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Afrika

Migration und Flucht

Liberia: Hilfe für ivorische Flüchtlinge

Integration ivorischer Flüchtlinge

 Erwachsene Männer und Frauen bei einem TreffenFür eine friedliche Integration einer ivorischen Flüchtlingsgemeinde sind Flüchtlinge aus dem ehemaligen Camp Little Wlebo sowie die Bewohner/innen der Nachbargemeinden zu gemeinsamen Treffen eingeladen.Caritas Liberia

Die Gemeinde Little Wlebo Extension war bis Ende letzten Jahres ein Flüchtlingscamp, inzwischen wurde es von der Regierung offiziell zur Gemeinde erklärt. Wer hier lebt, kam vor rund acht Jahren aus dem Nachbarland Elfenbeinküste - auf der Flucht vor politischen Unruhen. Ein Zurück gibt es für die 1.200 Personen von Little Wlebo Extension nicht.

Die lokale Caritas in der Region in Liberia kümmert sich um die Bewohner und Bewohnerinnen des ehemaligen Camps, nachdem internationale Hilfsorganisationen die Region verlassen haben. In einem sandigen Sumpfgebiet gelegen und abgeschnitten von Märkten und Infrastruktur ist der Bedarf der Gemeinde groß, um auch nur das alltägliche Leben zu meistern.

Reis, Sardinen, Schulmaterialien

Die Unterstützung des Partners von Caritas international ist so vielfältig wie die Probleme, mit denen die ivorischen Flüchtlingsfamilien konfrontiert sind. Kinder werden von der lokalen Caritas Development Cape Palmas (CDCP) mit Schuluniformen und Schulmaterialien ausgestattet und können so in der Schule lernen - dabei legt die Caritas Wert darauf, ivorische Flüchtlingskinder und liberianische Kinder gleichermaßen zu fördern. Denn Integration fängt in der Schule an.

Um eine Basisernährung der verbleibenden Flüchtlinge zu gewährleisten, werden vorübergehend Reis, Speiseöl, Salz und Sardinen an besonders bedürftige Haushalte verteilt. Auch dringend benötigte Materialien wie Kleidung, Decken und Schuhe werden je nach Bedarf verteilt. Für ältere und kranke Menschen sind in besonders schweren Fällen medizinische Hilfen vorgesehen. Und 120 Frauen, die als alleinige Haushaltsvorstände eine besondere Verantwortung tragen, nehmen an Trainings für Einkommen schaffende Maßnahmen teil. Auch bilden sie Spar- und Kreditgruppen, um sich künftig aus eigener Kraft eine Einkommensalternative erarbeiten zu können.

Schulgebäude mit Erwachsenen bei einem TreffenFür die friedliche Integration der  ivorischen Flüchtlingsgemeinde Little Wlebo werden gemeinsame Treffen mit den Nachbarn für ein gewaltloses Konflikttraining genutzt.Caritas Liberia

Zusammen leben – zusammen wachsen

Langfristig Vertrauen schaffen und das friedliche Zusammenleben fördern: Diese Ziele sind den Mitarbeitenden der Caritas besonders wichtig. Dafür werden von der Caritas in Liberia Mediationsteams ausgebildet. Sie organisieren für die Flüchtlinge und die Bewohner und Bewohnerinnen der umliegenden liberianischen Nachbargemeinden Workshops zur friedlichen Bearbeitung von Konflikten und gewaltlosen Konfliktlösung. Denn Frieden ist keine Selbstverständlichkeit, doch er lässt sich aktiv gestalten.

Das Flüchtlingscamp Little Wlebo wird zur Gemeinde erklärt

Ende 2010 kam es im Nachbarland Elfenbeinküste anlässlich der Präsidentenwahl zu Spannungen. Zahlreiche Menschen flohen über die Grenze nach Liberia. Damals zählte der Partner von Caritas international vor Ort, die Caritas Development Cape Palmas (CDCP), zu den ersten Organisationen, die die neu ankommenden Flüchtlinge in improvisierten Transitlagern mit dem Notwendigsten versorgten.

Im Camp Little Wlebo lebten ursprünglich etwa 12.000 Personen. Heute sind es noch etwa 1.200 Menschen in 384 Haushalten. Die verbliebenen Bewohner des Camps können aus politischen Gründen nicht in ihre Heimat zurück.

Die zuständige Flüchtlingsbehörde hat in Absprache mit dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen das Camp kurzerhand zu einer Gemeinde erklärt. Das Camp Little Wlebo wurde in Little Wlebo Extension umbenannt, die Camp-Schule wurde zur öffentlichen liberianischen Grundschule. Nun besuchen auch liberianische Kinder aus benachbarten Dörfern und Weilern die Schule.

An den mangelnden Lebensgrundlagen für die Bewohner änderte die Umbenennung vom Camp in eine Gemeinde jedoch nichts. Die nächste größere Gemeinde an der Küste ist eineinhalb Fußstunden entfernt. Bis nach Harper, dem einzigem größeren Ort mit einem nennenswerten Markt, sind es 35 Kilometer. Die Gemeinde liegt in einer unfruchtbaren Sumpfregion, die nicht für Landwirtschaft geeignet ist.

Seit 2017 erhalten die Bewohner/innen keine externe Unterstützung mehr - zuvor hatte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen und das Welternährungsprogramm Nahrungsmittel verteilt, Feuerholz geliefert und Schulspeisungen finanziert.

Obwohl die Aufnahme der Flüchtlinge für Liberia, das selbst 14 Jahre Bürgerkrieg durchlitten hat, eine große Belastung darstellte und das Land kaum die eigenen Bürger versorgen kann, herrscht in der Bevölkerung eine große Hilfsbereitschaft, wie der örtliche Caritas-Direktor Mike Jurry berichtet: "Die Bewohner der Grenzstädte zeigen große Solidarität und teilen das wenige, was sie haben."

September 2018

Hintergrund: Die humanitäre Lage in Liberia

Die Bevölkerung in Liberia leidet noch immer stark unter den Auswirkungen des Bürgerkrieges (1989 bis 2003), die das Land auch Jahre danach vor erhebliche wirtschaftliche, politische und soziale Herausforderungen stellen.

Über Zweidrittel der Bevölkerung leben unterhalb der nationalen liberianischen Armutsgrenze. Ein Viertel der Bevölkerung gilt nach wie vor als "von Konflikt betroffen": Die langfristigen Auswirkungen der Kriegsjahre in Liberia und Sierra Leone sind immer noch erheblich.

Der Ausbruch der Ebola-Epidemie im März 2014 hat diese Situation noch verschärft: Das Gesundheitswesen weist erhebliche Mängel auf und das Vertrauen gegenüber Ärzten und Pflegepersonal hat gelitten. Die Landwirtschaft erlitt große Einbußen. Der Handel ist zurückgegangen, Nahrungskrisen haben zugenommen. Ein weiteres Indiz für die Armut im Land: Der Anteil von Kindern und Jugendlichen in Schulen und Ausbildung ist deutlich gesunken.

Seit Januar 2018 ist eine neue Regierung unter Präsident George Weah im Amt. Mehrere hochrangige Mitglieder der neuen Regierung und Verwaltung stammen aus dem Südosten des Landes, der besonders stark von Armut und einem Mangel an Infrastruktur betroffen ist. Daher hofft man in dieser entlegenen Region, dass die Zentralregierung substanzielle Maßnahmen umsetzt, um den Anschluss an Monrovia und den Rest des Landes zu verbessern.

Auch mit Wetterextremen haben das Land und die Menschen, die weithin von der Landwirtschaft leben, zu kämpfen: Der Klimawandel wirkt sich in Westafrika lokal durch erhöhte Niederschlagsmengen und häufigere Regenfälle auch außerhalb der Regenzeit aus. So kommt es immer wieder und verstärkt zu anhaltenden, teilweise sintflutartigen Niederschlägen und Überschwemmungen.