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Asien

Chancen für Chancenlose

Indien: Raus aus der extremen Armut

Indien: Gemeinsam Positives bewirken

Frau steht mit ihrer Familie vor dem HauseingangEine Müllsammlerfamilie. Das Netzwerk stärkt ihr Selbstbewusstsein und gibt ihnen gegenüber der örtlichen Verwaltung eine Stimme. So kämpften die Frauen zum Beispiel erfolgreich für eine öffentliche Toilette.Albert Grosse Hokamp

Die Caritas Partnerorganisation Chetanalaya setzt sich in den Slumvierteln der Millionenstadt Delhi für die Ärmsten der Armen ein, insbesondere für Frauen, Kinder, alte Menschen und Menschen mit Behinderung. Diejenigen, die vom Müll sammeln leben, werden beispielsweise angeregt, sich in Gruppen zu organisieren und zu vernetzen.

Gemeinsam können so die Probleme jedes Einzelnen besprochen und Lösungen gefunden werden. Unterstützung erhalten sie dabei von Fachpersonen, die die Anträge für die Wohlfahrtsprogramme stellen. So kommt zu dem minimalen Einkommen aus dem schlecht bezahlten Müllsammeln ein wenig Geld hinzu.

Video: Interview mit Peter Seidel, Länderreferent bei Caritas international

Eigenes Engagement

drei frauen zeigen ihre Ratio-Karte

Die Arbeit trägt Früchte und entwickelte eine Eigendynamik: Die unterstützten Frauen bilden ihrerseits Selbsthilfegruppen, die sich gegenseitig stärken und vernetzen, was sich auf ganze Stadtteile auswirkt. Die Frauengruppen kümmern sich um die schwächsten ihrer Mitglieder. In Komitees sind sie als sozialpolitische Akteure vertreten, manche setzen sich aktiv für lokale Projekte ein, zum Beispiel in der Trinkwasserversorgung.

Frauengruppen sind der Schlüssel zu Veränderungen. Sie kämpfen selbstständig für ihre Rechte, beantragen monatliche Fördergelder für andere arme Familien, die bisher mangels Kenntnis nicht in Anspruch genommen wurden, und sie bringen die Behörden dazu, aktiv zu werden. Wenn es zu Gewalt in einer Familie kommt, mahnen sie die Männer oder zeigen sie auch an.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Rechtsberatung aus drei Städten tauschen sich über ihre Arbeit aus, sammeln die besten Methoden und verbessern Schritt für Schritt ihre Strategie. So wird Qualität geschaffen und Expertise weitergegeben. Mit einem klaren Ziel: Um die Inder/innen, die unter der Armutsgrenze am Rande der Gesellschaft leben, ein kleines Stück weg vom Rand in die Mitte zu bewegen.

Dieses Projekt wird mit Mitteln vom Bundesamt für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt.

Zur Situation

Das Wirtschaftswachstum in Indien lag in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich bei 7,3 Prozent pro Jahr. Zugleich gibt es kein anderes Land auf der Welt, in dem so viele Menschen in Armut leben: Gemäß World Bank müssen rund 300 Millionen Menschen in Indien mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen. Auffällig ist dabei das Stadt-Land-Gefälle, rund 80 Prozent der Armen leben in ländlichen Regionen. Viele Landbewohner suchen darum ein Auskommen in der Stadt und verdingen sich beispielsweise als Müllsammler. Von Hand sortieren sie den Müll und verkaufen ihn an Zwischenhändler. Elektroschrott, Plastik, Batterien, Gummi sind oft mit Abfällen aus Schlachtereien oder Krankenhäusern vermischt, was große gesundheitliche Risiken birgt. Die Müllsammler sind das unterste Glied der Kette und kämpfen mit sozialer Stigmatisierung und Ausgrenzung. Keine Bildung, kein Einkommen, keine Anerkennung. Das macht es für sie dreifach schwierig, aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen. Besonders gefährdet sind Frauen, Kinder, alte Menschen und Menschen mit Behinderung.

 

Februar 2018