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Asien

Chancen für Chancenlose

Indien: Raus aus der extremen Armut

zwei Frau sortieren MüllViele Familien in den Slums leben vom Müll der anderen. Sie sortieren aus und verdienen sich dadurch ein paar wenige Rupien.Caritas international

Das Wirtschaftswachstum in Indien lag in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich bei 7,3 Prozent pro Jahr. Ökonomen des britischen Centre for Business and Economics Research (Cebr) prophezeiten Ende 2017 dem Land, dass es 2018 zur fünftgrößten Wirtschaft weltweit anwachsen wird.

Zugleich gibt es kein anderes Land auf der Welt, in dem so viele Menschen in Armut leben: Gemäß World Bank müssen rund 300 Millionen Menschen in Indien mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen, das ist jeder Fünfte. Auffällig ist dabei das Stadt-Land-Gefälle, rund 80 Prozent der Armen leben in ländlichen Regionen. Von dem Wirtschaftswachstum profitieren also fast ausschließlich die Städte. Darum suchen viele Landbewohner ein Auskommen in der Stadt und finden es meist nicht. Statt einer gut entlohnten Arbeit fristen sie ein Dasein in den Elendsvierteln und nehmen jede Gelegenheit wahr, ein paar Rupien zu verdienen. So überleben viele durch den Wohlstandsmüll der Besserverdienenden. Sie sammeln und sortieren Müll. Es gibt keine modernen Recyclingfabriken, der Abfall wird von Hand sortiert und an Zwischenhändler verkauft. Elektroschrott, Plastik, Batterien, Gummi sind oft mit Abfällen aus Schlachtereien oder Krankenhäusern vermischt, was große gesundheitliche Risiken birgt. Die Müllsammler sind das unterste Glied der Kette und kämpfen mit sozialer Stigmatisierung und Ausgrenzung. Keine Bildung, kein Einkommen, keine Anerkennung. Das macht es für sie dreifach schwierig, aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen.

Frauen besonders betroffen

mehrere Muellsammler an ihrem ArbeitsplatzDie Kinder arbeiten entweder mit oder begleiten ihre Eltern. Jörg Schaper

Besonders gefährdet sind die Schwächsten der Gesellschaft, wie Frauen, Kinder, alte Menschen und Menschen mit Behinderung.

Frauen werden gegenüber ihren männlichen Altersgenossen benachteiligt, da sie oft nicht lesen und schreiben können. Sie können ihr Recht auf Mindestlohn nicht durchsetzen, und das Gehalt genügt nicht, um Nahrung, angemessenes Wohnen, die Schule der Kinder und die Kosten der Gesundheitsversorgung zu finanzieren.

Es gibt staatliche Unterstützungs- und Wohlfahrtsprogramme. Doch viele wissen nichts darüber, und deshalb bleiben die in den Programmen eingesetzten Mittel meist ungenutzt. Dazu gibt es Hürden, die Frauen, Senioren oder Menschen mit Behinderungen oft nicht alleine nehmen können. Vielfach scheitert es schlicht an einfachen bürokratischen Formalitäten: Die Geburtsurkunden fehlen, sie haben keinen Personalausweis, kein Passfoto oder kommen erst gar nicht bis zum Amt. Gerade in den Elendsvierteln der Großstädte, wo die Ärmsten der Armen leben, sind die indischen Wohlfahrtsprogramme kaum bekannt.

 Februar 2018