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Lateinamerika

Krisen und Konflikte

Venezuela: Versorgung der Bevölkerung

Nothilfegüter und juristischer Beistand

Menschen in einem WarteraumImmer mehr Menschen suchen Hilfe in den Caritas-Zentren.Caritas Venezuela

Misswirtschaft, Korruption und eine hohe Staatsverschuldung sorgen dafür, dass Venezuela seit Jahren vor dem Ruin steht. Die Bevölkerung kann sich nicht ausreichend ernähren, die Geschäfte sind leer und der Schwarzmarkt boomt. Die Mangelversorgung geht soweit, dass 68% der venezolanischen Kinder Anzeichen von Mangelernährung zeigen. Auch die Gesundheitsversorgung wird vom Staat nicht mehr gewährleistet. Immer mehr Menschen flüchten daher in das benachbarte Kolumbien, suchen dort Schutz, Unterstützung und medizinische Hilfe. Andere wiederum wurden von der venezolanischen Regierung zwangsausgewiesen und vertrieben, wie zum Beispiel Menschen kolumbianischer Herkunft.

Notversorgung im Grenzgebiet

Die Caritas hat in Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingsdienst der Jesuiten im venezolanisch-kolumbianischen Grenzgebiet begonnen, die Flüchtlinge mit lebensnotwendigen Hilfsgütern zu versorgen. Im Land selbst initiierte eine weitere Partnerorganisation von Caritas international, die Caritas Venezuela, in mehreren Regionen Projekte, in denen Säuglinge und Kinder mit Zusatznahrung versorgt werden. Dabei gehört Caritas Venezuela zu den wenigen Organisationen, die im Land überhaupt noch Hilfe leisten können.

Jedoch stellen sowohl die Finanzierung als auch die praktische Umsetzung das katholische Hilfswerk zunehmend vor Probleme. Wie Caritas-Direktorin Janeth Márquez berichtet, reichen ihre Möglichkeiten bei weitem nicht aus, um den immer größer werdenden Bedarf zu befriedigen: "Früher kamen zehn Menschen, um medizinische Hilfe bei uns zu erhalten. Heute sind es 5.000.”

Unterstützung für Zwangsvertriebene und Flüchtlinge

Sozialarbeiterin mit geflüchteter Familie in der UnterkunftBei venezolanischen Migranten: Die psychosoziale Betreuung der Partner von Caritas international ermittelt, was die Familie nach der Flucht am nötigsten braucht.German Ortega, Servicio Jesuita a Regugiados SJR

Neben den Flüchtlingen hat auch die Zahl der Menschen zugenommen, die aufgrund ihrer kolumbianischen Herkunft aus Venezuela vertrieben wurden. Genau wie die venezolanischen Flüchtlinge werden sie von Caritas international, gemeinsam mit dem Flüchtlingsdienst der Jesuiten, unterstützt. Bei ihrer Rückkehr nach Kolumbien erhalten sie eine humanitäre Erstversorgung sowie psychosoziale und insbesondere juristische Betreuung. Denn wichtig für einen Neustart ist, dass sich die Betroffenen ihrer Rechte bewusst werden und in der Lage sind, ihre Ansprüche bei den staatlichen Stellen einzufordern.

In den juristischen Beratungen geht es demzufolge um Fragen wie: Hab ich ein staatliches Anrecht auf Unterstützung? Erhalte ich Asyl? Wo bzw. wie kann ich mich und meine Familie als Flüchtlinge registrieren?
Die rechtliche Lage unterscheidet sich, je nachdem ob die betroffenen Personen einen venezolanischen oder einen kolumbianischen Pass besitzen - die Rechtsberatung jedoch steht beiden Gruppen zur Verfügung.

Berufliche Bildungsmaßnahmen in Form von Workshops und Weiterbildungskursen sind ebenfalls Teil der Caritas-Arbeit in der Grenzregion. Sie erhöhen die Chancen anzukommen und Fuß zu fassen.

Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, unterstützt die Hilfe der Partner in der kolumbianisch-venezolanischen Grenzregion mit insgesamt 500.000 EUR. Davon profitieren auch kolumbianische Binnenflüchtlinge.

März 2018