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Asien

Rechte für Kinder

Tadschikistan: Familiäre Netzwerke stärken

Tadschikistan: Raus aus dem Heim – rein ins gesellschaftliche Leben

zwei Mädchen sitzen vor einem ComputerComputerkurs für HeimabgängerinnenCaritas international

Kinder und Jugendliche aus staatlichen Einrichtungen haben zwei Probleme, wenn sie in das Alter kommen, das Kinderheim verlassen müssen: Sie hatten keine Gelegenheit, wie andere Kinder schrittweise in ihre Eigenständigkeit hineinzuwachsen. Und die Gesellschaft lehnt sie als ehemalige Heimkinder ab. 

Hier setzt die Partnerorganisation Zumrad an. Sie betreut Jugendliche aus drei Heimen bereits dann, wenn sie in der Klasse der Abgänger sind. Zumrad betreut jene, die Schwierigkeiten haben, auf eigenen Beinen zu stehen. 75 Kinder und Jugendliche werden so jedes Jahr von Caritas international unterstützt.

Ausbildung ist ein wichtiger Baustein

Zwei engagierte Sozialarbeiterinnen kümmern sich darum, die Jugendlichen mit notwendigen Dokumenten auszustatten, Kontakt zu Sozialdiensten herzustellen und sie in weiterführende Bildungsmaßnahmen zu vermitteln. Computer- und Nähkurse verbessern ihre Jobaussichten. In Elektrokursen lernen sie, defekte Haushaltsgeräte zu reparieren. Damit verbessern nicht nur ihre Fertigkeiten, sondern generieren zugleich etwas Geld für die Reparatur.

Dies alles wäre ohne die ehrenamtliche Unterstützung durch weitere Personen nicht denkbar. Eine Ärztin, eine Rechtanwältin und Lehrer/innen helfen, indem sie die Jugendlichen beraten oder unterrichten. Eine Gruppe Ehemaliger engagiert sich als Mentoren, die den neuen Heimabgänger/innen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Da diese Mentor/innen selber noch recht jung sind, haben sie einen guten Zugang zu den Jugendlichen, die ihre ersten Schritte in ein eigenständiges Leben gehen. 

Ehemalige und Sozialarbeiterinnen kümmern sich auch um 20 alleinstehende Mütter und ihre Kinder. Die meist jungen Mütter haben ebenfalls früher im Heim gelebt und werden in wöchentlichen Treffen darin gestärkt mit ihren Alltagsproblemen und Fragen der Erziehung umzugehen.

Kinder beim Fußballspielen. Weitere Kinder schauen zuZumrad hilft den Jugendlichen auf ihrem Weg in ein unabhängiges Leben. Manchmal geht es jedoch auch darum, einfach mal raus zu kommen und Spaß zu haben.Caritas Tadschikistan

Kompetente Familienberatung

Wenn möglich wird auch versucht, Kontakte zwischen den Jugendlichen und deren Familien oder Verwandten herzustellen - im Falle der alleinerziehenden Mütter auch zu den Vätern der Kinder. Besuche und Gespräche helfen, sich wieder anzunähern und tragfähige Beziehungen aufzubauen.

Doch manchen Jugendlichen mangelt es an Beziehungsfähigkeit und sozialem Geschick, denn oft sind sie ohne stabile Bindung aufgewachsen. Die Herzlichkeit der Mitarbeiterinnen von Zumrad, die zu allen Jugendlichen eine individuelle Beziehung aufbauen, erklärt schon als solches einen Teil ihres Erfolges. In gemeinsamen Aktivitäten wie Workshops, Ausflüge, Sport, Jugendlager und lebenspraktische Kurse wie Kochen erwerben die Jugendlichen weitere Fertigkeiten und werden auf ihr Leben in der Gesellschaft vorbereitet.

Zur Situation

Weil Perspektiven im eigenen Land fehlen, suchen viele Tadschikinnen und Tadschiken eine Arbeit im Ausland. Ihre Kinder bleiben zurück. Im besten Fall können sie zu Verwandten, die sich jedoch oft, zum Beispiel aufgrund des hohen Alters, nicht gut genug kümmern können. Andere Kinder werden in Heimen untergebracht, die meist im schlechten Zustand sind. Die Bauten sind veraltet und im Winter ist oft nur ein einziger Raum beheizt. Das Essensgeld ist pro Kind und Tag knapp bemessen. Die soziale und emotionale Betreuung der Kinder kommt zu kurz - sie werden eher aufbewahrt als gefördert. Auf ein Leben außerhalb des Heimes werden sie nicht vorbereitet. Nach Abschluss Schulzeit wissen sie nicht, wie andere Kinder, was ein eigenständiges Alltagsleben bedeutet. Sie werden entlassen und sind auf sich allein gestellt. Dabei treffen sie auf eine Gesellschaft, die Heimabgänger sozial stigmatisiert. Die Gefahr, auf der Straße zu landen, ist hoch. Häufig sind sie den Risiken von Kriminalität, Prostitution, Drogenkonsum und Obdachlosigkeit ausgesetzt.

 

Juli 2016