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Asien

Flucht und Migration

Bangladesch: Nothilfe für die Rohingya

Der Konflikt zwischen der muslimischen Minderheit der Rohingya und der buddhistischen Bevölkerungsmehrheit in Myanmar schwelt seit Jahrzehnten. Traditionelle Auseinandersetzungen um Landbesitz und zunehmend chinesisch-burmesische Bauprojekte führten dazu, dass die Rohingyas immer mehr verdrängt werden. Die Regierung Myanmars akzeptiert die rund eine Million Rohingya nicht als eigenständige Bevölkerungsgruppe und gesteht ihnen keinerlei Rechte zu. So dürfen sie weder wählen, noch sich im Land frei bewegen. Sie unterliegen Heirats- und Arbeitsbeschränkungen und haben kaum Zugang zu Bildung.

Rohingya-Familie im SchlammSeit 2017 flohen hunderttausende Rohingya nach Bangladesch.Foto: Caritas

Militärische Einsätze gegen Rohingya

Seit den fünfziger Jahren kommt es immer wieder zu groß angelegten Militäroffensiven gegen die Minderheit. Dabei starben in der Vergangenheit Tausende Menschen und über eine Million wurden vertrieben. Als Rohingya-Rebellen Ende August 2017 in Myanmar Polizei- und Militärposten angriffen, entflammte der Konflikt erneut. Das Militär reagierte mit einer „Räumungsaktion“. Gezielt wurden die Siedlungen der Rohingya dem Erdboden gleichgemacht oder abgebrannt. Die Organisation Human Rights Watch (HRW) veröffentlichte im Februar 2018 Zahlen, nach denen seit August 2017 mindestens 360 Rohingya-Dörfer vollständig oder teilweise zerstört wurden. Frauen, selbst schwangere, wurden vergewaltigt, Kinder waren oftmals Zeugen der Gewalttaten.

Der UNO-Menschenrechtsrat bezeichnete das Vorgehen des Militärs als "ethnische Säuberung" und rief die Regierung in Myanmar auf, die "brutale Militäroperation" sowie die Diskriminierung zu beenden.

Prekäre Zustände in Flüchtlingslagern

Den Menschen blieb nichts anderes übrig, als zu fliehen, meist Hals über Kopf. Seit Beginn der letzten Militäroffensive flohen über 700.000 Rohingya in das überwiegend muslimische Nachbarland Bangladesch, darunter sehr viele Kinder. Ein Großteil von ihnen strandete im weltweit größten Flüchtlingslager nahe Cox´s Bazar, in dem die Caritas Nothilfe leistet. Die Situation vor Ort ist kritisch, das Lager ist für so viele Menschen nichtausgelegt. Die meisten Flüchtlinge leben notdürftig unter Plastikplanen, die hygienischen Bedingungen sind prekär, Trinkwasser und Nahrungsmittel sind knapp, für die Kinder gibt es nahezu keinen Schulunterricht, Arbeitsmöglichkeiten sind rar. Daran hat sich auch mehr als ein Jahr nach der Massenflucht nicht wesentlich etwas geändert. Sorge bereitet Caritas die Sicherheit in den Lagern. Zwischen 17 Uhr und 5 Uhr sind die Lager geschlossen - auch für NGO's - und es häufen sich Meldungen über Zwangsprostitution und Drogenhandel.

Monsun verwandelt Lager in Schlammwüste

Monsun bedroht die GeflüchtetenWährend 2017 Hunderttausende Rohingya über die Grenze nach Bangladesch flohen, erschwerte die Regenzeit die Situation zusätzlich. Denn der Regen verwandelt die Lager in Schlammwüsten.Foto: Caritas Internationalis / Tommy Trenchar

Erschwerend wirkt sich jeweils die Monsunzeit Mitte des Jahres aus. Der Regen verwandelt das Lager in ein Schlammwüste, unbefestigte Hütten rutschen weg, Straßen und Sanitäranlagen werden zerstört. Mit Hochdruck arbeitete Caritas in Kooperation mit UN-Organisationen vor Monsunbeginn daran, die Hütten so gut es geht zu sichern und neue Hütten fertigstellen.

Eine zwangsweise Rückführung ist unverantwortlich

Ende 2017 einigten sich Myanmar und Bangladesch über eine Rückführung der Rohingya. Erst im November 2018 wurde es dann konkret, 2.260 Flüchtlinge sollen in einem ersten Schritt zurückgebracht werden, von Hunderttausenden insgesamt ist die Rede. Die Caritas lehnt die zwangsweise Rückführung ab und sieht hier eine akute Gefährdung von Leib und Leben (Pressemeldung 15.11.2018).  "Untersuchungen der Vereinten Nationen haben belegt, dass die Geflüchteten in ihrer Heimat systematischer Verfolgung ausgesetzt waren. Massenhafte Morde, Vergewaltigungen und Folter sind dokumentiert. Es ist deshalb aus unserer Sicht unverantwortlich, dass die Flüchtlinge gegen ihren Willen zurückgeschickt werden", so Peter Seidel, Asien-Referent bei Caritas international.

"Dass sich die Staaten einigen, reicht nicht. Es muss sich auch grundsätzlich etwas an der Lage der Rohingyas in Myanmar ändern", sagt Oliver Müller, Leiter von Caritas International.

November 2018