zurück

Afrika

Konflikte und Krisen

Tschadsee: Flucht vor Boko Haram

Kamerun: Hilfe für Boko Haram-Vertriebene

Im Norden Kameruns unterstützt unsere Partnerorganisation, die Caritas-Comité Diocésain de Développement Maroua-Mokolo, insgesamt knapp 15.000 Familien. Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt gefördert und von Caritas international unterstützt.

Nothilfe mit Nahrungsmitteln für 12.000 Familien

Seit 2013 wütet die Terrororganisation Boko Haram in Kamerun. Sie entstand einst im benachbarten Nigeria - doch die Gewalt hört nicht an der Landesgrenze auf. Tausende Kameruner wurden gezwungen, ins Landesinnere zu fliehen. Dort treffen die Inlandsvertriebenen auf Flüchtlinge aus den Nachbarländern sowie auf die ebenfalls unter der Situation leidenden gastgebenden Gemeinden. Spannungen und Konflikte sind hier vorprogrammiert, denn es gibt von beinahe allem zu wenig: Land, nahrung und Wasser sind knapp. Infolge des Konflikts und der Selbstmordattentate liegen viele Felder brach und einst funktionierende Märkte sind zusammengebrochen. Daher verteilt die Caritas an knapp 12.000 Familien Nahrungsmittel. Auch Saatgut wird verteilt, sodass diejenigen, die Zugang zu Land haben, wieder eigene Nahrungsmittel anbauen können.

Kind mit Wasserkanistern Szene aus einem Lager für Menschen, die vor Boko Haram geflohen sind. Dieses Foto ist aus Nigeria.Foto: Michael Stulman / CRS

Fokus auf Kinder und Jugendliche

Neben der notfallmäßigen Versorgung mit Lebensmitteln werden vor allem Kinder und Jugendliche bei der Arbeit der Caritas in Nordkamerun berücksichtigt. So werden zehn neue Schulen gebaut, um die hohe Zahl der geflohenen Kinder unterbringen zu können. Außerdem wird für 6.000 Kinder das Schulgeld bezahlt um zu verhindern, dass ihre Eltern sie aus wirtschaftlicher Not aus der Schule nehmen.

Der Zugang zu Bildung ist nicht nur für die Zukunft von großer Bedeutung - der Schulbesuch bedeutet auch einen stabilen Rahmen für die Kinder, von denen viele einen langen Lebensabschnitt auf der Flucht verbracht haben. Viele Kinder waren auf der Flucht vollkommen schutzlos und haben Schreckliches erlebt - die Caritas schult daher Lehrer und auch Eltern darin, Anzeichen von Traumatisierungen durch Gewalt oder Missbrauch zu erkennen. Sie vermittelt medizinische, psychologische und rechtliche Hilfe.

Durch die Flucht haben viele Menschen ihre Ausweispapiere verloren oder zurückgelassen, dasselbe gilt für die Geburtsurkunden der Kinder. Zudem sind viele Kinder erst während der Flucht geboren und haben gar keine Dokumente. Für die Betroffenen wird es ohne Ausweisdokumente noch schwieriger, ihre Rechte einzufordern. Die Caritas unterstützt die Menschen daher bei der Beschaffung von neuen Papieren.

Der Region droht der Kollaps

Über 360.000 Vertriebene leben im Norden Kameruns. Die meisten sind aus der Grenzregion geflohen, über 60.000 kommen jedoch auch aus dem benachbarten Nigeria. All diese Menschen mussten ihre Heimat verlassen und verloren Hab und Gut, um sich in den etwas sichereren Gebieten in der Region niederzulassen. Diese Bevölkerungsbewegungen haben die Verwundbarkeit der Menschen in der ohnehin schon schwachen Region stark erhöht. Zudem kommen klimatische Herausforderungen: Immer wieder ist die Region von Dürren, aber auch von Überschwemmungen betroffen. Trinkwasser und Nahrungsmittel sind knapp, die Kriminalität steigt und die Armut greift immer weiter um sich: Drei von vier Personen im Norden des Landes leben unterhalb der Armutsgrenze.

August 2018