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Asien

Flucht und Migration

Bangladesch: Nothilfe für die Rohingya

Das Leid der Rohingya

�bersicht des Camps in Cox's BazarDas Camp in Cox's Bazar. Das Ausmaß ähnelt mittlerweile einer Großstadt. Foto: Fabian Berg

Der Begriff der „ethnischen Säuberung“ wird von der internationalen Gemeinschaft nur in Ausnahmefällen gebraucht, bezeichnet er doch die Entfernung einer ganzen Volksgruppe aus ihrer Heimat. Doch es gibt keinen Begriff, der die Vertreibung der muslimischen Rohingya aus Myanmar treffender beschreibt.

Mehr als 720.000 Menschen der Minderheit wurden seit dem vergangenen Jahr gewaltsam aus dem Bundesstaat Rakhine in Myanmar vertrieben. Die Vereinten Nationen sprechen, um die Dimension noch einmal zu unterstreichen, nicht nur von einem "Musterbeispiel ethnischer Säuberung", sondern auch von der "am schnellsten wachsenden und schlimmsten Flüchtlingskatastrophe" seit Jahrzehnten.

Ein paradoxer Witz einer grausamen Geschichte

Dabei ist die jüngste Vertreibungswelle nur der Höhepunkt einer gegen die Minderheit gerichteten Politik, die sie schon seit Jahrzehnten erdulden müssen. In Myanmar lebten bis zu den Auseinandersetzungen im August 2017 etwa 1,1 Millionen Rohingya, zumeist ohne Staatsbürgerschaft und damit auch ohne Rechte. Schätzungen zufolge harren heute nur noch zwischen 150.000 und 200.000 Rohingya in dem südostasiatischen Land aus, das mit Aung San Suu Kyi von einer Friedensnobelpreisträgerin regiert wird – ein paradoxer Witz der Geschichte.

Übersicht des Camps in Cox's BazarEin kleiner Ausschnitt aus dem Flüchtlingscamp in Cox's Bazar. Insgesamt leben hier rund 900.000 Rohingya.Foto: Fabian Berg

Wer von den Rohingya in Myanmar geblieben ist, wird weiterhin diskriminiert und verfolgt. Bereits in den Jahren 1978, 1991 und 1992 wurden von dort mehr als 200.000 Rohingya nach Bangladesch vertrieben und wohnen seither in einem Flüchtlingscamp, das sie bis heute nicht verlassen dürfen: Sie erhalten in Bangladesch, das die UN-Flüchtlingskonvention nicht unterzeichnet hat, keinen Flüchtlingsstatus, keine Arbeitsgenehmigung und es ist politisch nicht gewollt, sie in die Gesellschaft in Bangladesch zu integrieren. Denn das Land hat, als eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt, selbst mit Problemen wie Arbeitsplatzmangel und Armut zu kämpfen. Den über 700.000 neu Angekommenen, deren Camp inzwischen mit dem ihrer Vorläufer zu einem Millionen-Lager zusammengewachsen ist, droht das gleiche Schicksal.

Soziale Lage im Camp - Sicherheit geht vor 

Bangladesch: Ein Mädchen transportiert BambusCaritas Bangladesch versucht der Gefahr von Menschenhandel und Zwangsprostitution von jungen Mädchen und Frauen so gut es geht vorzubeugen. Foto: Fabian Berg

Die soziale Lage im Camp ist prekär. Rund 70 Prozent der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder. Der Schutz dieser Gruppe ist der Caritas ein besonderes Anliegen. „In großen Camps“, so James Gomes, Direktor der Caritas Bangladesch, „ist die Gefahr von Menschenhandel immer besonders groß. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kam es auch im Rohingya-Lager bereits dazu, dass junge Mädchen unter fadenscheinigen Gründen abgeworben und zur Prostitution gezwungen wurden. In diesen konkreten Fällen wurden die Zuhälter inzwischen ausfindig gemacht und hinter Schloss und Riegel gebracht. Aber man muss weiterhin auf der Hut sein.“

Die Caritas hat, um die Sicherheit zu erhöhen, in denen von ihr betreuten Zonen mit Solarenergie betriebene Straßenlaternen aufgebaut und lässt die Siedlungen nachts von abgestellten Sicherheitsleuten bewachen. Außerdem wurden die Hütten mit Schlössern versehen und Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter der Caritas besuchen regelmäßig die von ihnen betreuten Familien.

Rohingya-Kinder: eine verlorene Generation? 

Über die Hälfte der Bewohner des Camps sind Kinder. Kinder, die einer Zukunft ohne Bildung und Planungssicherheit entgegenblicken, wenn sich die Staaten nicht einigen können. Eine verlorene Generation. Oder drastischer – eine Generation, die der Radikalisierung zum Opfer fallen könnte. In einer rasch aufgebauten Koranschule, die weniger Wert auf Mathematik-Lektionen, als auf das Auswendiglernen des Korans und der Rache an Myanmar legt, unterrichtet die einflussreichste islamistische Organisation in Bangladesch hunderte von Rohingya-Kindern.

Bangladesch: Ein Mädchen spielt mit Ziegeln auf dem BodenDIe Zukunft der Kinder im Camp Kutupalong ist unsicher. Foto: Fabian Berg

Caritas international betreibt  gemeinsam mit Caritas Bangladesch dem entgegen sogenannte "child-friendy-spaces". In den kinderfreundlichen Plätze mit Spiel- und Lernangeboten werden die Kinder von Erzieher/-innen betreut, können spielen und die schrecklichen Erlebnisse verarbeiten.

Psychosoziale Hilfe

Neben all diesen Problemen brauchen die Rohingya dringend psychosoziale Hilfe. Hunderttausende haben grausamste Gewalt erlebt oder mit ansehen müssen, traumatische Erlebnisse, die tiefe Wunden hinterlassen haben und zu einer „Schockstarre“ bei vielen Camp-Bewohnern geführt hat. Auch hier leistet die Caritas einen Beitrag, die Traumatisierung dieser Bevölkerungsgruppe zu mildern. 

psychosoziale Hilfe zwischen BambushüttenUnkonventionell zwischen den Bambushütten finden Gespräche und psychosoziale Hilfe zwischen den Betroffenen und Caritas Mitarbeitenden statt. Foto: Fabian Berg

Hier gibt es weitere Informationen zu den gemeinsamen Hilfsmaßnahmen von Caritas international und der lokalen Partnerorganisation Caritas Bangladesch im Flüchtlingscamp Kutupalong.