zurück

Afrika

Konflikte und Krisen

Tschadsee: Flucht vor Boko Haram

Gemeinsam wirtschaften gegen Landkonflikte

Frauen bei einem Dialogtreffen Die Caritas Goré unterstützt den Dialogprozess mit Geflüchteten aus der Krisenregion des Nachbarlandes Zentralafrikanische Republik Volker Gerdesmeier

Der Tschad hat nicht nur im Westen des Landes mit der Flucht vor dem Terror eine große humanitäre Aufgabe zu bewältigen. Infolge des politischen Konflikts in der benachbarten Zentralafrikanischen Republik (ZAR) sind im Laufe der letzten Jahre Zehntausende in die südlichen Bezirke des Tschads geflohen. Um diesen Menschen eine Existenz in der Landwirtschaft zu sichern und Landkonflikten vorzubeugen, engagiert sich die Caritas in der Versöhnungsarbeit und beugt Landkonflikten vor.

Bereits 2015 kam es nach dem Vormarsch der bewaffneten Séléka in dem südlichen Nachbarland bei der Gegenreaktion der Anti-Balaka zu massiven Übergriffen an Muslimen. Die ehemals aus dem Tschad  stammende Bevölkerung in der Grenzregion der Zentralafrikanischen Republik war davon besonders betroffen, woraufhin die tschadische Regierung aktiv die Flüchtenden unterstützte. 70.000 Opfer verblieben so vor allem im Südtschad unweit der Grenze in den Diözesen Goré und Moundou. Hier wurden größere Flüchtlingssiedlungen angelegt und dafür vom Staat Land zur Verfügung gestellt. Im März 2016 zählte die Internationale Organisation für Migration (IOM) in den Siedlungen Danamadji und Kobiteye in der Diözese Goré knapp 20.000 Menschen. Die Betroffenen werden als Tschader angesehen - sowohl in der Zentralafrikanischen Republik als auch von der Regierung im Tschad - und somit als "Rückkehrer" bezeichnet.

Oft waren es die Eltern oder gar Großeltern, die vor 40 bis 50 Jahren aus dem Tschad in die Zentralafrikanischen Republik eingewandert waren. Ihre Enkel und Großenkel sind nun im Südtschad oft ohne verwandtschaftliche Netzwerke auf sich gestellt. Die geflüchteten Menschen haben vielfach keine Papiere, sie gelten als Staatenlose und haben mehrheitlich keine Nationalität und damit zunächst keinen Zugang zu Versorgungsstrukturen. Daher sind sie auf die Unterstützung von Hilfswerken angewiesen.

Seit sich die tschadische Regierung sowie zahlreiche internationale Hilfsprogramme seit Ende 2016 zurückgezogen haben, nehmen Landkonflikte in Goré zu, denn die Menschen aus Danamadji und Kobiteye sind umso mehr darauf angewiesen, für ihr eigenes Auskommen zu sorgen. Sie wollen Land bewirtschaften und Viehzucht betreiben. Seit Juni verschärfen sich die gewaltsam ausgetragenen Konflikte in der ZAR erneut. Damit ist für die Geflüchteten klar, dass sie sich eine Existenz und Bleibeperspektive im Südtschad aufbauen müssen - ein Weg zurück ist für die meisten undenkbar.

GemüseanbauDank der Caritas wird der Zugang zu Land für die "Rückkehrer" aus der Flüchtlingssiedlung erleichtert und Gemüsegärten für den Eigenbedarf angelegt.Volker Gerdesmeier

Landkonflikten vorbeugen und den Boden nachhaltig bewirtschaften

Um die Versorgung der Geflüchteten mittelfristig zu verbessern, unterstützt Caritas international die Arbeit von Caritas BELACD der Diözese  Goré sowie von Justicia et Pax, die in der Nachbardiözese Moundou tätig ist. Im Laufe eines Jahres möchte die Caritas für die Menschen aus den Flüchtlingsdörfern Danamadji und Kobiteye insgesamt 100 Hektar Land für den Anbau von Nahrungspflanzen gewinnen, und zwar durch Verhandlungen, die zugleich den Frieden unter der lokalen und zurückgekehrten Bevölkerung stärken. Die Mitarbeitenden der Caritas und Justitia et Pax treten als Moderatoren und Mediatoren in den Gemeinden auf.

Zugleich wird ein standortgerechter Kulturpflanzenanbau gefördert: durch die Weitergabe von Wissen über angepasstes Saatgut und ökologisch nachhaltige Anbauweisen. Es werden kleine Kooperativen von Landwirten gegründet, denen jeweils Einheimische sowie Rückgekehrte angehören, darunter Frauengruppen. Denn viele Frauen kamen als Alleinerziehende aus dem Nachbarland. Gefördert wird so ein Zusammenleben, das auf Frieden und gegenseitiges Verständnis gründet.

Caritas international unterstützt die Arbeit in den Diözesen Goré und Moundou mit insgesamt 70.000 Euro.

Februar 2017