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Asien

Katastrophenhilfe

Japan: Erdbeben und Atomkatastrophe

Sieben Jahre nach der Katastrophe

Eine alte Frau vor einer Straße der ContainersiedlungDie 69-jährige Tomeyo Watanabe lebt nach der Dreifach-Katastrophe in einer Containersiedlung Caritas international / Holger Vieth

Das Erdbeben, der Tsunami und Super-GAU im Atomkraftwerk im März 2011 endete für Japan in einer absoluten Katastrophe. Mehr als 700 Kilometer Küste und das Hinterland wurden verwüstet, über 20.000 Menschen verloren ihr Leben.

Kurz nach der Dreifach-Katastrophe schrieb der Präsident der Caritas Japan, Bischof Isao Kikuchi: "In Anbetracht der ökonomischen Stärke und des technologischen Entwicklungsstands in Japan werden drei Jahre wohl ausreichen, um das Leben wieder in normale Bahnen zu lenken". Kikuchi hat sich geirrt. Selbst sieben Jahre später leben noch immer über hunderttausend Menschen in provisorischen Unterkünften. Eine Rückkehr in das eigene Zuhause ist durch die radioaktive Strahlung nicht möglich. Die Unsicherheit in der Bevölkerung ist sehr groß, viele Junge sind abgewandert und die Alten haben oft resigniert.

Wiederaufbau noch nicht beendet

Kinder beim SportJedes Jahr können sich Hunderte Kinder aus Fukushima in einem Ferienlager erholen.Deutsch-Japanische Gesellschaft Dortmund

Die meisten Nothilfe- und Wiederaufbaumaßnahmen konnte Caritas international erfolgreich abschließen.

Die Eröffnung eines Kindergartens in Ishinomaki steht im März 2019 noch bevor. Die Stadt in der Präfektur Miyagi, die besonders schwer vom Erdbeben getroffen wurde, muss neu geplant werden, da die meernahen Gebiete nicht mehr bebaut werden dürfen. Bauland ist in Japan rar und so brauchen Planung und Erschließung einige Zeit. Der Kindergarten ist Teil eines ganz neuen Stadtgebietes im Hinterland. Rund 60 bis 90 Kindern bietet er Platz, dazu kommt ein Hort für Schulkinder. Ein weiterer Kindergarten wurde im September 2014 in Higashi-Matsushima eingeweiht.

Außerdem unterstützte Caritas international bis Frühjahr 2018 Ferienlager für Kinder aus Fukushima. Die radioaktive Verstrahlung in der Region grenzt den Bewegungsradius der Bevölkerung massiv ein. Vor allem die Kinder leiden darunter, dass sie sich mehrheitlich in geschlossenen Räumen aufhalten müssen, kaum Licht, Luft und Sonne bekommen. Seit 2011 können mit Hilfe von Caritas international jedes Jahr Hunderte Schulkinder Ferien auf der Insel Okinawa machen, sich dort von den Strapazen erholen und Kraft fürs neue Schuljahr sammeln. Die Deutsch-Japanische Gesellschaft, die die Federführung des Projekts innehat, wird die Ferienlager auch zukünftig weiterführen.

Rückblick: Nothilfe gemeinsam mit AAR und Caritas Japan

Frau verteilt Säcke mit HilfsgüternDie Menschen waren dankbar für jede Zuwendung.AAR, Japan

Bereits zwei Tage nach der Katastrophe startete Caritas international in Zusammenarbeit mit der japanischen Hilfsorganisation AAR die Nothilfe in den Präfekturen Miyagi und Iwate. Verteilt wurden unter anderem Lebensmitteln, Trinkwasser, Decken, Matten, Hygieneartikel und warme Kleidung. In Notunterkünften gab es eine medizinische Versorgung und in Schulen und Kindergärten wurden Kinder und Jugendliche psychosozial betreut. Familien in Containerunterkünften in Sukagawa erhielten Decken, Heizgeräte und Haushaltsartikel und Familien in Notunterkünften in Fukushima wurden über mehrere Jahre mit Hilfsgütern versorgt. Weiter entstanden in den Präfekturen Miyagi, Iwate und im Norden der Hauptinsel Honshu Einrichtungen für Senioren und behinderte Menschen.

Auch mit der Caritas Japan konnte beachtliches geleistet werden. In der Stadt Mito hatte die Diözese Saitama ein Gemeindezentrum zum Auffanglager umfunktioniert. Pfarreien der Erzdiözese Tokio sammelten Decken und andere Hilfsgüter, Freiwillige halfen bei der Verteilung und bauten Suppenküchen auf. In den Regionen um Yamagata, Sendai und Saitama wurden ebenfalls Hilfsgüter verteilt, Aufräumarbeiten geleistet und Nothilfe-Zentren betrieben.

Für die Japanhilfe gingen bei Caritas international 6,8 Millionen Euro an Spendengeldern ein. Dank der Spenden konnten 2,5 Millionen Euro für die Nothilfe und 4,2 Millionen Euro für den Wiederaufbau eingesetzt werden.

Juni 2018