Thema

Flucht und Migration

Der UN-Migrationspakt: Der beste der schlechten Kompromisse

Wie kann der Migrationspakt mit Leben gefüllt werden? Welche Chancen und Herausforderungen bringt er mit sich und wie kann es weiter gehen?

Anke Wiedemann von Caritas international ist zur Konferenz zum UN-Migrationspakt nach Marrakesch gereist. Als Expertin für Flucht und Migration diskutierte sie mit den Teilnehmern nicht nur über die Vorteile der internationalen Absichtserklärung. Ein Bericht aus Marokko.

 

Wie Caritas Menschen hilft, die von Flucht und Migration betroffen sind

Menschen, die durch Krieg, Unterdrückung, Hungerkatastrophen oder wirtschaftliche Not aus ihrer Heimat vertrieben worden sind, erhalten von uns und unseren Partnern Schutz und Unterstützung. Unsere Aufgabe ist es, diese Menschen zu stärken und für ihr Recht auf menschenwürdige Behandlung einzutreten.

Caritas steht für Hilfe im In- und Ausland - mit vielen Beratungsstellen für Flüchtlinge in Deutschland, aber auch mit Migrantenzentren, die Caritas international vor allem in Afrika und dem Nahen Osten unterstützt.

Brennpunkte der Binnenvertreibung: Interview mit Anke Wiedemann

Die Zahl der Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, war noch nie so hoch wie heute. Anke Wiedemann ist bei Caritas international als Referentin für das Themenfeld Flucht und Vertreibung verantwortlich. Im Interview gibt sie einen Einblick über aktuelle Brennpunkte und Methoden, mit denen Betroffenen noch besser geholfen werden kann.

Binnenvertreibung: Brennpunkte weltweit - Infografik

Über die oft dramatischen Schicksale von Vertriebenen im eigenen Land ist meist nur wenig bekannt. Inwiefern kann man Binnenvertreibung als „vergessene Katastrophe“ bezeichnen?
Anke Wiedemann: Weltweit sind über 68,5 Millionen Menschen auf der Flucht – davon rund 40 Millionen in ihrem eigenen Land. Sie fliehen vor allem vor Kriegen, Konflikten und Gewalt, aber auch vor wiederkehrenden Naturkatastrophen und extremen Klimaveränderungen. Diese Menschen sind stark gefährdet, denn auf der Flucht drohen ihnen brutale Übergriffe, sexuelle Gewalt und andere Menschenrechtsverletzungen. Diese sogenannten Binnenvertriebenen sind auf Schutz und Unterstützung in ihrem eigenen Land angewiesen – doch häufig sind diese Staaten dazu nicht in der Lage oder nicht bereit. International ist der Status der Vertriebenen im eigenen Land weitgehend ungesichert und es fehlt in vielen Fällen auch an Aufmerksamkeit und politischen Bemühungen. Deshalb kann Binnenvertreibung definitiv als vergessene Katastrophe bezeichnet werden. Sie ist sicherlich die größte Herausforderung unserer Zeit.

Wie können Hilfsorganisationen diesen Menschen bestmöglich helfen?
Wiedemann: Wir als Caritas international arbeiten eng mit anderen Caritas-Organisationen und unseren lokalen Partnern zusammen. Dadurch sind wir oft schon vor Ort, wenn es zu einer Krise oder Katastrophe kommt. Das ist ein sehr großer Vorteil. Unsere Partner kennen die örtlichen Gegebenheiten und die Bedürfnisse der Bevölkerung. Und sie genießen das Vertrauen der Menschen. Zudem sind wir in viele internationale Netzwerke eingebunden. All das hilft, schnell, bedarfsgerecht und nachhaltig Hilfe zu leisten.

Wie und wo kümmert sich Caritas international weltweit um diese Gruppe von Bedürftigen?
Wiedemann: Wir arbeiten in sehr vielen Ländern, in denen Menschen auf der Flucht sind: in Syrien, Afghanistan, Nigeria, Kamerun und im Tschad, in Mali, im Südsudan, in Kolumbien und in der Ukraine, um nur einige Beispiele zu nennen. Unsere Programme reichen dabei von der akuten Nothilfe bis zur Unterstützung bei der Rückkehr in die Heimat – selbstverständlich nur dann, wenn die Lage vor Ort es zulässt und die Vertriebenen das überhaupt wollen. Die Hilfe richtet sich dabei nach den Bedürfnissen der Betroffenen. Sie kann je nach Situation daraus bestehen, dass unsere Partner Nahrungsmittel und Hygieneartikel verteilen oder zum Beispiel den Ausbau von Wasserversorgung und Sanitäreinrichtungen und selbst ganzen Notunterkünften vorantreiben. Immer wieder bieten sie auch psychosoziale Unterstützung an, die den Betroffenen hilft, Traumata zu überwinden. Wichtig ist uns dabei, dass wir nicht nur den Vertriebenen helfen, sondern auch die gastgebenden Gemeinden einbeziehen, um so Konflikte um knappe Ressourcen zu vermeiden. Denn oft geht es den Menschen in den betroffenen Regionen leider auch nicht viel besser als den Menschen, denen sie Zuflucht gewähren.

Rohingya-MädchenDieses Mädchen der muslimischen Minderheit der Rohingya ist eine von mehr als 68 Millionen Vertriebenen weltweit. Foto: Caritas international

Welche neuen Instrumente der Humanitären Hilfe gibt es, um die Situation von Menschen aus Kriegs- und Krisenländern zu verbessern?
Wiedemann: Ein relativ neues Instrument sind Bargeld-Hilfen oder Hilfen mit Gutscheinen für Hilfsgüter. Wenn die lokalen Märkte funktionieren, dann ist dies eine schnelle und effektive Möglichkeit, um Menschen darin zu unterstützen, genau die Produkte zu erwerben, die gerade am dringendsten benötigt werden. Gleichzeitig wird den Menschen in einer extrem prekären Situation ein Stück Selbstbestimmung überlassen. Wir können damit Hilfsbedürftige unterstützen, sich aus eigener Kraft eine Zukunft zu schaffen.

Farmer im Kassava-Feld / Tommy Trenchard / Caritas internationalis

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