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Asien

Katastrophenhilfe

Indonesien: Nothilfe nach Erdbeben und Tsunami

Vom alten Leben blieb nur ein Huhn

Ibu Masinah hält das schwarz gefiederte Huhn fest im Arm. Es ist das Einzige, was ihr von ihrem alten Leben geblieben ist. "Nichts ist übrig, alles ist weg, für immer", sagt die 42-Jährige und die Verzweiflung steht ihr ins Gesicht geschrieben. Ibu Masinah steht inmitten der Trümmer ihres zerstörten Zuhauses und wirkt noch immer verwirrt, der Tsunami hatte sie vollkommen überrascht. Und er nahm ihr alles, was sie hatte - von einer Sekunde auf die andere. Derselbe Tsunami, der ihr fast das Leben gekostet hätte, verletzte mindestens 1.450 Mensch, zerstörte 600 Häuser und zahlreiche Geschäfte. Eine Katastrophe, die das glückliche Leben der Bewohner einfach hinwegschwemmte.

Indonesien_Ibu Masnah inmitten von TrümmernIbu Masinah in den Trümmern ihres ehemaligen Zuhauses. Im Arm hält sie ein schwarzes Huhn, es ist der einzige Besitz der ihr geblieben ist. Foto: KUN, Caritas-Partnerorganisation in Indonesien

Am Nachmittag vor der Katastrophe sahen mehrere Menschen zahlreiche Krokodile im Meer entlang der Küste schwimmen. Einige hielten dieses ungewöhnliche Verhalten der Tiere für ein Zeichen eines nahenden Unglücks. Niemand rechnete jedoch damit, dass ihr Dorf später am Tag von einem Tsunami heimgesucht werden könnten. Doch kurz nachdem die Krokodile verschwanden, hörten die Bewohner ein Grollen aus dem Ozean und die Menschen begannen zu rennen. "Wir rannten ohne uns umzuschauen, bis wir schließlich auf einem Reisfeld zum Stehen kamen", erzählt Frau Masinah. Eine ältere Frau schaffte es nicht, den Wassermassen zu entkommen, doch die anderen 400 Dorfbewohner konnten sich retten.

Da es keine Evakuierungssammelpunkte für die Bewohner des kleinen Dorfes gibt, fanden sich die Menschen spät in der Nacht überall verstreut wieder. Als Elektrizität und Telefonnetze ausfielen, griff Panik um sich. Die Menschen fühlten sich von der Außenwelt abgeschnitten, niemand wusste, was genau passiert war und noch viel wichtiger: Niemand wusste, wie es dem Rest der Familie ergeht. Hatten es alle geschafft? Waren alle in Sicherheit? Niemand traute sich zurück zu gehen, denn alle fürchteten sich vor einer weiteren Welle.

Erst am nächsten Morgen traute sich Frau Masinah zurück, um nach ihrem Haus zu sehen. Von ihrem Haus ist nichts mehr übrig, nicht mal eine einzige Wand steht noch. Mit bebender Stimme sagt sie: "Wir sind nun obdachlos, ohne Kleidung, ohne Irgendetwas. Auch unsere Tiere sind tot. Dieses Huhn in meiner Hand ist alles, was überlebt hat. Der Tsunami hat mir alles genommen."

So wie Ibu Masinah ergeht es vielen Menschen in Indonesien, sie stehen unter Schock und benötigen Unterstützung. Ein medizinisches Team unserer Partnerorganisation mit Ärzten, Krankenschwestern und Hebammen arbeitet auf Hochtouren, um über die nächsten Wochen für 8.500 Betroffene die Versorgung mit medizinischer und psychosozialer Hilfe sicherzustellen.

Um den Menschen in Indonesien nach dieser wiederholten Katastrophe zur Seite stehen zu können, bitten wir dringend um Spenden.

Eine Reportage von Pras Lumbantoruan, Dezember 2018.