Interview

Ein Jahr in den Straßen von Lima

Luca, du warst einer der beiden ersten Freiwilligen in einem Auslandsprojekt von Caritas international. Ein Jahr lang konntest du in einem Streetwork-Projekt in den Straßen Limas mitarbeiten. Wie war diese Zeit für dich?

Das Jahr war geprägt von wahnsinnig vielen schönen Momenten, sowohl bei meiner dortigen Arbeit, als auch bei meiner Gastfamilie, mit meinen Freunden und bei den Reisen innerhalb Perus, die ich machen konnte. Ich habe in einem von Caritas international geförderten Drogenprojekt gearbeitet. Der Schwerpunkt lag auf Streetworking, also direkter Kontakt zu den Betroffenen auf der Straße. Wir hatten es mit Drogenabhängigkeit, Alkoholismus und Familiengewalt zu tun. Schon durch bloße Anwesenheit und Zuhören haben wir einen Zugang zu den Menschen bekommen. Ich schaue auf ein bereicherndes, einzigartiges Jahr zurück.

Luca Weigand während seiner Freiwilligenarbeit in den Straßen Limas.Luca Weigand während seiner Freiwilligenarbeit in den Straßen Limas.Foto: Caritas international

Es war  kein  einfaches Umfeld, in dem du dich in Lima bewegt hast. Hattest du denn das Gefühl, einen Beitrag leisten zu können?

Ich denke schon, dass ich zu dem Projekt etwas beitragen konnte, natürlich innerhalb gewisser Grenzen. Ich wollte dort nicht als "der Deutsche" gesehen werden. Aber ich konnte mich als Mensch einbringen. Bei der Arbeit ging es viel ums zuhören - da konnte ich gut helfen und für die Menschen da sein, unabhängig davon, dass ich selber aus einem ganz anderen Lebensumfeld komme. Von meinen Kolleginnen und Kollegen habe ich alle Unterstützung bekommen, die ich mir nur wünschen konnte.

Die Freiwilligenstelle wird in einer Kooperation zwischen der Fachstelle Freiwilligendienste der Erzdiözese Freiburg und Caritas international jedes Jahr neu besetzt. Was muss man mitbringen, wenn man dein Nachfolger werden möchte?

Das Wichtigste sind Offenheit und die Bereitschaft, ganz neue Erfahrungen zu machen. Wenn man das mitbringt, dann kommt alles andere von allein. Außerdem sollte man verstehen, dass man nicht derjenige sein wird, der alles verbessern kann. Im Gegenteil: Ich selber bin es ja, der aus diesem Jahr am meisten mitnimmt und am meisten gelernt hat.

Inwiefern hat das Jahr in Peru auch dich verändert?

Ich bin offener und spontaner geworden. Ich hinterfrage mehr, was ich tue. Und es war interessant, auch selber mal "der Ausländer" zu sein. Neben den ganzen Erfahrungen bleiben natürlich auch die Freundschaften, die ich dort geschlossen habe. Jetzt geht es für mich in Deutschland weiter: Ich möchte Psychologie studieren.

War das schon immer dein Wunsch?

Nein, gar nicht. Ich wollte eigentlich etwas ganz anderes machen. Aber im Projekt habe ich die Arbeit der dortigen Psychologen kennengelernt - und fand sie spannend. Durch die Arbeit in dem Straßenprojekt habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Rolle des Zuhörenden sehr erfüllend für mich ist. Das war prägend und hat mir das Gefühl gegeben, das weitermachen zu wollen.

November 2018