Menschen aus der bürgerkriegsgeplagten Zentralafrikanischen Republik (ZAR) in den Nordwesten des Kongo.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR schätzte 2017, dass sich in der kongolesischen Provinz Equateur über 90.000 registrierte Flüchtlinge in den vier offiziellen Flüchtlingscamps aufhalten, weitere 35.000 Flüchtlinge sind außerhalb der Lager in den Gemeinden untergekommen. Aufgrund von Willkür und Gewalt gegen Binnenvertriebene in der Zentralafrikanischen Republik ist eine Rückkehr für diejenigen, die in den benachbarten Kongo geflohen sind, bis heute keine Perspektive.

Die Fluchtbewegung verstärkt die unsichere Ernährungslage für alle

In der Provinz Equateur im Nordwesten der Demokratischen Repubik Kongo ist die lokale Nahrungsmittelproduktion recht begrenzt und  Armut weit verbreitet. So kann die aufnehmende Bevölkerung die Versorgung der geflüchteten Menschen nicht gewährleisten. In der Folge kam und kommt es zu massiven Nahrungsengpässen, auch für die kongolesische Bevölkerung. Zudem gehört Equateur ohnehin zu den von einer unsicheren Ernährungslage am heftigsten betroffnen Gebieten des Kongo. Immer wieder werden gravierende Ausmaße an Mangel- und Unterernährung bei der lokalen Bevölkerung erfasst, vier von zehn Personen können sich 2017 nicht ausreichend ernähren. Eine Analyse des Welternährungsprogramms in den beiden Provinzen im März 2016 ergab, dass in Nord Ubangi 55 Prozent und in Süd Ubangi 63 Prozent der Bevölkerung von Ernährungsunsicherheit bedroht sind.

Geflüchtete, die jahrelang weit entfernt von der eigenen Existenzgrundlage gelebt haben, sind häufig mittellos, kleinere Rücklagen sind längst aufgebraucht, das Hab und Gut verkauft. Zudem sind in der Provinz Equateur im Nordwesten der DR Kongo soziale Einrichtungen wie Schulen und Gesundheitsstationen schlecht ausgestattet. Und auch die Infrastruktur wie Straßen und Wasserversorgung sind lückenhaft.

Palmöl, Saatgut, Landwirtschaft - für den Aufbau einer Existenzgrundlage

Mehrere zehntausend Flüchtlinge und Vertriebene sowie die aufnehmenden Familien benötigen daher dringend Unterstützung.

Bereits vor vier Jahren waren besonders schwache Flüchtlinge wie Menschen mit Behinderungen, alte Menschen und alleinstehende Frauen über die Diözese Molegbe, dem lokalen Partner der Caritas international, mit Hausrat, Nahrungsmitteln, Kleidung und Decken versorgt. Zudem werden auch die aufnehmenden Gemeinden Libenge, Zongo, Mobayi Mbongo und Bosobolo, in denen Nahrung für alle knapp ist, in mehrfacher Hinsicht unterstützt.

Um die Ernährung langfristig zu stabilisieren, werden von Caritas international einerseits nachhalige Anbauweisen gefördert. Hinzu kommt der Ausbau der lokalen Märkte und der dazu notwendigen Infrastruktur. Die Hilfen auf mehreren Ebenen ergänzen sich in ihrer Wirkung gegenseitig.

Kits mit Hacken und Rechen für die VerteilungVerteilung landwirtschaftlicher Geräte in MolegbeVolker Gerdesmeier

Um den akuten Nahrungsmittelengpass zu bewältigen, konnte in einer ersten Phase die Verteilung von Grundnahrungsmitteln die schlimmste Not lindern. Für eine längerfristige Ernährungssicherung erhalten 5.000 Familien - das sind rund 30.000 Menschen - Saatgut sowie landwirtschaftliche Geräte und eine Fortbildung in modernen landwirtschaftlichen Anbautechniken.

Mit der Gründung von Kooperativen werden in der zweiten Phase der Hilfe Einkommensmöglichkeiten für die Familien geschaffen. Die Menschen erhalten Basiskenntnisse, um künftig ihren Lebensunterhalt eigenständig zu generieren und zu sichern. Mit Knowhow, Maniokstecklingen und Saatgut für Gemüse ausgestattet, steigt die Zuversicht der Menschen auf eine nützliche Beschäftigung. Um den Unterhalt selber verdienen zu können, erhalten Kooperativen eine Erstausstattung zum Bau von Tierställen, Tiermedizin, Fischbrut für die Anlage von Fischteichen oder eine Ausstattung für die Fischerei auf dem Fluss. Eine Maschine zum Enthülsen der Reisernte, Mühlen und Maniok-Raspelmaschinen dienen dazu, die Ernten zu verarbeiten, haltbar zu machen und so die landwirtschaftlichen Erzeugnisse auf den lokalen Märkten anbieten zu können.

Hintergrund der Fluchtbewegung aus der ZAR in den Nordwesten des Kongo

Mit dem Sturz des Präsidenten Bozizés im März 2013 kam es in der Zentralafrikanischen Republik, die südlich am Kongo angrenzt, zu einer Welle an Gewalt. Mehr als 500.000 Menschen flohen damals in die Nachbarländer, sehr viele in den Nordwesten der Demokratischen Republik Kongo. Seit nunmehr fünf Jahren ringen verschiedene Fraktionen von Rebellen und Regierungsgruppen gegeneinander um die Macht und sorgen für Unsicherheit und Gewalt. Und auch Präsident Faustin Archange Touadéra konnte bislang - zwei Jahre nach Amtsantritt - die Wahlversprechen von Februar 2016 nicht einlösen. Noch immer leben die Menschen in Angst, noch immer sind Hunderttausende auf Hilfe angewiesen.

Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland unterstützt.

April 2018