Dossier

Nepal

Wiederaufbau mit der Bevölkerung

Frau auf Trümmern ihres HausesBesonders auf dem Land und in den abgelegenen Bergregionen ist der Wiederaufbau noch längst nicht abgeschlossen.Foto: Matthieu Alexandre, Caritas Internationalis

Auf dem Markt in Nepals Hauptstadt Kathmandu sind die Folgen des Erdbebens  kaum noch präsent. In die exotischen Gerüche der Garküchen mischt sich das Hupen unzähliger Mofas, Händler haben ihre Waren auf dem Boden ausgebreitet, Menschen verweilen und handeln. Kaum etwas erinnert an das starke Beben im April 2015, das weite Teile Nepals zerstörte. Über 8.000 Menschen kamen ums Leben, mehr als 10.000 wurden teils schwer verletzt und etwa eine viertel Million Häuser wurden völlig zerstört. Viele Einwohner wurden so von einem auf den anderen Tag obdachlos.

Mittlerweile ist der Alltag in die Stadt zurückgekehrt. Ein anderes Bild zeichnet sich ein paar Kilometer auswärts, auf dem Land und in den Bergen. Die Wiederaufbauhilfe steht vor großen logistischen Herausforderungen. Noch immer liegen dort Trümmer, zerborstene Holzpfeiler ragen in den Himmel, der Wind treibt den Staub des Bauschutts in jede Ritze.

Claus Hemker, Fachmann für Hausplanung bei Caritas international class=Claus Hemker, Fachmann für Hausplanung bei Caritas international bildet lokale Arbeiter in erbebensicherer Bauweise aus.Foto: Caritas international

Doch überall sieht man Menschen, die mit Tatkraft und Motivation ihre zerstörten Häuser neu aufbauen, Fundamente gießen, Stahlkonstruktionen installieren und Stein für Stein aufeinandersetzen. Der Wiederaufbau soll nachhaltig und sicher sein. Im Falle eines nächsten Bebens müssen die Häuser standhalten und die Auswirkungen dürfen nicht mehr so immens sein, das ist unser Anspruch. "Die Stahl-Beton Konstruktionen sind nun weitaus widerstandsfähiger als es die vorherigen Häuser der Bevölkerung waren", erklärt Claus Hemker, Fachmann für Hausplanung bei Caritas international. Er unterstützt die Caritas-Mitarbeiter in Nepal beim Wiederaufbau.

Aus Nothilfe wird Wiederaufbau

Ein Caritasmitarbeiter diskutiert mit EinheimischenKurze Zeit nach dem Erdbeben begann das Caritas-Netzwerk zu arbeiten.Foto: Matthieu Alexandre, Caritas Internationalis

Die direkte Nothilfe funktionierte sehr effektiv. Einmal mehr zeigte sich die Professionalität des internationalen Caritas-Netzwerks: Unsere Partner kamen an verschiedenen Orten zum Einsatz, arbeiteten Hand in Hand, versorgten ab der ersten Stunde mehr als 230.000 Menschen mit lebenswichtigen Hilfsgütern wie Wasser, Nahrungsmittel, Decken, Planen. Die Solidarität mit Nepal war beispiellos: Allein bei Caritas international gingen über zehn Millionen Euro Spenden ein. Eine gute Basis für den Wiederaufbau, dessen Planung bereits in der Nothilfephase begann.

Zu Beginn behindert durch Bürokratie und Regeln, funktioniert die Zusammenarbeit mit Regierung und Behörden nun umso besser. Bereits 2.900 Familien haben mit Hilfe der Caritas den Neubau begonnen oder konnten ihr Haus sogar schon beziehen. „Wir sind zuversichtlich, bis Ende des Jahres die umfangreichen Bauprojekte für 5000 Familien erfolgreich abzuschließen zu können“, berichtet Daniel Apolinarski, Länderreferent bei Caritas international für Nepal.

Eine Frau steht mit ihren beiden Kindern vor dem neuen Haus.Eine Familie vor ihrem neuen Haus.Foto: Raju Pradhan

„Die lokalen Caritas Teams mit je 15 bis 20 Leuten sind so gut aufeinander eingespielt, dass ich von ihrer schnellen, effizienten, gut koordinierten und engagierten Zusammenarbeit sehr beeindruckt bin“, erzählt Daniel Apolinarski weiter. Gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen organisiert und transportiert Caritas international Baumaterialien, stellt Fachkräfte zur Seite und – ganz wichtig – bildet lokale Arbeiter in erbebensicherer Bauweise aus.

"Ein funktionierendes Team von lokalen Kräften ist in der Bergregion umso wichtiger, nicht nur wegen der erschwerenden geografischen Bedingungen. Vor allem auch in sozialer Hinsicht bewegen sich die Caritas-Teams dank der unterschiedlichen sozialen Herkunft ihrer Mitglieder kompetent in der gesellschaftlichen Realität", erklärt Daniel Apolinarski.

Neue Perspektiven für Tausende Familien

Die Bevölkerung hilft aktiv beim Wiederaufbau mit. class= Die Bevölkerung hilft aktiv beim Wiederaufbau mit und erhält dafür einen Lohn. Foto: Claus Hemker, Caritas international

Da es oft an finanziellen Mitteln für Hausbau und Lebensunterhalt fehlt, bieten Cash-for-Work-Programme der Caritas eine Einkommensalternative. Die Bevölkerung hilft bei der Wiederherstellung von Wegen und Straßen, beseitigt Trümmer, gestaltet aktiv den Neuanfang ihrer Gemeinden mit und erhält dafür einen Lohn.

Der Wiederaufbau von Schulen verläuft ebenfalls nach Zeitplan: Im Distrikt Sindhupalchowk entstehen unter der Leitung von Caritas Schweiz 34 neue Schulen, die Caritas international mitfinanziert. Einige Schulen sind bereits in Betrieb.

Weiter investiert Caritas in die Wiederherstellung von Wasserinfrastrukturen, Landwirtschaft und Existenzgrundlagen. Mehrere tausend Familien erhielten Ersatz für verloren gegangenes Nutzvieh, das ihnen Nahrung bietet und zugleich auch ihr Einkommen sichert. Verteilt wurden außerdem landwirtschaftliche Geräte und dürreresistentes Saatgut. Mit der Vergabe von Krediten wird der Handel wieder in Schwung gebracht. Im Bereich Trinkwasser konnten bereits 49 Trinkwasser-Systeme neu aufgebaut werden und weitere befinden sich im Bau. Ähnlich die Situation bei Bewässerungsanlagen für die Landwirtschaft.

Heute, drei Jahre nach dem Erdbeben, kann Caritas international eine positive Bilanz ziehen: "Es gibt zwar für die nächsten Jahre noch viel zu tun, aber dank des Caritas-Netzwerks haben bereits jetzt Tausende Familien eine neue Lebensperspektive erhalten", sagt Daniel Apolinarski.

April 2018