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Afrika

Krisen und Konflikte

Südsudan: Überleben ohne Staat

Menschen auf der Flucht in sehr trockener RegionTäglich machen sich Vertriebene auf den Weg in das Camp Abroch / Upper Nile. Sie flüchten vor Hunger und Gewalt.Ilvy Njiokiktjien

In einem Bericht der Vereinten Nationen (UN) heißt es im Februar 2017, dass 5,5 Millionen Menschen - und damit die Hälfte der Bevölkerung - unter Hunger zu leiden haben. Im Mai 2018 sind es nicht weniger geworden. 

Derzeit sind knapp fünf Millionen Menschen im Südsudan von einer aktuen Nahrungskrise betroffen - und das seit über einem Jahr. Die Gewalt verschärft die Lage im Südsudan erheblich, der Krieg hat das Land und seine Bevölkerung seit nunmehr fünf Jahren kontinuierlich in große Not gebracht. Besonders betroffen sind die Provinzen Unity und Upper Nile, wo die meisten Menschen durch die Kämpfe vertrieben wurden oder aus Angst vor drohenden Übergriffen ihre Dörfer verlassen haben. Im April und Mai  2018 sind erneut Tausende geflüchtet.

Wenngleich in weiten Gebieten des Südsudan nach einer längeren Dürre der Regein wieder fiel, ist an Aussaat aufgrund der Kriegswirren und Vertreibung kaum zu denken. Millionen Bauern möchten auf ihre Felder, können es aber nicht. Sie mussten fliehen. In den Monaten Mai bis Juli ist die Situation besonders schlimm, da die Vorräte aufgebraucht und die Ernte noch nicht reif ist. Viele Familien mussten ihr Saatgut essen und ihr Vieh verkaufen. Eine von drei Personen im Südsudan ist geflohen: Rund 2,5 Millionen Menschen schafften es in die Nachbarländer und über 1,7 Millionen sind intern - also im eigenen Land - vertrieben worden. Sieben Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe.

Die Menschen leben in Angst. Schon alltägliche Verrichtungen wie Wasserholen und Feldarbeit bedeuten vor allem für Frauen und Mädchen Lebensgefahr. Mehr als 19.000 Jungen wurden bisher als Kindersoldaten rekrutiert.

Machtkämpfe nach der Staatsgründung

Rückblick: Aus dem Ringen um Macht und Einfluss zwischen Staatspräsidenten Salvar Kiir, der sich als ein Dinka bezeichnet, und dem damaligen Vizepräsident Riek Machar, Angehöriger der Nuer, war ein ethnischer Konflikt geworden. Er wird auf brutale Weise und auf Kosten der Zivilbevölkerung ausgetragen. Auch das auf internationalen Druck unterzeichnete Friedensabkommen von August 2015 brachte den von der Bevölkerung ersehnten Frieden nicht. Die Kämpfe gingen nahezu unvermindert weiter.

Frau in einem ausgebrannten HausIn Lobonok zwei Fahrtstunden von Juba entfernt: Diese Frau hat ihre Hütte bei einem Brandüberfall verloren. "Das ist das Schlimmste, was ich je gesehen habe", so eine Caritas-Mitarbeiterin, die seit 27 Jahren in der Hilfe aktiv ist.Patrick Nicholson/Caritas internationalis, 2017

Kurz vor dem Unabhängigkeitstag am 9. Juli 2016 flammten die bewaffneten Kämpfe zwischen Streitkräften und Rebellen in der südsudanesischen Hauptstadt Juba wieder auf. Ex-Vizepräsident Riek Machar wurde von seinem Widersacher und Präsident Salvar Kiir nach dem erneuten Ausbruch der Kämpfe abgesetzt. Die politische Krise und die unüberschaubaren Kampfhandlungen haben zu einer neuen Fluchtbewegung geführt - und halten bis heute an.

Über vier Millionen Vertriebene

Viele suchen Zuflucht in sichereren Landesteilen oder in einem der sechs im Land verteilten UN-Camps, den so genannten "Protection of Civilians". Allein im Camp in Bentiu (Unity) leben über 50.000 Vertriebene, in den UN-Camps in Juba leben knapp 35.000 auf engstem Raum in einer Zeltstadt. Die hygienischen Zustände sowie die medizinische Versorgung in den überfüllten Lagern sind sehr schlecht, das Wasser streng rationiert und immer knapp. Zwei Mal am Tag können die Menschen an wenigen Wasserstellen ihre Kanister füllen. Die hygienischen Bedingungen verschlechtern sich und stellen insbesondere für Kleinkinder und ältere Menschen eine zusätzliches Risiko dar.

Kinder in einem behelfsmäßigen LagerIn der Gemeinde Rimenze (Yambio) lagern tausende Vertriebene in behelfsmäßigen Hüttten, darunter viele Kinder. Fr. John Ngbapia

Ausfallende Ernten

Die eskalierende Gewalt und Angst vor Übergriffen sorgen seit Jahren dafür, dass Felder in vielen Teilen des Landes nicht bestellt wurden und Ernten ausblieben: mit fatalen Folgen für die ohnehin seit jeher von Lebensmitteleinfuhren stark abhängige Bevölkerung. Gerade diejenigen, die nicht in die Nachbarstaaten flüchten oder eines der UN-Camps erreichen konnten, leben in großer Unsicherheit. Sie wissen oft nicht einmal, ob sie am kommenden Tag etwas zu essen haben.

 

Papst Franziskus stellt Hilfsgelder für den Südsudan zur Verfügung

Bereits 2017 hat auch Papst Franziskus sich eingeschaltet und zu verstärkter Hilfe für den Südsudan aufgerufen: In einer Pressekonferenz im Vatikan ließ er am 21. Juni 2017 bekanntgeben, dass er 480.000 Euro für humanitäre Hilfe, darunter auch Caritas-Projekte, im Südsudan bereitgestellt habe. Michel Roy, Generalsekretär von Caritas Internationalis (dem Dachverband aller weltweiten Caritas-Organisationen) teilte in der Pressekonferenz mit, der Papst habe mit dieser Initiative signalisiert, dass noch sehr viel mehr getan werden müsse, um das Leiden im Südsudan zu beenden. Seine Worte gelten 2018 ungebrochen: "Die Welt sollte", so Michel Roy, "dem Beispiel von Papst Franziksus folgen und darf den Süd-Sudan nicht einfach aufgeben." Es geht darum, "die stummen Opfer dieses blutigen und unmenschlichen Konflikts" im Südsudan nicht zu vergessen. Durch die vom Heiligen Stuhl zur Verfügung gestellten Mittel werden zwei von Orden betriebene Krankenhäuser, Bidungseinrichtungen und landwirtschaftliche Projekte der Caritas im Südsudan unterstützt.

Caritas international verstärkt ihre Projektaktivitäten im Südsudan von Jahr zu Jahr seit Beginn des Bürgerkrieges. Es sind die Schwächsten, die wir mit unseren Hilfen erreichen, vor allem Frauen und Kinder. Zwölf Projekte für mehr als 140.000 Menschen sind über nahezu das ganze Land verteilt. Sie bieten Überlebenshilfen in den vier wichtigen Bereichen Ernährung, Gesundheit, Haushalt und Kinder.

Juni 2018