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Asien

Flucht und Migration

Bangladesch: Nothilfe für die Rohingya

Wettrennen gegen die Zeit – der Monsun naht

Zehntausende Rohingya sind dem Monsun schutzlos ausgeliefert. Jedes Jahr beginnt in Bangladesch im Mai/Juni die Regenzeit, begleitet von Zyklonen. Dann regnet es dort ungefähr so viel, wie in Deutschland innerhalb eines ganzen Jahres. Im letzten Jahr stand ein Drittel der Landesfläche unter Wasser. Die geflüchteten Rohingya litten schwer darunter, weil auch die Region um Cox´s Bazar im Regen und Schlamm unterging. 170 Menschen kamen ums Leben.

Es steht zu befürchten, dass sich die Lage der Rohingya während des Monsuns über die Sommermonate weiter zuspitzen wird und viele improvisierte Unterkünfte aus einfachen Zeltplanen einfach weggespült werden.

Monsun bedroht die GeflüchtetenWährend letztes Jahr Hunderttausende Rohingya über die Grenze nach Bangladesch flohen, erschwerte die Regenzeit die Situation zusätzlich.Foto: Caritas Internationalis / Tommy Trenchar

Caritas international arbeitet auf Hochtouren an wetterfesten Notlagern. Doch die ersten starken Regenfälle haben bereits Überschwemmungen und Erdrutsche ausgelöst und die kahle Landschaft in einen schlammigen Sumpf verwandelt.

Eine Kettenreaktion mit verheerenden Folgen

Immer noch leben die Flüchtlinge überwiegend in provisorischen Behausungen aus Bambus und Plastikplanen, die auf lehmigen Hügeln liegen. Feste Straßen gibt es nicht. Die Überschwemmungen könnten nicht nur Hütten unter Wasser setzen und zu Erdrutschen führen, sondern eine ganze Reihe von Ereignissen auslösen: Sanitäranlagen könnten bei fehlender Vorbereitung überflutet und Krankheitserreger ins Grundwasser gespült werden. Damit droht erneut der Ausbruch von Seuchen wie Cholera.


So können Sie den Rohingya helfen: 


Vorbereitungen auf den Monsun laufen auf Hochtouren:
Caritas errichtet "Modelldorf"

"Wir müssen den Rohingya weiterhin helfen und für haltbare Unterkünfte sorgen, um Erdrutsche und eine daraus folgende Kettenreaktion zu vermeiden! Wir arbeiten auf Hochtouren daran, weitere, besonders robuste Übergangsbauten zu errichten," berichtet James Gomes, Direktor der Caritas Bangladesch, über die Vorbereitungen auf die Regenfälle und Wirbelstürme. 

Beim HausbauDurch so genannte "Cash-for-Work"-Programme der Caritas können die Camp-Bewohner den Bau der Unterkünfte unterstützen und erhalten einen kleinen Lohn.Foto: Tommy Trenchard/Caritas

Innerhalb des Camp-Abschnitts Kutupalong hat Caritas Bangladesch zunächst eine Siedlung für 182 Familien errichtet, in der stabile Bambushütten die Zelte aus Plastikplanen ersetzen und Trinkwasserbrunnen, Duschen, Toiletten sowie ein gut funktionierendes Abwasser-System die Hygiene sichern. An den größeren Wegen sorgen Solarlampen für die Sicherheit der Bewohner. Die UN ist von dem Modelldorf so überzeugt, dass sie die Bauweise auch anderen Hilfsorganisationen zur Umsetzung empfiehlt und gemeinsam mit der Regierung die Caritas mit dem Bau von weiteren Hütten beauftragt hat. Bis Ende Juli will die Caritas insgesamt 4.335 Hütten für weit über 20.000 Geflüchtete errichtet haben.

Hütten aus Bambus im CampBeispiel für eine Bauweise - Das Caritas-Modelldorf für Rohingya-Flüchtlinge in Cox´s Bazar. Bis der Monsun eintritt, will die Caritas Bangladesch noch tausende solcher Hütten errichtet haben - ein Wettlauf gegen die Zeit.Foto: Fabian Berg

Wir hätten noch stabiler bauen können", sagt Dabaraj Dey, der für die Caritas Bangladesch den Bereich der sanitären Anlagen leitet. "Aber es ist eine Auflage der Regierung, dass wir nur semi-permanent, also übergangsmäßig, bauen dürfen - als Signal, dass unsere Regierung die Flüchtlinge nicht ewig hier behalten will. Daher durften wir keine Materialien wie Beton oder Eisen einsetzen und verwendeten nur Bambus."

Rohingya Kind"Lediglich in den Abflussrinnen konnten wir eine ganz dünne Zementschicht auftragen, sonst würde das Abwasser sofort im Sand versickern," erklärt Dabaraj Dey, Leiter der sanitären Anlagen der Caritas Bangladesch. Foto: CRS

Das Gelände wurde terrassiert und befestigt und kann somit besser dem Monsun standhalten. "Die Anstrengungen, die im Lager unternommen werden, sind beeindruckend", erklärt Asien-Referent Peter Seidel von Caritas international. "Aber 900.000 Menschen zu versorgen, ist eine kaum zu meisternde Herausforderung. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit", berichtet Seidel.

Die Caritas beschäftigt über tausend Baukräfte und bezieht die Rohingya, die diese Hütten einmal bewohnen sollen, gegen Bezahlung in die Arbeiten mit ein. Durch die so genannten Cash-for-Work Programme wird den Camp-Bewohnern gleichzeitig ein Einkommen ermöglicht und ein "Lagerkoller" durch untätiges Herumsitzen verhindert.

Mann arbeitet an einer HütteCash-for-Work Programme beziehen die Rohingya mit ein. Foto: Arifur Rahman, Goopy Bagha Productions, Caritas Schweiz

Langfristige Unterstützung für die Rohingya

"Es ist mir egal, wie ich hier in Bangladesch leben muss", sagt die 25-jährige Julekai Begum. "Ich würde sogar betteln gehen. Hauptsache, ich darf endlich in einem friedlichen Land sein." Wie es mit den Rohingya weitergehen wird, ob sie jemals wieder in ihre Heimat, aus der sie vertrieben wurde, zurückgeführt werden und ihnen dort ein Leben in Frieden und Sicherheit ermöglicht wird oder ob sie noch viele Jahre im Camp bleiben müssen, ist nicht sicher. Eines steht auf jeden Fall fest: Solange sie in Bangladesch sind, wird die Caritas ständig an ihrer Seite bleiben und ihnen dort das ermöglichen, was sie in ihrer Heimat noch nie hatten: ein Leben in Würde und ohne die tägliche Sorge um das Überleben.