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Afrika

Krisen und Konflikte

Südsudan: Überleben ohne Staat

Saatgut und Bildung - um wieder Fuß zu fassen

Korb mit WildgemüseGrünes Wildgemüse ist gesund. Für viele Vertriebene ist es derzeit die einzige Nahrungsquelle. Das Sammeln ist mühsam und kostet Kraft. Zur Ernährung reicht das nicht. Sean Farrell/Trocaire

Im ehemaligen Upper Nile State im Nordosten des Landes führte die politische Krise zu einer gravierenden Ernährungsunsicherheit für die Bevölkerung, insbesondere in Nasir County. Die Stadt Nasir selbst ist der einzige Ort innerhalb des Bezirkes, der von der Regierung kontrolliert wird. Um die Stadtgrenzen herum finden regelmäßig Luftangriffe statt, die Menschen fliehen vor den Bombardierungen. Die jahrelange gewaltsame Eskalation der Krise hat zu vielfachen Fluchtbewegungen geführt: Der größte Teil der Stadtbevölkerung ist in umliegenden Dörfer oder das weitere Umland geflohen.

Allein in Makak Boma konzentriet sich mit etwa 12.000 Binnenvertriebenen der größte Anteil der der Vertriebenen in den Dörfern entlang des Flusses Sobat. Sowohl den Vertriebenen als auch der lokalen Gemeinschaft fehlen durch den Mangel an Fischereizubehör und Saatgut die erforderlichen Produktionsmittel, um sich selbstständig mit grundlegenden Nahrungsmitteln versorgen zu können. Vor allem Gemüse ist immer seltener Teil des ohnehin kargen Speiseplans. Lokale Märkte bieten nicht mehr genug Nahrung. Getreide, Hülsenfrüchte oder Fisch werden in der Regel im benachbarten Äthiopien beschafft. Doch der Transport ist riskant und die Lieferungen sind unregelmäßig.

Je grüner das Essen, desto gesünder

Um die Ernährung der Menschen zu verbessern, unterstützt Caritas international gemeinsam mit dem Partner African Development Aid (ADA) ein landwirtschaftliches Projekt: Mit Bildung, Saatgut und einer besseren Organisation kann eine nachhaltigere Landwirtschaft  entstehen, die für eine bessere Ernährungslage sorgt. Der Konsum von Gemüse wird gesteigert und Familien erwirtschaften ein Einkommen über die Vermarktung des Gemüses. Dafür erhalten 200 Haushalte im Dorf Kurekweere       Saatgut ernährungsphysiologisch wertvoller Gemüsesorten wie Tomate, Paprika, Grünkohl, Weißkohl, Karotten, Zwiebeln, Amaranth und Okra (grünes Gemüse) sowie Wassermelone. Das Saatgut beziehen die Partner von zertifizierten Händlern aus Uganda oder Kenia. Für 700 Haushalte werden jeweils fünf Kilogramm Saatgut der Sorten Mais, Sorghum und Langbohne sowie eine Hacke beschafft.

Sofort helfen und weitsichtig planen

Mehr als die Hälfte der begünstigten Haushalte wird von Frauen geführt, und rund vier von zehn begünstigten Haushalten sind Ansässige der Gemeinden, denn nicht nur die Vertriebenen, sondern auch die lokale Bevölkerung ist von der Ernährungsnotlage betroffen. Die erste Ernte wird nach drei Monaten erwartet. Voraussichtlich wird eine Familie rund Zweidrittel der Ernte gewinnbringend verkaufen können, ein Drittel bleibt für den Eigenbedarf. Damit wird auch für weitere Familien in den Dörfern die Versorgungslage auf dem Markt und damit die Ernährung auf ein breiteres Angebot gestellt.

Ein- bis zweiwöchige Kurse zur Weiterbildung in landwirtschaftlichen und organisatorischen Kenntnissen sowie Auffrischungskurse unterstützen 700 Familien in wichtigen Fähigkeiten: moderne Anbau- und Erntemethoden sowie Fertigkeiten zur Gewinnung und Konservierung von Saatgut sorgen für einen langfristigen und nachhaltigen Effekt. Auch erhalten die Familien Informationen für eine gesunde Zubereitung der verschiedenen Gemüsesorten und eine ausgewogene Ernährung.

Kleinere Produktionsgruppen organisieren sich und werden von den Partnern vor Ort zu Beginn angeleitet, wie ein Einkommen über einen Zugang zu den lokalen Märkten erwirtschaftet werden kann. Auf der Basis ein- bis zweiwöchiger Schulungen in Anbaumethoden, Ernte und Vermarktung werden 14 Gruppen mit jeweils rund 50 Mitgliedern gebildet. Es geht um Leadership, Vermarktung, doch die Schulungsteilnehmer erwerben auch Kenntnisse in gemeinschaftsbasiertem Spar- und Kreditwesen. Aus den Schulungen heraus gegründet, beraten sich Spar- und Kreditgruppen gegenseitig und handeln in gemeinsamer Verantwortung, um ihre Ziele zu erreichen. Damit lasten die Aufgaben auf mehreren Schultern, Wissen wird geteilt und Risiken ebenso wie Erfolge gemeinsam getragen.

Januar 2018