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Asien

Flucht und Migration

Bangladesch: Nothilfe für die Rohingya

Versorgung in Rohingya-Camps

Ein Arzt verschreibt einem Mädchen MedikamenteMedikamente, Hygieneartikel und Tabletten zur Wasserdesinfektion werden verteilt.Caritas international

Der Alltag der Rohingya in Myanmar ist seit Jahrzehnten von Unterdrückung, Ausgrenzung und Gewalt geprägt. Das buddhistisch orientierte Myanmar akzeptiert die muslimische Minderheit nicht als eigene Bevölkerungsgruppe. Mit Militäroffensiven und der Aberkennung von Rechten wurden in der Vergangenheit nahezu 1,5 Millionen Rohingya in die Nachbarländer vertrieben.

Beim letzten gewaltsamen Angriff durch das Militär Ende August 2017 kam es zu einer Massenflucht. Über 700.000 Menschen suchten seither Schutz im benachbarten Bangladesch, mehr als die Hälfte davon sind Kinder. Die Situation in Bangladesch ist für die Flüchtlinge kritisch. Es gibt nicht genügend feste Unterkünfte, die Menschen leben in riesigen Lagern zumeist unter einfachen Plastikplanen. Es fehlen sanitäre Einrichtungen und die Gefahr vor Seuchen ist groß. Viele Menschen sind schwer traumatisiert. "Die lokalen Infrastrukturen sind völlig unzureichend, denn das hier ist eine der ärmsten Regionen Bangladeschs, in der die Versorgung für die einheimische Bevölkerung schon schlecht ist", berichtet Peter Seidel, Länderreferent bei Caritas international.

Modelldorf für 182 Familien

Rückansicht eines Caritas-Mitarbeiters der an Hütten vorbeiläuftBlick auf Bambushütten in der Modellsiedlung.Fabian Berg

Caritas Bangladesch errichtete im Flüchtlingslager bei Cox Bazar ein Modelldorf mit vorerst 182 Bambushütten, Trinkwasserbrunnen, Toiletten und Duschanlagen und Räumen für Kinder. Ursprünglich waren festere Bauten geplant, das lehnte aber die Regierung ab. Trotzdem hat sich die Wohnsituation für die dort lebenden Familien (rund 1.300 Personen) wesentlich verbessert. An den größeren Wegen sorgen sogar Solarlampen für die Sicherheit der Bewohner. Die UN ist von dem Modelldorf so überzeugt, dass sie es anderen Hilfsorganisationen zur Umsetzung empfiehlt und gemeinsam mit der Regierung die Caritas mit dem Bau von weiteren Hütten beauftragt hat. Bis Ende Juli will die Caritas insgesamt 4.335 Hütten für weit über 20.000 Geflüchtete errichtet haben. Das Gelände wurde terrassiert und befestigt und kann somit besser dem Monsun standhalten, der Ende Juni eintreten wird. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, rechtzeitig zum Einsetzen des Regens genug Hütten gebaut zu haben. Rund 1.700 Arbeiter sind täglich auf der Baustelle beschäftigt, die meisten sind selbst Flüchtlinge und können sich durch Cash-for-Work einen kleinen Verdienst erarbeiten.

Hilfe für 300.000 Menschen

Gemeinsam mit Caritas Bangladesch versorgt Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, in Kooperation mit der UN 300.000 Flüchtlinge im Lager. Verteilt werden Grundnahrungsmittel, wie Reis, Hülsenfrüchte, Salz, Zucker und Speiseöl, Koch- und Essgeschirr, Decken und Matratzen, Hygiene- und Babyartikel sowie einfache Baumaterialien zur Befestigung der Notunterkünfte. "Mit einfachen Dingen, die für uns selbstverständlich sind, kann man die Menschen hier glücklich machen und ihnen helfen", berichtet Stefan Teplan, Mitarbeiter von Caritas international. 

Bessere Hygienebedingungen und psychologische Hilfe  

Ein Caritasmitarbeiter mit zwei Kindern im CampCaritas hat über 100 Fachkräfte im Einsatz, die sich unter anderem um das Wohl der Kinder kümmern.Caritas international

Durch den Bau von Wasserzuleitungen und Sanitäreinrichtungen und die Abgabe von Desinfektionstabletten können die hygienischen Bedingungen verbessert und das Risiko von Seuchen verringert werden.

Erwachsene und vor allem Kinder, die durch die Erlebnisse, den Verlust von Angehörigen und die Flucht schwer traumatisiert sind, erhalten eine psychologische Betreuung. Kinderfreundliche Plätze mit Spiel- und Lernangeboten wurden eingerichtet, und mehr als 100 Caritas-Fachkräfte sind im Einsatz. "Die Menschen haben schreckliche Erfahrungen gemacht, leider auch die Kinder. Wir helfen ihnen, ihr Leid zu lindern", erklärt Mohamed Adadu, Sozialarbeiter der Caritas Bangladesch.

Caritas international wird bei der Hilfe für die Rohingya-Flüchtlinge großzügig vom Erzbistum Freiburg und der Diözese Rottenburg-Stuttgart unterstützt.

Mai 2018