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Lateinamerika

Chancen für Chancenlose

Peru: Aktiv für den Umweltschutz im Bergbau

Eine abgerodete Goldabbau RegionGerodete Region für Goldabbau.Caritas Peru

Peru zählt durch das Vorkommen seiner Bodenschätze wie Gold, Zink und Nickel zu den weltweit führenden Förderländern von Rohstoffen.

Bereits in den 90er Jahren setzte die peruanische Regierung massiv auf die Expansion des Bergbaus, um Investoren in das Land zu holen. Unterstützt wurde dieser Kurs von der Weltbank, die sich dadurch eine schnellere Tilgung der Auslandsschulden Perus versprach. Mit dem Anstieg der internationalen Rohstoffpreise in den letzten Jahren, haben legaler und illegaler Bergbau nochmals rasant zugenommen. Für die Unternehmen sind die Zustände paradiesisch: Geringe Steuerbelastungen, schwache Umweltstandards und -kontrollen verbunden mit großzügigen Konzessionen über Flächen ohne Beteiligung der Bevölkerung versprechen maximale Gewinne. Selbst hochsensible Naturschutzgebiete und Wassereinzugsgebiete werden verkauft und bewirtschaftet.

Soziale Ungerechtigkeit und hohe Umweltbelastung

Gelbe Wasserlachen und Müll in einer grünen LandschaftDas Minengeschäft setzt der Umwelt stark zu.Caritas international / Holger Vieth

Von dem natürlichen Reichtum profitiert die Bevölkerung nicht. Im Gegenteil: Die Abbaugebiete wie zum Beispiel Cajamarca, Standort der viert größten Goldmine der Welt, sind zugleich die ärmsten Gemeinden des Landes.

Direkt betroffen sind sie von den begleitenden Umweltschäden. Die Emissionen der Minen und die Chemikalien zur Weiterverarbeitung der Metalle vergiften Boden und Wasser auf lange Zeit. Selbst Bergwerke, die schon lange stillgelegt sind, hinterlassen kontaminierte Landstriche.

Wasser ist mittlerweile zu einem knappen Gut geworden, denn beim Förderprozess werden große Mengen benötigt. Das Brauchwasser wird mit Schwermetallen und Chemikalien verunreinigt wieder in die Flüsse geleitet. Blei, Cadmium, Quecksilber, Stickstoff, Arsen und Cyanid führen zu bleibenden gesundheitlichen Schäden bei der Bevölkerung und haben katastrophale Auswirkungen auf Landwirtschaft und Viehzucht. Inzwischen sind nur noch fünf Prozent der Gesamtfläche des Landes für Ackerbau nutzbar.

Keine staatliche Regulierung und Kontrolle

Die staatlichen Regulierungen sind zu schwach und ermöglichen groben Missbrauch: Es gibt weder transparente Umweltverträglichkeitsnachweise, noch verbindliche Bodennutzungspläne. Die Umweltkontrolle wird den Unternehmern überlassen, und der Staat besitzt kein wirksames Kontrollsystem. Die gesetzlichen Grenzwerte für die Luftverschmutzung liegen unterhalb der Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation, das Gesetz zur Wasserreinheit stammt noch aus dem Jahre 1969 und gegen Bodenverschmutzung gibt es noch keinen Entwurf. Ebenso wenig sind bisher Regularien für das Fischerei-Wesen oder die Landwirtschaft festgelegt. Dafür übt der Staat als Eigner der unterirdischen Bodenschätze alleiniges Verfügungsrecht aus. Land, das für neue Förderanlagen in Frage kommt, kann er kurzerhand enteignen.

Bevölkerung wehrt sich

In den vergangenen Jahren regt sich immer mehr Widerstand innerhalb der Bevölkerung. Die Umweltverschmutzung, die Teilhabe an den wirtschaftlichen Erfolgen wie auch größere Unfalle mit massenhaften Vergiftungen haben bürgerschaftliches Engagement, Gesetzgebung und lokale Mitsprache zu wichtigen öffentlichen Themen gemacht. In immer mehr Regionen wurden soziale Organisationen gegründet, die zwar von den Lokalregierungen unterstützt werden aber heftiger Gegenwehr von Unternehmen und Zentralregierung ausgesetzt sind.

Juni 2018