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Asien

Flucht und Migration

Bangladesch: Nothilfe für die Rohingya

„Kutupalong müsste aufgelöst werden!“

Die Rohingya – eine Volk ohne Zukunft?

Peter Seidel: So scheint es. Jedenfalls ist ihre Rückkehr nach Myanmar in naher Zukunft keine realistische Option. Ihre Dörfer sind abgebrannt und dann von Bulldozern dem Erdboden gleichgemacht worden. Sie müssten dort in Lagern leben - wer macht das freiwillig? Das Angebot zur Rückkehr erscheint daher als reine Propaganda seitens der Regierung Myanmars. Vor der Vertreibung hatten sie keine Chance auf die Staatsbürgerschaft und nun als Flüchtlinge im Nachbarland noch weniger, von einer Entschädigung oder Wiedergutmachung ganz abgesehen. Und auch in Bangladesch haben sie derzeit keine Zukunftsperspektive: Im dichtest besiedelten Flächenland der Erde will die Regierung von Bangladesch die Menschen auf Dauer nicht beherbergen. Viele werden versuchen, ohne Papiere ihr Glück in der Hauptstadt Dhaka zu finden und dort das Heer der unterbezahlten Tagelöhner vergrößern. Eine Zukunftsperspektive sehe ich für Rohingya im Augenblick nicht.

Kutupalong: FlüchtlingscampBlick von oben auf einen Bruchteil des riesigen Flüchtlingslagers in der Nähe von Cox's Bazar, Bangladesch.Foto: Fabian Berg/Caritas internationalis

Welche Aufgaben kann die Caritas künftig übernehmen?

Seidel: Die durchschnittliche Verweildauer von Vertriebenen in Camps wie Kutupalong, dem Flüchtlingslager der Rohingya in Bangladesch, liegt laut den Vereinten Nationen (UN) weltweit bei 17 Jahren. Da die UN für ihre Flüchtlingshilfen zu wenig Mittel hat, werden die Anfragen für Hilfe durch Nichtregierungsorganisationen wie uns umso größer. Augenblicklich helfen wir mit, die Menschen mit Flüssiggas zu versorgen, damit sie kochen können. Wir ergänzen die Reisverteilungen des Welternährungsprogramms der UN mit Linsen und Öl, um eine halbwegs ausgewogene Ernährung sicherzustellen. Darüber hinaus arbeiten Sozialarbeiterinnen der Caritas im Flüchtlingslager, die die Familien betreuen und sich dabei besonders um die Situation von Frauen und Kindern kümmern. Bildungsarbeit wird langfristig sicher ein Thema werden.

Wie könnte eine Lösung für die Rohingya aussehen?

Seidel: Das Camp Kutupalong sollte so schnell wie möglich aufgelöst werden. Die Menschen müssen an Orte gehen können, wo sie für ihren Lebensunterhalt selbst sorgen können und ihre Kinder eine Zukunft haben. Je intensiver sie darauf vorbereitet sind – durch Schul- oder Ausbildung -, umso besser. Denn ansonsten könnte die Perspektivlosigkeit der Jugend in Radikalisierung umschlagen.

Juli 2018