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Lateinamerika

Krisen und Konflikte

Kolumbien: Für einen dauerhaften Frieden

Frauen stärken heißt Frieden fördern

Trotz Friedensvertrag, wird in vielen ehemaligen Einflussgebieten der FARC oft weiterhin gekämpft. Die für den Drogenhandel und illegalen Bergbau strategisch wichtigen Regionen wurden nach Abzug der FARC durch die ELN-Guerilla und Paramilitärs besetzt. Gezielte Morde, vor allem an sozialen Führungspersönlichkeiten, Menschrechts- und Friedensaktivisten, haben markant zugenommen, bei Anschlägen kommen immer wieder Zivilisten zu Schaden. Erst Mitte Mai ist eine Friedensaktivistin und Teilnehmerin des Projekts spurlos verschwunden, die zuvor von Paramilitärs bedroht worden war (Pressemeldung 14. Mai 2018).

Gewalt an Frauen

Abstimmung, Frauen melden sichFrauen fördern und stärken, das sind die Hauptanliegen des Projekts.Caritas international

Das Departement Putumayo ist besonders schwer von dem über fünfzigjährigen bewaffneten Konflikt betroffen, blieb jedoch bisher von neuen Konfliktherden weitgehend verschont. Offiziell sind rund 148.000 Menschen in Putumayo als Opfer registriert, das macht 42 Prozent der dort lebenden Bevölkerung aus. Für Frauen ist das Risiko, Opfer von Gewalt zu werden, sehr hoch. Sexueller Missbrauch wurde von den bewaffneten Akteuren unter anderem als Kriegsstrategie eingesetzt. Die Frauen haben kaum Entwicklungschancen, und die Unterstützung durch die Regierung ist nur gering. Sexuelle und häusliche Gewalt seien ein großes Problem, sagt Fátima Muriel, Präsidentin der Frauenallianz. In einer Umfrage durch die Organisation haben 90 Prozent der Frauen angegeben, Opfer einer Gewalttat gewesen zu sein. Luz Deify Velázquez, Präsidentin im Nachbarschaftskomitee, erklärt: „Frieden bedeutet nicht nur, dass die Waffen schweigen. Frieden heißt auch, die sich unsere Lebensbedingungen verbessern.“

Schwerpunkt Frauen: Teilhabe und Förderung

Das von der EU unterstützte Projekt will die politische und ökonomische Teilhabe der Frauen in ländlichen Regionen Putumayos verbessern. So sollen durch Frauen geführte lokale, nachhaltige und wettbewerbsfähige Kleinunternehmen gefördert werden. Viele leben bisher vom illegalen Kokaanbau, einzig, weil Einkommensalternativen fehlen. An Ideen mangelt es den Frauen nicht, aber es scheiterte bisher an den Mitteln. „Der Staat zahlt den Familien, die freiwillig den Kokaanbau aufgeben, ein Jahr lang monatlich rund 280 Euro. Davon kann man nicht leben“, beschreibt Koka-Pflanzerin Flor Maria Tapia ihre Situation. Auch die Erdölindustrie als Arbeitgeber scheidet mittlerweile aus, die Vorkommen sind weitgehend versiegt.

Frauen mit Schildern und ein Mann in der MitteVertreterinnen von Frauenorganisationen empfangen den deutschen Botschafter, Michael Bock, in Putumayo, Kolumbien.Caritas international

Um einen strukturellen Wandel zu erreichen, setzt Caritas auf eine strategische Allianz mit der deutschen Botschaft, der Departementsregierung und sozialen Organisationen. Zentrales Element des Vorhabens ist ein Entwicklungsfond. Bei diesem können die Frauen Vorschläge einreichen, um vom Fond zu profitieren. Die möglichen Maßnahmen reichen von Hühner- und Schweinezucht, Anbau exotischer Früchte für den Export über Ökotourismus bis hin zu Menschenrechtsarbeit und kulturellen Angeboten. Die Zustimmung zu den Vorschlägen wird gemeinsam von den lokalen Akteuren, der Frauenbewegung, Bürgermeisterämtern und Caritas Kolumbien getroffen. „Das sorgt für nachhaltige Resultate“, ist Fátima Muriel überzeugt.

Rechte einfordern

Ein weiterer Fokus des Programms liegt in der Anwaltschaft zur Einforderung von Frauenrechten. Umfangreiche Aus- und Fortbildungen für Frauenorganisationen sowie die Lokal- und Departementsregierung zu den Themen Frieden, Gender und Recht sollen der Ungleichbehandlung und Diskriminierung von Frauen entgegenwirken und sie bei der Einforderung ihrer Rechte stärken.

Das Programm hat einen Gesamtumfang von 6,5 Millionen Euro, von denen 5,5 Millionen aus dem Treuhandfond für Frieden der EU finanziert werden. Eine Million Euro finanzieren Caritas, Departementsregierung und Kommunen.

Mai 2018