Syrien

Humanitäre Hilfe

Hilfe unter schwierigsten Umständen

Caritas Mitarbeiter mit syrischen KindernEin Mitarbeiter der Caritas unterhält sich mit drei syrischen Kindern. Viele Kinder in Syrien sind während des seit 2011 tobenden Kriegs geboren und kennen Friedenszeiten nur vom Hörensagen.Foto: Patrick Nicholson / Caritas Internationalis

Die Kämpfe in Syrien kommen nicht zur Ruhe. Seit Tagen regnet es Bomben auf Ost-Ghuta, Hunderte Zivilisten sind gestorben, etwa 2.400 Menschen wurden zudem verletzt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters erfolgt gegenwärtig im Schnitt alle fünf Minuten ein Luftangriff. 400.000 Menschen in Ost-Ghuta sind diesen Angriffen nahezu schutzlos ausgesetzt, ergänzt ein UN-Sprecher. UN-Generalsekretär António Guterres nennt das Gebiet bereits die "Hölle auf Erden".

Hoffnung auf Frieden rückt in ferne Zukunft

Aber auch in der syrischen Hauptstadt Damaskus, bislang größtenteils von Bombardements verschont, kommt es immer wieder zu Angriffen, hauptsächlich durch Mörserbeschuss. Im Norden des Landes wiederum führt der Einmarsch türkischer Truppen zu erneuten Kampfhandlungen, etwa 200 Zivilisten wurden getötet, 450 verletzt. 70.000 Menschen aus der Region Afrin sind durch den türkischen Vormarsch auf der Flucht. Und die zunehmende Verstrickungen internationaler und regionaler Großmächte, allen voran Russlands, der USA, Israels, der Türkei und dem Iran mit ihren jeweils eigenen Interessen, lassen die Hoffnung auf Frieden in ferne Zukunft rücken. Schon eine Feuerpause von wenigen Tagen oder Stunden gilt in diesen Zeiten als kleiner Erfolg. Doch selbst diese scheiterten, vereinbarte Feuerpausen werden oft nicht eingehalten. Schuld haben immer die anderen.

Oliver Müller, Leiter von Caritas international, im ZDF-Morgenmagazin, 28.03.2018

Wo auch immer man sich in Syrien aufhält, und wer auch immer das jeweilige Gebiet gerade kontrolliert oder bombardiert - überall leiden Zivilisten und Zivilistinnen. Zumindest jene 18 Millionen Menschen in Syrien, die bislang nicht geflohen sind oder nicht fliehen konnten. Nach sieben Jahren Krieg bleibt ihnen oftmals nichts als das nackte Leben. Und um am Leben zu bleiben, sind viele vollständig auf Hilfe von außen angewiesen.

Grenze des Erträglichen längst überschritten

Ostteil AlepposDie Menschen leben in den Ruinen, es mangelt ihnen an nahezu allem, v.a. an Nahrungsmitteln und Zugang zu medizinischer Versorgung. Dieses Bild ist aus Ostaleppo.Foto: Angela Gärtner / Caritas international

Die Caritas und ihre Partner leisten nach wie vor Hilfe, immer orientiert an der Not und der Bedürftigkeit der Menschen. Doch die Situation in Syrien macht es auch unseren Helfern schwer. Eine Mitarbeiterin der Caritas Syrien, einer von mehreren lokalen Partnerorganisationen, schreibt uns nach einem Mörserangriff von Szenen aus einem Krankenhaus in Damaskus:

"Ich sah eine getötete Familienmutter, ihre Kinder standen um sie herum und riefen nach ihr, als wollten sie sie aufwecken ‚Mama…Mama‘.
[…]Ich sah eine ganze Familie: Der Vater liegt auf der Intensivstation, die Mutter ist schwer verwundet und der drei Jahre alte Sohn hat nicht überlebt. Alles nur, weil seine Eltern entschieden haben nach draußen an die Sonne zu gehen. Die Großmutter des Jungen schrie und weinte, stieß Beleidigungen und Verwünschungen aus. Niemand konnte ihr einen Vorwurf machen. Ein paar Minuten zuvor war sie eine Großmutter, nun ist sie keine mehr. Jetzt ist sie eine trauernde Mutter, die die Ärzte anfleht, ihr etwas über den Zustand ihres Sohnes auf der Intensivstation zu sagen.
[…]Ich sah ein 15-jähriges Mädchen, blutverschmiert. Ihr Name war Rita, jetzt ist sie ein Engel im Himmel."

Es sind solche Zeilen, die uns erahnen lassen, wie es sein muss, in Syrien zu leben. Und zu überleben.

Hilfen der Caritas - auch in Ost-Ghuta

Die Caritas und ihre lokalen Partner vor Ort unterstützen die Menschen in Syrien weiterhin, auch in Ost-Ghuta. Über informelle Wege gelingt es uns, Hilfsgüter in die umkämpften Gebiete zu bringen und dort zu verteilen. Neben Ost-Ghuta unterstützen wir die syrische Bevölkerung aber auch in Damaskus, Aleppo, Homs, Tartous, Latakia, Idlib und im Nordosten Syriens in der Provinz al-Jaziré. In den zerstörten oder noch immer umkämpften Gebieten werden Hilfsgüter verteilt: Nahrungsmittel und Hygieneartikel, aber auch Decken und Matratzen. Dort wo noch Gebäude stehen unterstützt die Caritas Menschen mit Mietbeihilfen - denn im Winter wird es bitterkalt in Syrien. Viele Menschen in Syrien sind gezwungen, in Ruinen Unterschlupf zu suchen. Ein besonderer Schwerpunkt der Caritashilfen liegt auch auf der Unterstützung von Kindern. Die jüngeren unter ihnen kennen nichts anderes als ein Leben im Krieg. Die Caritas bietet den traumatisierten Kindern eine psychosoziale Unterstützung an und organisiert Freizeitaktivitäten wie Sport, Singen oder gemeinsames Basteln. Zudem werden über 5.000 Kinder beim Schulbesuch unterstützt. Auch in Ost-Ghuta wird Kindern Schulunterricht organisiert, aufgrund der momentanen Eskalation der Kämpfe ist dies zur Zeit jedoch nicht mehr möglich.

Hier finden Sie mehr Informationen zu den Projekten.

Februar 2018