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Afrika

Krisen und Konflikte

Südsudan: Überleben ohne Staat

Überblick: Hilfe für die Leidtragenden

2 Jungen auf einer staubigen Straße - einen Wasserkanister tragend2,5 Millionen Menschen sind aus dem Südsudan geflohen, viele nach Uganda.Tommy Trenchard

Der Ausbruch des Bürgerkriegs im Südsudan im Dezember 2013 hat sich längst zu einer der weltweit größten humanitären Krisen entwickelt: Über 1,7 Millionen Menschen leben 2018 als intern Vertriebene im eigenen Land und über 2,5 Millionen Menschen sind in die Nachbarländer geflohen. Die kriegerischen Wirren, Gewalt und Vertreibungen dauern seit nunmehr fünf Jahren an, ein ganzes Land ist auf der Flucht.

Hunderttausende Häuser wurden abgebrannt und geplündert. Fließendes Wasser und Stromnetze finden die Menschen nirgendwo im Land. Ein Drittel aller Brunnen ist außer Funktion. Bereits jede zweite Schule wurde geschlossen, weil Lehrer kein Gehalt bekommen, geflohen sind oder das Schulgebäude zerstört ist.

Die letzten Reserven sind aufgebraucht, die Krise zehrt an den Körpern von Kindern, Frauen, Männern. Während die Hilfswerke im Januar 2017 von 3,3 Millionen Menschen sprachen, die von einer Hungersnot bedroht sind, erleiden nach neuen Schätzungen rund fünf Millionen Menschen eine Nahrungskrise, sieben Millionen benötigen humanitäre Hilfe. Die Prognosen für die kommenden Monate: Die Situation wird sich verschlimmern.

Frauen sitzen erschöpft von der Flucht auf dem BodenDiese Menschen sind aus Wau Shilluk geflohen, erschöpft haben sie ein Camp erreicht. Ilvy Njiokiktjien

Wenn der Staat versagt

Der Hunger im Südsudan ist das Resultat einer verheerenden Sicherheitslage und kriegerischer Wirren. In der Vergangenheit zehrte eine anhaltende Dürrre die Menschen zusätzlich aus, viele haben sich davon noch nicht erholen können. Nun hindern Willkür und Gewalt die Menschen daran, ihre Felder zu bestellen. Vielfach mussten sie aus Not ihr eigenes Saatgut essen, das Vieh verkaufen, den Ort verlassen. Es geht um das nackte Leben. Die Partner der Caritas helfen momentan an verschiedenen Orten im Land.

"Im Südsudan besteht eine der größten humanitären Katastrophen der Welt", so Simon Tremmel, Projektreferent für Südsudan bei Caritas international. Dank der lokalen Partner sorgt Caritas international seit fünf Jahren für das Überleben der Schwächsten in den Bürgerkriegs- und Zufluchtsgebieten im Südsudan. Es helfen einheimische Mitarbeiter der katholischen Kirche, internationale Ordensgemeinschaften sowie nationale Nichtregierungsorganisationen und Freiwilligenvereinigungen.

Die Projekte im Überblick

Zwölf Projekte für mehr als 140.000 Menschen über nahezu das ganze Land verteilt bieten Überlebenshilfen in den vier wichtigen Bereichen Ernährung,Gesundheit, Haushalt und Kinder. Caritas international arbeitet ausschließlich mit einheimischen und lokal etablierten Organisationen, die
aufopferungsvolle Hilfe leisten.Jeder Euro wird vor Ort wirkungsvoll investiert, lindert Leid und sichert
das Überleben von tausenden Menschen, die zwischen die Fronten des Konflikts geraten sind.

Wasser und Gesundheit: Die Partner von Caritas international richten beispielsweise Kliniktage in Flüchtlingslagern ein und stellen Zusatznahrung für stillende Mütter sowie stark unterernährte Kleinkinder bereit. Traumatisierte Personen, die Gewalt erlebt und Angehörige verloren haben, werden von speziell geschultem Personal betreut, um das Erlebte besser zu verarbeiten. In mehreren Regionen des Landes werden Brunnen gebaut, um Zugang zu sauberem Trinkwasser zu schaffen und Krankheiten durch verunreinigtes Wasser zu verhindern.

Ernährung und Landwirtschaft: Caritas international versorgt die Menschen im Südsudan über mehrere Partnerorganisationen mit mehr als 1.000 Tonnen Nahrungsmitteln pro Jahr. Es muss rasch gehen mit den Lebensmittelverteilungen, die Schwächsten, wie alte Menschen und Kleinkinder drohen zu verhungern. Im zweiten Schritt werden an sicheren Projektstandorten Saatgut, Setzlinge und Werkzeug ausgegeben und landwirtschaftliche Schulungen durchgeführt, um Kleinbauern einen Neuanfang zu ermöglichen. Wo möglich, wird der Fischfang unterstützt.

Ausstattung und Haushalt: Caritas international hilft mit kirchlichen Partnern vor Ort besonders bedürftigen Rückkehrern zerstörter Dörfer dabei, behelfsmäßige Unterkünfte zu errichten. Da zumeist alles geplündert wurde, erhalten die Familien dringend benötigte Haushaltsutensilien wie Matratzen, Moskitonetze und Kochgeschirr. Sehr häufig sind es alleinerziehende Frauen, denen geholfen werden muss, da die Männer im Kampf gefallen sind oder gezielt getötet wurden.

Kinder und Bildung: Caritas international kümmert sich in allen Projekten um Kinder, da sie mehr als 50 Prozent der Bevölkerung ausmachen. In den Camps in Juba und in der Region Upper Nile gibt es besondere Angebote für Kinder: Hunderte Waisen bekommen Pflegeeltern zur Seite gestellt und mehr als 4.000 Kindern wird eine einfache Schulbildung ermöglicht. Als Lehrer werden vor allem Vertriebene eingestellt, die bereits in ihrer Heimat als Lehrer tätig waren.

Juni 2018