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Afrika

Krisen und Konflike

Nigeria: Zuversicht säen

Unterkünfte aus StrohmattenAm Rande der Stadt Maiduguri leben zahlreiche Geflüchtete in provisorischen UnterkünftenFoto: Gernot Ritthaler / Caritas international

Bis heute sind die Menschen in den Konfliktgebieten einem hohen Risiko ausgesetzt, ermordet oder entführt zu werden. Es gibt zahlreiche Vermisste. Zahlreiche junge Männer wurden von Boko Haram zwangsrekrutiert, Frauen und Mädchen entführt, versklavt und vielfach sexuell ausgebeutet. Vermehrt werden junge Mädchen als Selbstmord-Attentäterinnen eingesetz. Sie müssen den Zündstoff unter ihren Kleidern am eigenen Leib tragen; so werden sie auf die Märkte geschickt.

Der Konflikt betrifft alle, denn die Infrastruktur wie Schulen und Gesundheitszentren, Straßen und Märkte sind zerstört oder stark in Mitleidenschaft gezogen. Nach wie vor stellen Märkte ein erhöhtes Risiko für die Zivilbevölkerung dar.

Terrorgefahr allseits präsent

Wenngleich die militärische Schlagkraft von Boko Haram in Nordnigeria nachgelassen hat, bleibt die Gefahr von Terroranschlägen allseits präsent. Die staatlichen Camps für Vertriebene sollten im Laufe des Jahres 2017 geschlossen werden; die nigerianische Regierung glaubt, die ehemals von Boko Haram beanspruchten Gebiete wieder zu kontrollieren. Doch diejenigen, die geflohen sind, haben nach wie vor Angst vor einer Rückkehr. Die Gründe dafür sind komplex: Oft fehlt es an Mitteln, um das Leben im Dorf wieder aufzunehmen. Es fehlen Saatgut und Dünger, und viele haben ihre Unterkunft bei den Brandschatzungen verloren. Vielerorts sind die Ernten von den Boko Haram Kämpfern vernichtet worden.

Ehemals Zwangsrekrutierte sind Anfeindungen von Seiten der Dorfbewohner/innen und durch ihre eigenen Familien ausgesetzt. Daher ist ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft eine Aufgabe, die professionelle Begleitung benötigt.

Nigeria: Gemüsegärten für Vertriebene in MaiduguriVertriebene bewirtschaften eine Gemüseparzelle: Die Saat wird gegossen, damit in 2 bis 3 Monaten vitaminreiches Gemüse geerntet werden kann. Doch die Unterernährung bleibt ein großes Problem.Foto: Gernot Ritthaler / Caritas international

Unterernährung und Angst

Acht bis neun von zehn Geflüchteten sind in Gastgemeinden untergekommen. Über die Hälfte der Vertriebenen sind Frauen und Kinder. Die Vertriebenen entwickeln Strategien im Umgang mit der Krise, die oftmals neue und zusätzliche Probleme nach sich ziehen.

Der Mangel an finanziellen Mitteln und Arbeit führt vielfach zu Mangelernährung. Allein im Distrikt Borno leiden Anfang 2017 rund 242.000 Kinder an Unterernährung. Weil die Menschen kaum Zugang zu Gesundheitseinrichtungen haben, wird die Mangelernährung schnell lebensbedrohlich: Ohnehin geschwächt, sterben sie an leicht behandelbaren Infektionskrankheiten. Einige prostituieren sich, um doch ein wenig Geld zum täglichen Leben zu haben. Wer in dieser Situation wieder ein Leben in Normalität zurückgewinnen möchte, kann Unterstützung brauchen: in Form von Nahrungsmitteln, landwirtschaftlichen Geräten, Saatgut und professioneller Begleitung. Um bei aller Erfahrung mit Verlust, Terror und Vertreibung wieder Mut zu fassen und Schritte zu gehen, die den Wiederaufbau der Existenzgrundlage ermöglichen.

Vergessene Krisenregion

Laut Vereinten Nationen bedürfen über acht Millionen Menschen in der Tschadregion humanitäre Hilfe, denn über Nigeria hinaus sind auch der Norden Kameruns und der Tschad betroffen. 6,7 Millionen sind hier unterernährt, davon 4,7 Millionen Kinder. Die Krise in Nordostnigeria und den angrenzenden Ländern wurde in einer Untersuchung von der internationalen Nachrichtenagentur Reuters im Dezember 2016 als die am meisten vernachlässigte humanitäre Krise weltweit bezeichnet. Viele Vertriebenen leben am Stadtrand der Provinzhauptstadt Maiduguri, die durch den Zuzug der Vertriebenen ihre Einwohnerzahl verdoppelt hat.

Internationale Geberkonferenz zur Tschadsee-Region

Mehr als 2,1 Milliarden Euro Hilfsgelder haben die Teilnehmer der internationalen Geberkonferenz im September 2018 in Berlin für die afrikanische Tschadsee-Region zugesagt. Auf Einladung des Auswärtigen Amtes wurde ein Teil der Veranstaltung von Caritas international mitorganisiert. Hier tauschte sich die Zivilgesellschaft mit den Repräsentanten internationaler Organisationen über die Situation aus. Zur Konferenz reisten unter anderem Caritas-Partner aus dem Tschad, Kamerun und Nigeria an.

Hier unterstützt Caritas international gemeinsam mit den Partnern vor Ort, der Caritas Nigeria und dem Catholic Relief Service Nigeria, Geflüchtete in Maiduguri sowie die gastgebenden Familien im Bezirk Borno, die aus eigener Kraft die Existenzgrundlagen nicht mehr sichern können.

November 2018