zurück

Europa

Flucht und Migration

Russland: Flüchtlinge aus der Ukraine

Oft werden Worte wie "Krieg" "Flucht" und "Vertreibung" mit Regionen in Verbindung gebracht, die weit von Deutschland entfernt liegen. Doch in der Ost-Ukraine tobt wenige hundert Kilometer von Berlin entfernt ein Bürgerkrieg. Hier kämpft die ukrainische Armee gegen prorussische Milizen um die Vorherrschaft in der Region. Von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbemerkt starben bisher weit über 10.300 Menschen, mehr als 3,4 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Flucht nach Russland

Ekaterina K. und ihr SohnEkaterina A. ist mit ihrem kleinen Sohn aus der Ukraine nach Russland geflohen. Mitnehmen konnte sie kaum etwas. Trotzdem ist sie froh, von der Caritas unterstützt zu werden. Ihr Sohn kann so täglich ins Caritas-Kinderzentrum gehen.Foto: Philipp Spalek

Bis heute bestimmt die mit dem Konflikt einhergehende Gewalt den Alltag der Menschen in der Ost-Ukraine, was viele Menschen zur Flucht veranlasste. Die meisten flohen nicht Richtung Westen in die europäischen Staaten, sondern nach Russland. Nach Angaben des UN-Flüchtlingswerkes machten sich seit 2014 über eine Million Ukrainer auf den Weg in das benachbarte Land. Inoffiziell, schätzt der Leiter der Caritas-Flüchtlingshilfe in Rostow, dürften es weit mehr als doppelt so viele sein. 
Die Flüchtlinge kamen häufig mit nicht mehr als mit dem an, was sie tragen konnten. Viele haben für die Fahrt in das sichere Nachbarland ihre letzten Ersparnisse aufgebraucht. Viele kamen nahe der Grenze bei Verwandten, in Gastfamilien oder in Camps unter. Aber nach August 2015 hielten sich schon so viele Flüchtlinge in der Region Rostow auf, dass die Neuankömmlinge nach Wolgograd weitergeschickt wurden. In Rostow gab es schlichtweg keinerlei Kapazitäten zur Unterbringung mehr.

Ukraininische FlüchtlingsfamilieÜber eine Million Menschen flohen in das benachbarte Russland. Darunter viele Familien mit ihren Kindern. Foto: Caritas international

Aushilfs- und Gelegenheitsjobs trotz guter Bildung

Nur etwa 400.000 der eine Million Geflüchteten haben in Russland eine Niederlassungserlaubnis bekommen. Mit dieser Erlaubnis erhalten sie die Möglichkeit, ihren Wohnort zu wechseln, bekommen eine Arbeitserlaubnis und sind mit ihrem Status wahlberechtigt. Die restlichen Ukrainer in Russland bekommen höchstens eine Arbeitserlaubnis. Auch wenn sie nicht mehr im Krieg leben und die meisten Geflüchteten zumindest die Möglichkeit bekommen, zu arbeiten, bleibt ihre Situation prekär. 50 Prozent der Flüchtlinge haben einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss, der in Russland jedoch nicht anerkannt wird. Die Kosten für das Procedere sind sehr hoch und für viele nicht finanzierbar. Zwar konnten viele trotzdem eine Arbeit finden, doch handelt es sich in der Regel um Aushilfs-und Gelegenheitsjobs im Niedriglohnbereich. Die monatlichen Einkünfte reichen gerade so zur Deckung der Kosten für Hygieneartikel und Nahrungsmittel. Es gibt kaum staatliche Unterstützung, womit es ohne Arbeit für die Menschen nicht zum Leben reicht.

Die Schwächsten der Gesellschaft trifft es am schlimmsten

Zwei Frauen und ein Mädchen schauen in die KameraVorallem ältere und behinderte Menschen und Familien aus der Ukraine leben in Russland in prekären Verhältnissen.Foto: Volodymyr Nechaiev/CRS

Besonders schwierig ist die Situation für alte Menschen und Menschen mit Behinderung. Sie finden keine Arbeit und die Sozialleistungen reichen nicht einmal zur Deckung der Grundbedürfnisse. In Existenznöte geraten auch die Angehörigen, die so sehr in die Pflege der bedürftigen Verwandten involviert sind, dass sie nicht arbeiten gehen können. Viele von ihnen haben auch schon in der Ukraine in prekären Verhältnissen gelebt und deshalb keine Ersparnisse, von denen sie leben könnten.

Juni 2018