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Asien

Flucht und Migration

Bangladesch: Nothilfe für die Rohingya

Verbesserung der Lebensumstände in den Camps

Ein Frau erhält einen Sack mit NothilfegüternCaritas verteilt Säcke mit Grundnahrungsmitteln.Stefan Teplan

Der Alltag der Rohingya in Myanmar ist seit Jahrzehnten von Unterdrückung, Ausgrenzung und Gewalt geprägt. Das Land akzeptiert die muslimische Minderheit nicht als eigene Bevölkerungsgruppe. Mit Militäroffensiven und der Aberkennung von Rechten wurden in der Vergangenheit nahezu 1,5 Millionen Rohingya in die Nachbarländer vertrieben.

Beim letzten gewaltsamen Angriff durch das Militär Ende August 2017 kam es zu einer Massenflucht. Seither suchten Hunderttausende Menschen Schutz im benachbarten Bangladesch, darunter viele Kinder. Die Situation in den Lagern. Es gibt nicht genügend Unterkünfte und es fehlen sanitäre Einrichtungen. Viele Menschen sind schwer traumatisiert. "Die Infrastrukturen sind völlig unzureichend, denn das hier ist eine der ärmsten Regionen Bangladeschs", berichtet Peter Seidel, Länderreferent bei Caritas international.

Vom Modelldorf zur Großbaustelle

Rückansicht eines Caritas-Mitarbeiters der an Hütten vorbeiläuftKleiner Einblick in die Modellsiedlung.Fabian Berg

Im Flüchtlingslager Cox Bazar errichtete Caritas ein Modelldorf mit 182 Bambushütten, Brunnen, Toiletten und Räumen für Kinder. Ursprünglich waren festere Bauten geplant, das lehnte aber die Regierung ab. Trotzdem hat sich die Wohnsituation für die dort lebenden Familien wesentlich verbessert. An den größeren Wegen sorgen sogar Solarlampen für die Sicherheit der Bewohner.

Die UN ist von dem Modelldorf so überzeugt, dass sie es anderen Hilfsorganisationen zur Umsetzung empfiehlt und gemeinsam mit der Regierung die Caritas mit dem Bau von insgesamt 4.335 Hütten für rund 20.000 Menschen beauftragt hat.

Rund 4.000 wurden bisher errichtet – gerade rechtzeitig, denn der Monsun hat vor wenigen Tagen begonnen. „Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit“, erzählt Seidel. Der Regen verwandelt die Lager in Schlammwüsten, und Hütten, die auf unbefestigten Hängen stehen, sind in großer Gefahr, abzurutschen mitsamt Bewohnern. Caritas arbeitet mit anderen Organisationen mit Hochdruck daran, gefährdete Hütten und Gelände so gut es geht zu sichern. „Die Anstrengungen, die im Lager unternommen werden, sind beeindruckend“, so Seidel. Beispielsweise sei es in von Caritas-Teams betreuten Gebieten gelungen, mit Drainagen, befestigten Wegen und Verbesserungen der Unterkünfte die Lager deutlich sicherer zu machen. „Aber 900.000 Menschen zu versorgen, ist eine kaum zu meisternde Herausforderung.

Rund 1.700 Arbeiter sind täglich auf der Baustelle beschäftigt, die meisten sind selbst Flüchtlinge und können sich durch Cash-for-Work einen kleinen Verdienst erarbeiten.

Hilfe für 300.000 Menschen

Gemeinsam mit Caritas Bangladesch versorgt Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, in Kooperation mit der UN 300.000 Flüchtlinge im Lager. Neben dem Bau von Hütten werden die Menschen mit Grundnahrungsmitteln, wie Reis, Hülsenfrüchte, Salz, Zucker und Speiseöl, Koch- und Essgeschirr, Decken und Matratzen, Hygiene- und Babyartikel versorgt. „Mit einfachen Dingen, die für uns selbstverständlich sind, kann man die Menschen hier glücklich machen und ihnen helfen", berichtet Stefan Teplan, Mitarbeiter von Caritas international.

Bessere Hygienebedingungen und psychologische Hilfe  

Kind schaut aus FensterCaritas hat über 100 Fachkräfte im Einsatz, die sich unter anderem um das Wohl der Kinder kümmern.Arifur Rahman, Goopy Bagha Productions, Caritas Schweiz

Durch den Bau von Wasserzuleitungen und Sanitäreinrichtungen und die Abgabe von Desinfektionstabletten werden die hygienischen Bedingungen verbessert und das Risiko von Seuchen verringert. Erwachsene und vor allem Kinder, die durch die Erlebnisse, den Verlust von Angehörigen und die Flucht schwer traumatisiert sind, erhalten eine psychologische Betreuung.

Kinderfreundliche Plätze mit Spiel- und Lernangeboten wurden eingerichtet, und mehr als 100 Caritas-Fachkräfte sind im Einsatz. "Die Menschen haben schreckliche Erfahrungen gemacht, leider auch die Kinder. Wir helfen ihnen, ihr Leid zu lindern", erklärt Mohamed Adadu, Sozialarbeiter der Caritas Bangladesch.

Caritas international wird bei der Hilfe für die Rohingya-Flüchtlinge großzügig vom Erzbistum Freiburg und der Diözese Rottenburg-Stuttgart unterstützt.

Juni 2018