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Asien

Flucht und Migration

Bangladesch: Nothilfe für die Rohingya

Rohingya: Teaserbild Sommerkampagne 2018Seit 2017 flohen hunderttausende Rohingya nach Bangladesch.

Der Konflikt zwischen der muslimischen Minderheit der Rohingya und der buddhistischen Bevölkerungsmehrheit in Myanmar schwelt seit Jahrzehnten. Traditionelle Auseinandersetzungen um Landbesitz und zunehmend chinesisch-burmesische Bauprojekte führen dazu, dass die Rohingyas immer mehr verdrängt werden. Die Regierung Myanmars akzeptiert die rund eine Million Rohingya nicht als eigenständige Bevölkerungsgruppe und gesteht ihnen keinerlei Rechte zu. So dürfen sie weder wählen, noch sich im Land frei bewegen. Sie unterliegen Heirats- und Arbeitsbeschränkungen und haben kaum Zugang zu Bildung.

Militärische Einsätze gegen Rohingya

Seit den fünfziger Jahren kommt es immer wieder zu groß angelegten Militäroffensiven gegen die Minderheit. Dabei starben in der Vergangenheit Tausende Menschen und über eine Million wurden vertrieben. Als Rohingya-Rebellen Ende August 2017 in Myanmar Polizei- und Militärposten angriffen, entflammte der Konflikt erneut. Das Militär reagierte mit einer „Räumungsaktion“. Gezielt wurden die Siedlungen der Rohingya dem Erdboden gleichgemacht oder abgebrannt. Die Organisation Human Rights Watch (HRW) veröffentlichte im Februar 2018 Zahlen, nach denen seit August 2017 mindestens 360 Rohingya-Dörfer vollständig oder teilweise zerstört wurden. Frauen, selbst schwangere, wurden vergewaltigt, Kinder waren oftmals Zeugen der Gewalttaten.

Der UNO-Menschenrechtsrat bezeichnete das Vorgehen des Militärs als "ethnische Säuberung" und rief die Regierung in Myanmar auf, die "brutale Militäroperation" sowie die Diskriminierung zu beenden.

Prekäre Zustände in Flüchtlingslagern

Seit 2017 flohen hunderttausende Rohingya vor der Gewalt in das überwiegend muslimische Nachbarland Bangladesch, darunter sehr viele Kinder. Allein im Flüchtlingslager Cox Bazar halten sich rund 900.000 Flüchtlinge auf. Die Situation ist kritisch, denn das Lager ist nicht für so viele Menschen ausgelegt. Die meisten Flüchtlinge leben notdürftig unter Plastikplanen, die hygienischen Bedingungen sind prekär, Trinkwasser und Nahrungsmittel sind knapp. Hinzu kommt, dass viele Menschen durch den Verlust von Angehörigen und die beschwerliche Flucht ein traumatisches Verhalten zeigen.

Monsun verwandelt Lager in Schlammwüste

Bangladesch: Rohingya ÜberschwemmungenDer Regen verwandelt die Lager in Schlammwüsten.

„Eine Katastrophe in der Katastrophe“ befürchtet der Asien-Referent Peter Seidel von Caritas international mit dem aktuellen Monsun. Seit Mitte Juni regnet es ununterbrochen. Die rund 200.000 Menschen, die auf gerodeten Hängen ihre Hütten errichtet haben, sind in großer Gefahr, weil der Regen zu Erdrutschen führen und die Menschen unter sich begraben kann.

Mit Hochdruck arbeitet Caritas in Kooperation mit UN-Organisationen daran, die Hütten so gut es geht zu sichern. Rund 4.000 Übergangsunterkünfte wurden bereits gebaut, weitere sollen folgen. „Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit“, sagt Seidel.

Rückkehrpläne bisher zum Scheitern verurteilt

Ende2017 einigten sich Myanmar und Bangladesch über eine Rückführung der Rohingya. Passiert ist bisher nichts. "Aus unserer Sicht ist eine Rückkehr sowieso unmöglich", sagt Peter Seidel. "Es gibt überhaupt nichts, wohin die Menschen gehen könnten. Ihre Dörfer wurden niedergebrannt."

Auch die Grundvoraussetzungen für eine Rückkehr nach Myanmar fehlen. Bangladesch gehört nicht zu den Unterzeichnern der UN-Flüchtlingskonventionen und muss den Rohingya daher keinen Flüchtlingsstatus zuerkennen. Solange die Menschen keine Staatsbürgerschaft und damit keinerlei Rechte haben, können sie das Camp nur schwer verlassen. Sie befinden sich in der Schwebe, denn eine Integration in der Gesellschaft Bangladeschs ist politisch nicht gewollt. "Dass sich die Staaten einigen, reicht nicht. Es muss sich auch grundsätzlich etwas an der Lage der Rohingyas in Myanmar ändern", sagt Oliver Müller, Leiter von Caritas International.

Juni 2018