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Lateinamerika

Krisen und Konflikte

Kolumbien: Für einen dauerhaften Frieden

Vertragsunterzeichnung auf einer BühneUnterzeichnung des FriedensabkommensGobierno de Chile

Nach über 50 Jahren Bürgerkrieg, scheint mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages durch die Regierung und die FARC im November 2016 endlich Frieden in Kolumbien einzukehren.

Allerdings ist die Umsetzung des Abkommens problematisch. Die Verunsicherung der Bevölkerung, mangelnde Vorbereitungen durch die Regierung wie auch die Krise im benachbarten Venezuela verzögern den Prozess. Trotz dieser Schwierigkeiten konnte die geplante Demobilisierung der FARC abgeschlossen werden, und bis Juni 2017 wurden alle registrierten Waffen an die Vereinten Nationen übergeben.

Weiterhin Gewalt

Die Bemühungen der Regierung und der Guerillaorganisation sind allerdings nur ein erster Schritt zu dauerhaftem Frieden, denn der Konflikt dauert in einigen Landesteilen weiter an, so in den Departements Putumayo, Nariño, Caquetá und Norte de Santander. Bewaffnete Banden, darunter ehemalige FARC-Mitglieder, nutzen das Machtvakuum, das die FARC hinterlassen hat. Dahinter stehen territoriale und wirtschaftliche Interessen, insbesondere an strategisch wichtigen Punkten für den illegalen Drogenhandel und den Bergbau. Regelmäßig kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Die Bevölkerung befindet sich im „Schussfeld“ und ist in ihrer Bewegungsfreiheit nahezu komplett eingeschränkt, wenn sie nicht bereits vertrieben wurde.

Dorfbewohner aus der Gruppe der Awá auf der Flucht vor der GewaltDorfbewohner auf der Flucht vor der Gewalt im Departamento de Nariño.Paul Smith/SNPS

Wer sich für die Rechte der Bevölkerung einsetzt oder gegen den Drogenhandel vorgeht, riskiert sein Leben. Seit 2017 haben die Morde an Menschen- und Landesrechtsaktivisten zugenommen. Im Mai 2018 verschwand spurlos eine Friedensaktivistin und Teilnehmerin eines Caritas-Projekts. Sie war zuvor von Paramilitärs bedroht worden. "Damit zeigt sich einmal mehr, wie zerbrechlich der Friedensprozess in Kolumbien ist", äußerte der Leiter von Caritas international, Oliver Müller in einer entsprechenden Pressemitteilung. Im Oktober 2017 wurde ein ehrenamtlicher Caritas-Mitarbeiter in Nariño erschossen, der mehrfach über die Gewalt öffentlich berichtet und Übergriffe angezeigt hatte. Ebenfalls in Nariño wurden im Oktober sechs Bauern von der Polizei umgebracht. Eine Aufklärungsmission mit Vertretern aus Caritas, Bischofskonferenz, UN und anderen Hilfsorganisationen wurde daraufhin beschossen.

"Es bewahrheitet sich, dass der Friedensvertrag nur der Auftakt für einen Friedensprozess war, der noch lange Zeit eines großen Engagements von allen Beteiligten bedarf", zieht Claudio Moser, Referatsleiter Lateinamerika bei Caritas international, Bilanz.

Dauerhafter Frieden nur mithilfe der Bevölkerung möglich

Dass der Frieden kommt und dauerhaft bleibt, hängt maßgeblich vom Engagement der Bevölkerung ab. Sie wird sich aber nur engagieren, wenn sie Sicherheit spürt, die Regierung hinter sich weiß und sichtbare Fortschritte im Friedensabkommen sieht. Insbesondere in den Regionen, die jahrzehntelang von der Regierung vernachlässigt wurden und stark unter dem bewaffneten Konflikt litten.

"Katholische Kirche und Caritas unterstützen den Friedensprozess mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Wir erwarten aber auch, dass der Friedensprozess staatlicherseits adäquat begleitet wird und gewalttätige Übergriffe auf die Zivilbevölkerung durch rivalisierende bewaffnete Gruppen unterbunden werden", so Moser.

Mai 2018

 

(Bild Friedensabkommen, Gobierno de Chile, keine Änderung, Lizenz: CC BY 2.0)