Häufig gestellte Fragen

FAQs

Klimawandel und humanitäre Notlagen

Icon

Wie hängen Klimawandel und humanitäre Notlagen zusammen?

Lange Hitzeperioden gaben diesen Sommer in Europa vielfach Anlass zur Sorge. So brannten in Griechenland und Portugal große Waldflächen, zahlreiche Menschen verloren ihr Zuhause. Nicht nur in Deutschland beklagt die heimische Landwirtschaft Ernteausfälle, die Luft in den Städten war mit Schadstoffen stärker belastet als in einem Durchschnittssommer. An zahlreiche Badeseen warnten Schilder vor dem Baden, das Wasser war teils weitflächig mit einem gesundheitsschädlichen Teppichich aus Blaualgen überzogen.

Tatsächlich wird das Jahr 2018 als eines der wärmsten in die Klimageschichte Mitteleuropas seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen im Jahr 1880 eingehen. Auch in Deutschland hat sich laut Daten des Deutschen Wetterdienstes die Temperatur seither um 1,4 Grad Celsius erhöht. Was viele Gemüter als perfektes Sommerwetter für die Ferienzeit erfreute, hat bei globaler Betrachtung erschreckende Dimensionen.

Schüler und Schülerinnen in Turbi in der Tiigo Schule zeigen symbolisch mit den Händen die  neue unterirdische Wasserleitung Kenia, Marsabit: Schüler und Schülerinnen in Turbi in der Tiigo Schule zeigen symbolisch mit den Händen die neue unterirdische Wasserleitung. Die Bevölkerung dürreanfälliger Regionen in Nordkenia in der Region Marsabit wird von den Diözesen darauf vorbereitet, auf extreme Wetterlagen besser reagieren zu können. Bente Stachowske / Caritas international, 2016

Jedes Zehntel Grad zählt

Im Oktober warnte Weltklimarat in einen Sonderbericht mit dem Titel 1,5 Grad globale Erwärmung vor den Folgen der Klimaerwärmung. Demnach werden die schädlichen und zerstörerischen Folgen des Klimawandels auch bei einer globalen Erwärmung um nur 1,5 Grad Celsius immense Ausmaße annehmen. Das gilt insbesondere für die Länder der Tropen und Subtropen. Neben der Zunahme von Dürren und Überflutungen drohen vermehrt auch Stürme. Mit dem Ansteigen des Meeresspiegels nehmen Sturmfluten zu, Böden versalzen und Meere versauern. Neben dem Verlust ganzer Küstenregionen und dem großflächigen Sterben der schützenden Korallenriffe wird auch die Fischerei starke Einbußen erleiden.

Aufgrund ausgebliebener Regenfälle sind in Afghanistan im Herbst 2018 nach Angaben der EU inzwischen mehr als zehn Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Mehr als 2,8 Millionen Menschen hiervon leiden an akuter Unterernährung. In Ländern, die sich - wie Afghanistan - in einer politischen Krise befinden oder gar mit gewaltsamen Konflikten konfrontiert sind, gefährden klimabedingte Ernteausfälle die Ernährung der Bevölkerung besonders heftig.

So waren im Frühjahr und Sommer 2017 Millionen von Menschen am Horn von Afrika durch eine anhaltende Dürre und politische Krisen von Hunger und Mangelernährung bedroht. Im September bangten rund 40 Millionen Menschen in der Karibik um ihre Existenz, als der bisher heftigste Hurrikan über einige Inseln stürmte und die Küsten von Kuba und Haiti streifte. Mitte 2018 wurden im indischen Kerala durch Sturzfluten nach dem stärksten Monsun der letzten Jahrzehnte großflächig Ernten vernichtet und kurzzeitig fast eine Million Menschen obdachlos. "Das Zynische ist, dass die armen Bauern in Indien und Bangladesch auf der Welt am wenigsten zur Erderwärmung beitragen. Sie fahren kein Auto, haben keine Heizung und wenig Konsumgüter. Doch sie haben am meisten unter den Folgen zu leiden", so Peter Seidel, Länderreferent bei Caritas international.

Doppelt so viele Katastrophen in 20 Jahren

Die Anzahl der Naturkatastrophen hat sich weltweit in den letzten 20 Jahren verdoppelt; das spüren auch die Partner von Caritas international. Immer häufiger sind sie vom Klimawandel mitverursacht. Und immer häufiger und heftiger belastet der Klimawandel diejenigen, die ohnehin aufgrund von Armut nur sehr begrenzt in der Lage sind, sich gegen Ernteausfälle und Hunger oder die Zerstörung ihrer Wohnhäuser zu schützen.

Daher forderte Caritas international 2018 anlässlich des Tages der Katastrophenvorsorge eine Neuausrichtung der weltweiten Katastrophenhilfe: "Extreme Wetterereignisse wie Hurrikans oder Erdbeben werden erst deshalb zu Katastrophen, weil es Menschen gibt, die diesen Phänomenen schutzlos ausgeliefert sind", erklärt Oliver Müller, der Leiter von Caritas international, dem Hilfswerks des Deutschen Caritasverbandes. Die Betroffenen seien fast ausschließlich die Schwächsten und Verletzlichsten der betroffenen Gesellschaften - Kinder, Schwangere, alte Menschen und Menschen mit Behinderung. 

Die Katastrophen und die große Not der Betroffenen werfen erneut die Frage auf, wie diese mit dem Klimawandel zusammenhängen und auch, welche Mitverantwortung die Weltgemeinschaft trägt. "Unsere Partner in den Entwicklungsländern fragen uns, was wir im Norden als Hauptverursacher des Klimawandels dafür tun, die Treibhausgase zu reduzieren und für die Schäden unseres Handelns aufzukommen", so Oliver Müller. "Es geht nicht allein um Barmherzigkeit und Nächstenliebe, sondern auch um unsere Verpflichtung zur Schadensbegrenzung und um Gerechtigkeit", so Müller, wenn die Aufmerksamkeit auf klimabedingte Katastrophen fällt und Menschen zu Tode kommen.

Vorsorge vor klimabedingten Katastrophen

Durch eine vernetzte Katastrophenvorsorge und eine kluge Anpassung an klimatische Veränderungen können Verluste und Schäden abgemildert werden. Humanitäre Hilfsorganisationen wie Caritas international, die bereits im Bereich der Katastrophenvorsorge aktiv sind, spielen heute mehr denn je eine Schlüsselrolle in diesem Bereich.

"Nachhaltig ist Katastrophenhilfe nur, wenn sie die Ärmsten in die Lage versetzt, selbst Vorsorge zu treffen und sich wirksam vor Naturkatastrophen zu schützen", erklärt Claudio Moser, Referatsleiter bei Caritas international. Die Hilfe müsse bei den Betroffenen vor Ort ansetzen, deren Schutzmechanismen stärken und viel stärker als bisher auf Prävention ausgerichtet sein.

Das gilt uneingeschränkt gerade auch für Katastrophen, die durch den Klimawandel bedingt oder verstärkt werden. Experten des Welternährungsprogramms gehen davon aus, dass sich rund die Hälfte der Kosten für humanitäre Hilfe einsparen lässt, wenn eine Gemeinde oder eine Region auf die Folgen des Klimawandels eingestellt ist und sich besser schützen kann. Viel wichtiger noch: Es kann Leben gerettet werden, wenn Katastrophenhilfe nicht nur auf eine akute Katastrophe ausgerichtet ist, sondern insbesondere ärmere Gemeinden gegen die Folgen des Klimawandels besser vorbereitet sind.

 "Wir unterstützen das Prinzip der Vorsorge und arbeiten daher im Bereich der Katastrophenprävention. Egal, ob es um die landwirtschaftliche Praxis oder um den Schutz vor Taifunen oder Hurrikans geht - wir suchen nach Methoden, wie die Menschen sich besser gegen die Folgen des Klimawandels wappnen können.  Wir stärken die Resilienz der Gemeinden - also ihre eigenen Widerstandsfähigkeit", so Moser. Und selbstverständlich steht Caritas international seinen Partnern vor Ort bei einer Katastrophe zur Seite und hilft mit dem Lebensnotwendigsten sowie beim Wiederaufbau. Denn "Katastrophenhilfe und soziale Entwicklung müssen Hand in Hand gehen".

Einen solidarischen Geist pflegen

Zugleich fällt die Verantwortung auf diejenigen zurück, die eine historische Rolle als Verursacher des Klimawandels haben. Papst Franziskus sprach in seiner Laudatio Si‘  2015 Über die Sorge für das gemeinsame Haus von der Existenz einer wahrhaft ökologischen Schuld, insbesondere zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden[i].. Er appelliert an die Weltgemeinschaft, bei dem dringend notwendigen Wandel solidarisch zu handeln: Es darf niemand abgehängt werden, wir brauchen einander.

"Zeit ist ein Luxus, den wir nicht haben", betonen auch die sechs Präsidenten der kontinentalen Bischofskonferenzen in einer gemeinsamen Erklärung vom 29. Oktober 2018. Bezugnehmend auf die Enzyklika Laudato Si’, die Papst Franziskus im Juni 2015 veröffentlicht hatte, rufen sie in einem Appell die Regierungen im Vorfeld der Weltklimakonferenz dazu auf, sofort zu handeln und Maßnahmen für den Klimaschutz zu ergreifen, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. "Katastrophen beginnen bereits vor den Schreckensbildern, welche wir in der Öffentlichkeit zu sehen bekommen", erinnert Ole Hengelbrock, Referent für Grundsatzfragen bei Caritas international. "Unser heutiges Handeln schafft die Grundlagen dafür, inwieweit sich extreme Wetterereignisse verschlimmern und ob sich betroffene Menschen davor schützen können. Humanitäre Hilfe braucht Weitblick."

Neben der gebotenen Eile zu handeln, heben die Bischöfe die Generationengerechtigkeit hervor, also die Verantwortung für künftige Generationen. Zudem betonen sie die Achtung von Menschenwürde und Menschenrechte, das 1,5 Grad-Ziel als Voraussetzung für menschliches Überleben sowie die Notwendigkeit tiefgreifender und dauerhafter Veränderungen hin zu einer nachhaltigen Lebensführung.

Die als Handlungsaufruf verstandene Rede des Papstes und der Appell der sechs Präsidenten der kontinentalen Bischofskonferenzen sind gerade für das Leitbild eines Hilfswerks wie Caritas international zentral. Denn die Frage, wie aus humanitärer Sicht die enorme Aufgabe zu bewältigen ist, die Opfer der Folgen des Klimawandels zu unterstützen, bewegt die Partner von Caritas international vor Ort. Sie kennen die Lebensumstände und Nöte der Menschen aus nächster Nähe. Ihre Erfahrungen fließen in die Arbeit von Caritas international ein.

Weltweit arbeiten Caritas-Organisationen an der Verbesserung von Katastrophenvorsorge und an Anpassungen an den Klimawandel. Zahlreiche Projekte von Caritas international etwa in Andenstaaten, in Zentralamerika und der Karibik, in Süd- und Südostasien oder in den Sahelstaaten Ost- und Westafrikas zeigen deutlich, dass die damit verbundenen Maßnahmen den betroffenen Menschen mehr Schutz vor klimabedingten Katastrophen und mehr Sicherheit vor den tiefgreifenden Folgen des globalen Klimawandels bieten.

Martina Backes, Oktober 2018

llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII

Icon

Die hier folgenden FAQs (häufig gestellte Fragen) möchten allen Interessierten eine Orientierung bieten, um besser einschätzen zu können, welche Rolle der Klimawandel bei humanitären Notlagen wie Vertreibung, Flucht und Ernährungskrisen spielt. Auch geht es darum, wie die Humanitäre Hilfe mit den daraus erwachsenden Herausforderungen umgeht. Zusammengestellt von Martina Backes, Oktober 2018

1 Wie steht es um das Weltklima

Die Sommermonate haben für viele Menschen auch im Globalen Norden die klimatischen Schwankungen deutlich spürbar gemacht, vom Nordpol bis zur Sahara. In Sibirien wurden im Juni 2018 entlang der Polarmeerküste 33 Grad gemessen, statt der sonst um diese Zeit einstelligen Temperaturen. Die US-Meeres- und Atmosphärenbehörde NOAA berichtet, dass der April 2018  der vierhundertste Monat in Folge war, in dem die Erdtemperatur über dem langjährigen Durchschnitt liegt, der als Referenzwert gilt. Im vergangenen April lag die globale Temperatur um 1,5 Grad über dem Durchschnitt für diesen Monat.

In Nordafrika im algerischen Wüstenort Ouargla stieg das Quecksilber diesen Sommer auf 51,3 Grad. Das sind 0,6 Grad mehr als beim vormaligen Rekord von 50,7 Grad (gemessen 1961 in Marokko). Rekordmessungen im Temperaturbereich waren auch in Montreal zu verzeichnen, der kanadische Rundfunk meldete im südlichen Quebec 54 Hitzetote.

Im Globalen Süden sind die Auswirkungen von Extremwetterereignissen oft drastisch, da sich die Menschen weniger schützen können.

  • Nach den schlimmsten Überschwemmungen seit 100 Jahren im südindischen Bundesstaat Kerala waren hier fast eine Million Menschen obdachlos, viele vorübergehend, andere dauerhaft.
  • Die Dürrephase in Zentralamerika hält an und führt zu Ernteeinbußen.
  • Im Iran gehen die Menschen wegen Wasserknappheit auf die Straße, in Thailand sind Engpässe in der Stromversorgung und Stromausfälle auf die Nutzung von Ventilatoren und Klimaanlagen zurückzuführen - ebenfalls wegen der Hitze.
  • Aufgrund fehlender Regenfälle sind nach EU-Angaben in Afghanistan inzwischen mehr als zehn Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Frau mit Kind auf staubiger trockener HochebeneIn Bolivien sind die negativen Auswirkungen des Klimawandels deutlich spürbar: Die Bauern müssen auf Grund der veränderten klimatischen Bedingungen mit häufigen Frösten, Überschwemmungen und gleichzeitig auch mit Wasserarmut zurechtkommen.Jose Lavayen 2009

Seit etwa 40 Jahren nimmt die Zahl extremer Wetterphänomene stetig zu. Laut Prognosen des IPCC werden sich diese Entwicklungen noch verschärfen. Wetterextreme wie hohe Temperaturen und lange Dürreperioden führen zu Waldbränden und Ernteverlusten, auch in Europa. Auch das Ausmaß und die Häufigkeit von Starkregen und damit verbundenen Fluten und Überschwemmungen sind weltweit gestiegen. Und auch die Zahl der Taifune und Wirbelstürme, die als Wetterphänomene sehr komplex sind, haben zugenommen.

Die Erwärmung lässt sich nicht leugnen

Immer mehr Daten und Modellrechnungen weisen auf den Zusammenhang zum Klimawandel und zur Erderwärmung hin. Die britische Organisation Energy & Climate Intelligence Unit (ECIU) hat bei der Durchsicht der Fachliteratur der vergangenen zwei Jahre 15 Studien gefunden, die Hitzewellen untersuchten: In allen Fällen stellten die Forscher fest, dass anhaltende Extremtemperaturen und Klimawandel zusammenhängen. Robert Vautard, Experte für Hitzewellen am Institute Pierre Simon Laplace in Paris, meint gegenüber spektrum.de: "Es ist fast ausgeschlossen, dass die Hitzewellen, die wir vermehrt beobachten, auch ohne den Klimawandel zu Stande kämen".

Das wissen auch die USA. Im Jahr 2016 erreichten die Temperaturen weltweit einen Rekordwert. So war 2016 das dritte heißeste Jahr in Folge - und damit das wärmste seit Messbeginn vor 137 Jahren. Das stellte der Bericht der US-Klimabehörde NOAA im August 2017 fest. Die Behörde wertete Daten aus 60 Ländern und von 450 Wissenschaftlern aus. Auch der Meeresspiegel erreichte im Durchschnitt einen neuen Höchststand. 2016 herrschten auf mindestens zwölf Prozent der Landoberfläche schwere Dürren - ein Rekord seit Messbeginn. Und die jährliche maximale Ausdehnung des arktischen Meereises war im März 2017 die kleinste seit Beginn der Satellitenmessungen vor 37 Jahren. (Quelle: NOAA 2017).  

Mittlerweile sind durchschnittlich 350 Naturkatastrophen pro Jahr verzeichnet - eine Verdoppelung seit den neunziger Jahren. Nicht alle sind das Ergebnis des Klimawandels. Aber der Klimawandel ist ein nicht zu vernachlässigender Faktor. In der Wissenschaft und Klimaforschung hat die "Attribution" - die Zuschreibung von Einzelereignissen - in den vergangenen Jahren an Zuspruch gewonnen. Sie liefert Informationen wie diese: Der Klimawandel hat die Hitzewelle über Nordeuropa von 2018 doppelt so wahrscheinlich gemacht.

2 Wer ist für den Klimawandel verantwortlich?

Der fünfte Bericht des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) aus dem Jahr 2014 widmet sich ausführlich den Ursachen und Folgen der Erderwärmung. Die Hauptverantwortung tragen demnach Treibhausgase, die bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe (Kohle, Braunkohle, Erdöl und Erdgas) entstehen.

Schon heute sind die Städte weltweit für rund 70 Prozent des Energieverbrauchs und für die energiebezogenen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, die G-20 Länder sind weltweit für 85 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich. Der Verkehr ist in vielen Regionen Nummer Eins bei dem Ausstoß klimaschädlicher Abgase.  Doch auch die industrielle Landwirtschaft und der hohe Verbrauch an Konsumgütern treiben die klimaschädlichen Emissionen in die Höhe.

Seit dem Zeitalter der Industrialisierung hat sich die Lebensweise in den westlichen Industrienationen radikal verändert: Fabriken, Dampflokomotiven, Verbrennungsmotoren in Autos und Flugzeugen, aber auch die energieaufwändige Herstellung von Gütern wie Computer oder Handys fördern Bodenschätze zutage, die in hunderten Millionen Jahren entstanden sind. In großen Mengen wird dafür Kohle, Erdöl und Erdgas verbrannt.

Die Industriestaaten haben damit eine historische Verantwortung, denn sie verursachen den größten Teil der klimaschädlichen Emissionen. Zudem sind die westlichen Industrienationen diejenigen, die dank ihrer wirtschaftlichen Stärke finanziell in der Lage sind, zu handeln. Zugleich sind Unternehmen weltweit gefragt, ihre Produktionsweisen auf klimafreundlichere Verfahren umzustellen und mithilfe von Umwelttechnologie den Ausstoß schädlicher Klimagase deutlich zu reduzieren. Beim privaten Konsum sind ganz wesentlich das individuelle Mobilitäts- und Verkehrsverhalten (alter Diesel oder öffentlicher Nahverkehr) sowie die Art der Beheizung von Wohnräumen und der Anteil umweltfreundlicher Produkte für den persönlichen Energieverbrauch ausschlaggebend. In Deutschland liegt dieser im Jahr 2015 auf dem Niveau von 1990 [i].

Der Agrarsektor ist mit dem Klimawandel eng verbunden. Einerseits leiden insbesondere kleinbäuerliche Gemeinden ganz besonders unter den Folgen des Klimawandels. Doch andererseits sind Land- und Viehwirtschaft für rund ein Drittel der weltweiten klimawirksamen Gase verantwortlich, wenn man die Entwaldung mitberücksichtigt, die durch den Flächenbedarf der Agroindustrie und durch den Anbau von Energiepflanzen erfolgt. Insbesondere der Einsatz von Agrarchemie und die Massentierhaltung sind mit sehr hohen Emissionen verbunden.

Zu einfach wäre eine Zweiteilung in sogenannte Industrieländer, die eine hohe Verantwortung für die Erderwärmung tragen einerseits,  und so genannte Entwicklungsländer andererseits, die unter den Folgen leiden. Denn es gibt zahlreiche Länder mit zwei Gesichtern: Indien zum Beispiel  hatte 2009 den dritthöchsten Energiebedarf der Welt.  Dabei ist der ökologische Fußabdruck der reichsten Inder  - das sind 0,01 Prozent der Bevölkerung - 330 Mal größer als der der ärmsten 40 Prozent der indischen Bevölkerung. Der größere arme Teil der Bevölkerung hat einen enormen Bedarf an Energie, wenn ihr Menschenrecht auf Zugang zu Nahrung, Wasser, Gesundheitsversorgung und Bildung gewährleistet werden soll. In bevölkerungsreichen Ländern wie Indonesien, China oder Brasilien ist der Bedarf ähnlich.

3 Was ist Klimagerechtigkeit?

Der Pro-Kopf Ausstoß des schädlichen Klimagases Kohlendioxid hängt stark davon ab, wo die betreffende Person lebt, wie sie sich fortbewegt und was sie konsumiert oder wie sie wohnt und heizt. In Indien liegt der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch bei 1,5 Tonnen, in Deutschland bei 9,9 Tonnen und in den USA bei 17 Tonnen. Der Grad der Industrialisierung des Landes und der Einsatz erneuerbarer Energien hat auf diese Bilanz Einfluss. Damit ist nicht nur der persönliche Konsum für die eigene Kohlenstoffbilanz verantwortlich, sondern auch die Energiepolitik eines Landes: Je nachdem, wo eine Person lebt, braucht sie mehr oder weniger Energie, um ihr Recht auf eine angemessene Versorgung mit Nahrung, Mobilität, Wohnen, Bildung, Wasser und Gesundheitsversorgung zu decken.

Alle Menschen haben die gleichen Rechte - das gilt zunächst auch für die Nutzung von Energie. Zugleich dürfen die klimaschädlichen Emissionen nicht weiter wachsen. Wenn der Klimawandel aufgehalten werden soll, darf der Pro-Kopf Verbrauch nicht über zwei Tonnen liegen und muss gesenkt werden. Derzeit entfallen im weltweiten Durchschnitt über sechs Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids pro Person an.

2 Männer tragen Wasser in einem gorßen Bottich zu einer Herde von SchafenDas Leben der Viehhirten in Nordkenia hängt davon ab, ob ihre Tiere genug Wasser bekommen. Dürren verursachen Wasserstress, Armut und Hunger.Bente Stachowske

Die Verursacher der höchsten Emissionen haben die meisten Mittel, sich selber vor den Folgen zu schützen, während ärmere Teile der Bevölkerung insbesondere in den Ländern des globalen Südens, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen, am stärksten unter seinen Folgen zu leiden haben. So haben 1,2 Milliarden Menschen weltweit keine Elektrizität im eigenen Haushalt. Ohne den Zugang zu Strom verringern sich aber ihre die Entwicklungschancen. Bestehende Ungleichheiten wie diese müssen bei der Frage, wie Klimaschutz global gestaltet werden kann und wer wieviel dazu beitragen kann, mit berücksichtigt werden.

Die ungleiche Verteilung der Folgen der globalen Erwärmung wird in dem ethisch-politischen Konzept der Klimagerechtigkeit berücksichtigt: Nach dem Verursacherprinzip sind die Industriestaaten in besonderem Maße aufgefordert, künftig einen erheblichen Anteil der Kosten zu tragen, die nötig sind, um die Schäden zu beseitigen und einen Ausgleich zu schaffen. So rief auch Papst Franziskus zum Ausgleich zwischen den armen und reichen Ländern auf. Er appellierte bereits in seiner Laudatio Si daran, die Würde des Menschen zu achten und verbindet damit eine gemeinsame Verantwortung der Menschheit für das Klima als Gemeingut.

Auch das Vorsorgeprinzip ist für eine klimagerechte Energie- und Entwicklungspolitik bedeutsam: Um künftige Folgen und weitere Emissionen zu vermeiden, sind besondere Anstrengungen und ein bedachter Einsatz der natürlichen Ressourcen gefragt.

4 Was sind die Folgen des Klimawandels?

Der Weltklimarat prognostiziert: Selbst wenn die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzt wird, sind in den nächsten Jahrzehnten gravierende Auswirkungen des Klimawandels zu erwarten. Pazifikinseln und Küstenstädte sind durch einen steigenden Meeresspiegel bedroht, Landwirtschaft und Fischerei müssen mit Einbußen rechnen, dazu droht eine Zerstörung der meisten tropischen Korallenriffe.

"Dürre bringt Not, Vorsorge lässt hoffen." - Wario Guyo Adhe, Programmdirektor unserer Partnerorganisation in Kenia über das Projektkonzept.

Heftige Regenfälle auf der einen Seite und ausgeprägte Dürreperioden auf der anderen Seite sind als außergewöhnliche Extremwetterlagen in vielen Regionen der Welt für Katastrophen verantwortlich. Wenn schwere Regen ganze Landstriche fluten oder eine Dürre kurz nach der Aussaat einsetzt, werden oft ganze Ernten vernichtet. Erst im August 2017 sorgten in Bangladesch, Indien und Nepal heftige Monsunregenfälle für Ernteausfälle: Die wohl stärksten Überschwemmungen seit 30 Jahren haben in den südasiatischen Ländern Ende August 2017 die Haupternte vieler Reisbauern zerstört.

Mann mit Vieh in der trockenen SavanneIn der wüstenähnlichen Region Marsabit im Norden Kenias kommt es immer wieder zu lang anhaltenden Dürren.Regenzeiten verspäten sich oder fallen ganz aus. Auch 2017 fiel die erste Regenzeit aus, die Weiden verdorrten großflächig.Bene Stachowske

Neben dem Klimawandel ist auch der lokale Wandel der Landnutzung dafür verantwortlich, dass die Regenfälle im August und September 2017 in Südasien so verheerende Auswirkungen zeigen: "Die Abholzung von Wäldern und die Besiedlung von früheren Sumpf- und Waldgebieten führt dazu, dass immer mehr Menschen in flutgefährdeten Regionen wohnen", so Peter Seidel, Länderreferent bei Caritas international. Die Fachwelt befürchtet, dass diese Regionen, auch aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte, in den nächsten Jahren am stärksten von Klimawandel, Stürmen und Überschwemmungen betroffen sein wird.

Bereits 2008 waren neun der zehn schwersten Naturkatastrophen - gemessen an der Zahl der Todesopfer - extreme Wetterereignisse. Alle trafen Entwicklungs- oder Schwellenländer. Doch auch die USA sind betroffen. Stürme der Stärke von "Katrina” gab es seit 1923 etwa alle 20 Jahre. Hurrikan "Rita" hat entlang der US-Golfküste in diesem Jahr große Verwüstungen angerichtet, "Irma" ist als schwerster Tropensturm in der Karibik mit nahezu ungebremster Geschwindigkeit auf die Westküste Floridas geprallt, nachdem zuvor in Kuba starke Verwüstungen angerichtet wurden.

Zwar hat es in der Karibik immer schon starke Zyklone gegeben, doch sie folgen in immer kürzeren Abständen aufeinander. Das Klimaforschungsteam vom Niels Bohr Institut der Universität Kopenhagen befürchtet etwa zehnmal so viele extreme Sturmfluten, wenn das weltweite Klima zwei Grad wärmer wird - also in jedem zweiten Jahr. Die Halbinsel Haiti zählte 2016 über 400 Todesopfer,  80 Prozent der Häuser in der Stadt Jérémie wurden zerstört oder beschädigt. Nach Angaben der Vereinten Nationen waren 1,5 Millionen Menschen in Haiti von dem Hurrikan Matthew betroffen. Anfang September wurden auf der Insel Barbados 95 aller Häuser durch den Hurrikan "Irma" zerstört. "Irma" ist einer der stärksten jemals in der Region registrierten Tropenstürme mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 290 Kilometern pro Stunde. Nach Angaben von FAchkreisen ist er zugleich der längste jemals beobachtete Wirbelsturm einer solchen Stärke der Kategorie 5.

Unterdessen sind zum Beispiel am Horn von Afrika ausgedehnte Dürren für einen Mangel an Nahrung mit verantwortlich. Als Region mit politischer Krisen und gewalttätigen Ausschreitungen sind der Südsudan, Somalia und die angrenzenden Regionen in Kenia und Uganda besonders hart betroffen - im Frühjahr 2017 waren allein in Äthiopien 18 Millionen Menschen von Nahrungsmittelhilfen abhängig - auch infolge einer langanhaltenden Dürre. Hitzewellen oder Dürren sind oftmals schleichend und daher sehr gefährlich.

Tiefgreifende Folgen hat auch das Abschmelzen von Gletschern: In Asien und Lateinamerika scheint die Gletscherschmelze auf lange Sicht die Trinkwasserversorgung zu gefährden. Lima, die Hauptstadt Perus, kämpft bereits jetzt mit steigender Wasserknappheit. Zu den Gründen für das knapper werdende Wasser gehört neben der Gletscherschmelze in den Anden ein wasserintensiver Anbau von Spargel für den Export.

5 Wie hängen Hunger, Armut und Klimawandel zusammen?

Junge auf staubiger Straße mit einem WasserkanisterDie Flüchtlinge aus dem Südsudan im Flüchtlingslager Bidi Bidi in Uganda sind ebenfalls von der Dürre betroffen. Da viele behelfsmäßig in Gastfamilien unterkommen, ist das Wasser knapp und muss oft aus weiter Entfernung herangeschafft werden. Caritas Internationalis, 2017

Laut einem Bericht der Weltbank aus dem Jahr 2015 werden der Klimawandel und seine Folgen in den nächsten 15 Jahren 100 Millionen Menschen in die Armut drängen.

Aus mehreren Gründen sind Menschen oder ganze Staaten, die von Armut betroffen sind, vom Klimawandel deutlich stärker bedroht als wohlhabendere Menschen oder Staaten. Zum einen beruht der Lebensunterhalt armer Menschen überdurchschnittlich häufig auf Tätigkeiten, die sehr klimasensibel sind, wie Land- und Viehwirtschaft oder Fischerei. Arme Menschen leben überdurchschnittlich häufig in Regionen, die mit extremen Klimaschwankungen oder Wetterextremen konfrontiert werden: Regionen, die heiß und trocken sind oder die von extremen Wetterereignissen wie Monsunregen, Wirbelstürmen und Fluten stark betroffen sind.

Zudem sind Arme weniger in der Lage, sich rechtzeitig auf drohende Gefährdungen vorzubereiten. Oft fehlt ihnen die Information dazu. Arme Menschen oder Gemeinden haben weniger (finanzielles) Vermögen, um individuelle Schutzmaßnahmen treffen zu können. Und nicht selten sind arme Menschen auch politisch marginalisiert - dies erschwert ihnen zugleich den Zugang zu staatlicher Unterstützung nach Naturkatastrophen.

Zerstören Dürren oder Überschwemmungen die Felder, kommt es zu Ernteausfällen. Auch Nahrungsvorräte verderben, wenn Überschwemmungen tagelang die Häuser fluten. Sind Nahrungsmittel knapp, steigt ihr Preis. Je ärmer und entlegener eine Gemeinde ist, desto mehr leidet sie darunter.

Steigende Temperaturen stellen ein Risiko für die Ernten der wichtigsten Getreidesorten dar. Wissenschaftler fanden in einer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erstellten Studie 2017 heraus, dass sich der Ernteertrag von Mais und Soja für jeden einzelnen Tag über 30 Grad Celsius um rund fünf Prozent schrumpfen könnten. Mais und Soja stellen mit die wichtigsten Nahrungs- und Futterpflanzen in den Ländern des globalen Südens dar. Beim Weizen würden weltweit gar Ernteverluste von 20 Prozent bis zum Ende des Jahrhunderts möglich. Der Zusammenhang liegt in dem Stress, den die Pflanzen erfahren, wenn sie nicht genug Wasser haben - eine Folge hoher Temperaturen.

Doch der Klimawandel erschwert die Landwirtschaft auch schleichend: Hitzewellen, Dürren und ansteigende Temperaturen trocknen Böden und Felder aus. Der Boden erodiert beim nächsten Regen, Nährstoffe werden ausgeschwemmt, Wasservorräte schwinden. Der Anbau von Nahrungsmitteln ist so nur schwer möglich und die Ernten fallen knapp aus. In Flachlandregionen in Meeresnähe versalzen die Böden. Darunter leiden zum Beispiel die Reisbauern in der Casamance im südlichen Senegal - der einstigen Kornkammer des westafrikanischen Landes.

Auch bei der Viehzucht treten klimabedingte Probleme auf, wenn etwa das Vieh keine geeignete Weide mehr findet oder die Tiere mit der Hitze nicht fertig werden. Mit dem Klimawandel verringert sich die Fläche, auf der Nahrung angebaut werden kann, während die Erträge zurückgehen. Insbesondere Kleinbauern und Kleinbäuerinnen sind davon betroffen, denn oft steht ihnen keine alternative Einkommensquelle zur Verfügung. 

In weiten Teilen Lateinamerikas werden alternative Nahrungsquellen wie Regenwälder und Grasländer für den Anbau von Energiepflanzen genutzt. Die Konkurrenz dieser oft industriell bewirtschafteten Flächen ist immer wieder auch mit Vertreibungen von Gemeinden verbunden, die hier traditionelle Landwirtschaft betreiben. Ohne Alternativen sind die Betroffenen mit Armut und Perspektivlosigkeit konfrontiert. Doch auch wenn Anbaugebiete für Tee, Kakao oder Kaffee durch den Klimawandel zerstört werden, können Gewinneinbußen zu Armut führen.  

Die Weltbank schätzt, dass sich durch die Folgen des Klimawandels im Jahr 2050 zwischen zwei  und fünf Milliarden Menschen nicht angemessen ernähren können. Derzeit leiden eine Milliarde Menschen Hunger.

6 Wirkt sich der Klimawandel auf die Gesundheit der Menschen aus?

Mann an einem Brunnen mitten in einem überfluteten GebietBangladesch: Während der Klimawandel anderorts durch Dürren bemerkbar ist, wird das südasiatische Land immer wieder von schwersten Überschwemmungen heimgesucht, meist während der jährlichen Monsunregen. Auch Zyklone fordern hier immer wieder Menschenleben. Gael Kerbaol

Die Klimafolgen-Forschung schätzt unter anderem auch die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels ab. Das Robert-Koch Institut weist in einem Sachstandbericht "Klimawandel und Gesundheit" (2009) [ii] auf eine Reihe von Zusammenhängen hin und unterscheidet hier direkte und indirekte Folgen. Einige direkten Folgen sind: Durch die vermehrte UV-Exposition könnten Hautkrankheiten zunehmen, die Ozon- und Feinstaubbelastung stellt für Menschen in urbanen Ballungsräumen ein erhöhtes gesundheitliches Risiko dar, durch Veränderungen im Pollenflug steigt die Allergenbelastung, Hitzewellen steigern das Risiko akuter Herz-Kreislauf Probleme, insbesondere bei älteren Menschen. Nach Angaben der WHO sterben jedes Jahr über sieben Millionen Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung aufgrund des Einsatzes von fossilen Brennstoffen.

Für ein humanitäres Hilfswerk wie Caritas international sind die möglichen indirekten Folgen des Klimawandels auf die Gesundheit der Menschen eine Herausforderung. Dazu gehören die von Insekten und anderen Vektoren übertragenen Krankheitserreger, zum Beispiel Malaria. Auch durch verdorbene Lebensmittel oder verschmutztes Wasser übertragene Infektionskrankheiten steigen mit der Temperatur. Zudem können zunehmende Fluten die Trinkwasserversorgung und damit die Gesundheit der Menschen in Flutkatastrophenregionen verschlechtern. Auch die Gefahr, dass Ernten verderben oder verloren gehen und damit das Risiko von Mangelernährung und Hunger zunehmen, kann mit dem Klimawandel indirekt zusammenhängen.

Wenn mehrere der möglichen Folgen zusammentreffen, kann der Klimawandel durchaus wie ein Verstärker auf humanitäre Notlagen wirken: Wenn etwa nach einer ausgedehnten Dürre die Nahrung knapp ist und dann schwere Regenfälle folgen und die geschwächten Tierherden verenden oder mangelernährte Menschen von Infektionskrankheiten heimgesucht werden. Die Gesundheitsstationen in Regionen, in denen ein vermehrtes Zusammentreffen dieser ungünstigen Ereignisse und der gesundheitlichen Folgen zusammentreffen, sind darauf nicht vorbereitet. Bis zum Jahr 2030, so schätzt die Weltgesundheitsorganisation, könnten allein auf Grund des Klimawandels 250.000 Menschen zusätzlich an Malaria, Durchfallerkrankungen, anderen Hitzebelastungen und Unterernährung sterben. Vor allem Kinder, Frauen, alte Menschen und Arme werden davon betroffen sein - und Menschen, die ohnehin kaum oder nur erschwert Zugang zu einer gesundheitlichen Versorgung haben.

7 Gibt es Klimaflüchtlinge?

Schafe auf einer verdorrten Ebene auf der Suche nach FutterÄthiopien: Die Dürre gefährdet auch die Tierherden. Bente Stachowske / Caritas international, 2017

19 Millionen Menschen wurden 2015 durch plötzliche Extremwetterereignisse zu Binnenvertriebenen - das gibt der jährliche Bericht von GIDD (Global Internal Displacement Database) an. Der Begriff Klimaflüchtling, der gelegentlich in den Medien zu lesen ist, kann allerdings irreführend sein. Denn zum einen ist nicht jedes extreme Wetterereignis auf den Klimawandel zurückzuführen, und zum anderen blendet der Begriff das oft komplexe Zusammenwirken von Fluchtgründen und die sozialen Bedingungen aus, die dazu führen. Viele vom Klimawandel Betroffene haben nicht die Ressourcen, sich an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen oder die Schäden auszugleichen, vor allem in Ländern mit hohen Armutszahlen. Nur selten können die Folgen des Klimawandels als einzige Ursache für eine Flucht gelten, doch Flucht und Vertreibung werden durch die Folgen des Klimawandels und die Mittellosigkeit von Staaten und Gemeinden, die Menschen vor den Folgen zu schützen, verstärkt.

Die Verankerung der Menschenrechte im Klimaabkommen von Paris und die damit verbundene ausdrückliche Verpflichtung der Staaten, das Recht auf Leben, angemessenen Wohnraum, Nahrung, Wasser und Gesundheit aller Menschen zu schützen und zu gewährleisten, ist ein wichtiger Baustein. Er setzt den Rahmen für das Handeln, wenn es um den Umgang mit Menschen geht, die auch wegen der Folgen der Erderwärmung aus ihrer Heimat geflohen sind. Als Anker im Klimaschutzabkommen kann diese Verpflichtung helfen, eine menschenrechtsbasierte Migrationspolitik auch dann umzusetzen, wenn die Folgen des Klimawandels ein mitauslösender Faktor für die Migration sind.

Die 2012 gegründete Nansen-Initiative hatte sich zum Ziel gesetzt, den rechtlichen Schutz von Menschen zu verbessern, die von Unwetterkatastrophen grenzüberschreitend vertrieben werden. Neben den beiden Gründungsländern Norwegen und  Schweiz gehören  Australien, Bangladesch,  Costa Rica, Deutschland, Kenia, Mexiko und die Philippinen der Initiative an. Benannt wurde die Nansen-Initiative nach dem ersten Flüchtlingskommissar des Völkerbundes, Fridtjof  Nansen.

Die Nansen-Initiative hat 2015 eine Schutzagenda mit Strategien für den Umgang mit Menschen vorgelegt, die durch Katastrophen vertriebenen wurden. Inzwischen hat sich die Plattform on Disaster Displacement mit ihrer Gründung auf dem Weltgipfel für Humanitäre Hilfe im Mai 2016 zum Ziel gesetzt, diese Schutzinitiative umzusetzen, die von 109 Staaten verabschiedet wurde. Als Nachfolgemechanismus der Nansen-Initiative steht die Plattform seit Juli 2017 bis Dezember 2017  unter der Präsidentschaft von Deutschland. Neue Mitglieder sind Brasilien, die Europäische Union, Frankreich, Fidschi, Madagaskar, Malediven, Marokko und Senegal. Auch der Menschenrechtsrat hat sich in seiner 35 Sitzung im Juni 2017 mit den Zusammenhängen zwischen Klimawandel und Menschenrechten befasst.

Je mehr Dürren es gibt, desto eher sind die wenigen Ressourcen in den stark betroffenen Ländern umkämpft. Oft sind es mehrere Krisen, die Menschen zur Flucht bewegen. Mehr über die Zusammenhänge von Flucht und Klimawandel lesen Sie hier.

8 Was ist die Weltklimakonferenz und das Klimaabkommen?

Dieses Jahr wird die Weltklimakonferenz in Katowice stattfinden, vom 2. bis 15. Dezember. Delegierte aus 197 Nationen werden unter der Präsidentschaft Polens die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens verhandeln. Der Sitz des UN-Klimasekretariats befindet sich in Bonn.

Die Klimakonferenz der Vereinten Nationen (auch Vertragsstaatenkonferenz oder Conference of the Parties = COP) ist das jährlich stattfindende Treffen der inzwischen 197 Mitgliedstaaten der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC). Ihr Ziel ist es, Vereinbarungen und konkrete Strategien zur Begrenzung der Erderwärmung für die Zeit nach 2020 zu treffen. Es geht dieses Jahr vor allem um verlässliche Regeln darüber, wie das Pariser Klimaabkommen umgesetzt werden kann. Verbindliche Leitlinien zur Vergleichbarkeit und Transparenz der nationalen Klimapläne sind hier gefragt. Die Weltöffentlichkeit erwartet einen Plan, der detailliert erläutert, wie die Klimaschutzziele transparent überprüft werden können. Zudem braucht es weitere ambitionierte Einsparungsziele

Rückblick

Die erste Klimakonferenz fand 1995 in Berlin statt. Das Treffen in Paris 2015, als "COP 21" bezeichnet, hat zum Abschluss des Pariser Klimaschutzabkommens geführt.

Das bis dahin einzige völkerrechtlich bindende Abkommen zur Minimierung von klimaschädlichen Treibhausgasen war das Kyoto-Protokoll, dieses läuft 2020 aus. Das Pariser Klimaschutzabkommen, das 2016 in Kraft trat, soll als Nachfolge des Kyoto-Protokolls helfen, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad Celsius, mindestens aber auf 2 Grad Celsius zu begrenzen. Langfristig sollen die Treibhausgas-Emissionen auf Null gesenkt werden. Um das zu erreichen, verpflichten sich die Mitgliedstaaten, ihre nationalen Klimaschutzpläne alle fünf Jahre zu überarbeiten. Dabei dürfen sie ihre Klimaschutzziele nicht verschlechtern. Das Ende 2015 beschlossene und 2016 in Kraft getretene Abkommen von Paris stellt den gemeinsamen Versuch dar, die notwendigen Weichen dafür zu stellen, den Klimawandel einzudämmen und die schon jetzt spürbaren Folgen zu bewältigen.

Das Herzstück des Pariser Klimaabkommens bilden die nationalen Klimabeiträge (auf Englisch: Nationally Determined Contributions - abgekürzt NDCs). In diesen nationalen Klimabeiträgen formulieren die Vertragsstaaten ihre Emissionsminderungs- und Anpassungsziele bis zum Jahr 2030.

Es kommt nun darauf an, dass diese NDCs in konkrete Strategien und eine klimarelevante Praxis überführt und zügig umgesetzt werden. Sonst bleibt der Klimaschutz ein formuliertes Ziel, das auf dem Papier steht, mehr nicht. Die "Übersetzung" der nationalen Klimabeiträge in konkrete Politikansätze, Regelwerke, Staatshaushalte und Investitionspläne bergen viel Stoff für konkurrierende Strategien - da hier Akteure mit unterschiedlichen Interessen auch unterschiedliche Schwerpunkte setzten.

Dieses Jahr wird die Weltklimakonferenz in Katowice stattfinden, vom 2. bis 15. Dezember. Delegierte aus 197 Nationen werden unter der Präsidentschaft Polens die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens verhandeln. Der Sitz des UN-Klimasekretariats befindet sich in Bonn.

9 Was hat der Klimaschutz mit Nachhaltiger Entwicklung zu tun?

Die so genannten Entwicklungsländer sind für ein Drittel des bis 2014 steigenden Energiebedarfs verantwortlich, so der Weltenergieprognose. Zugleich können Millionen von Menschen ihren Grundbedarf an Energie nicht decken.

Am 25. September 2015 wurde auf einem UN-Gipfel in New York die "Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung" verabschiedet. Sie hat die Form eines Weltzukunftsvertrags und enthält 17 Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals - SDG). Die Agenda beinhaltet auch die universelle Grundversorgung der Menschen mit Energie (SDG 7) weltweit in Form eines Zugangs zu modernen Energiedienstleistungen. Dabei soll  der Zugang zu Energieeffizient verdoppelt werden. Gerade, weil immer mehr Menschen in Städten oder urbanen Ballungszentren leben[iii].

Eine global nachhaltige Entwicklung erfordert die Überwindung von Armut und den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Klimaschutz und Armutsbekämpfung bedingen einander wechselseitig, da Klimawandel, Hunger und Armut oft eng zusammenhängen. Dennoch stehen die Ziele der Akteure von Klimaschutz und Armutsbekämpfung nicht immer in Einklang.  Unweigerlich kommen konkurrierende Ansprüche und Interessen ins Spiel.

Diese Konkurrenzen zeigen sich zum Beispiel bei der "Tank oder Teller" Debatte:  Ob auf einer Fläche Nahrungs- und Energiepflanzen angebaut werden, entscheidet nicht immer der Bedarf, sondern der Preis, der jeweils erzielt werden kann. Durch den Anbau von Energiepflanzen wie Palmöl, Zuckerrohr, Raps und Soja, die zu Biodiesel oder Bioethanol verarbeitet werden können, kommt es zum Beispiel in Indonesien oder Brasilien zu Konkurrenzen mit dem Anbau von Nahrungspflanzen. Ein weiteres Problem ist die nicht nachhaltige Landnutzung, die wiederum auf Klimawandel nachteilig wirkt - etwa, wenn Regenwälder erst gerodet werden, um Felder anzulegen. Durch den großflächigen Anbau von Biomasse sind bereits vielfach Menschen vertrieben oder ihrer Existenz entbehrt worden.

Chancengerechtigkeit, Bedarfsgerechtigkeit und Verfahrensgerechtigkeit - diese drei Gerechtigkeitsprinzipien lassen sich aus den Allgemeinen Menschenrechten ableiten und sind  für  die Verknüpfung von Klimaschutz und Armutsbekämpfung essentiell. Dabei hat die Befriedigung fundamentaler menschlicher Bedürfnisse nach ausreichender Nahrung oder sauberem Trinkwasser eine hohe Priorität.

10 Was bedeutet Resilienz? Was ist mit Bewältigungs- und Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel gemeint?

Die Weltgemeinschaft ist gefragt, einerseits die klimaschädlichen Produktionsweisen und Konsummuster sowie die Transport und Verkehrsmittel so zu verändern, dass nicht mehr als  2,5 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente pro Person im Jahr ausgestoßen werden - derzeit liegt der Durchschnitt im Deutschland bei 11 Tonnen[iv]. Andererseits sind dringend Lösungen zu entwickeln, um Betroffenen von klimatischen Schocks wie Dürren, Fluten und Stürmen nicht erst nach einer Katastrophe zu helfen. Vielmehr muss ihre Widerstandsfähigkeit, auch  Resilienz genannt, bereits im Vorfeld gestärkt werden.

Die Vereinten Nationen und die Mitgliedstaaten des Klimaschutzabkommens von Paris haben sich darauf verständigt, die Widerstandsfähigkeit der von Armut Betroffenen gegenüber Krisen zu erhöhen. Eine resiliente Gemeinde ist beispielsweise besser in der Lage, eine Flutkatastrophe zu überstehen, ohne Menschenleben zu beklagen oder das Vieh zu verlieren, ohne an Trinkwassermangel zu leiden oder Epidemien ausgesetzt zu sein. Eine resiliente Gemeinde wäre bei einer Dürreperiode besser in der Lage, diese zu überstehen, ohne hungern zu müssen - bestenfalls würde sich die soziale Lage auch für die Schwächsten in der Gemeinde durch eine Dürre nicht weiter verschlimmern. Experten des Welternährungsprogramms gehen davon aus, dass sich rund die Hälfte der Kosten für humanitäre Hilfe einsparen lassen,  wenn eine Gemeinde oder eine Region gut entwickelte Anpassungs- und Bewältigungsstrategien umsetzen kann.

Menschen haben zu allen Zeiten und überall auf der Welt  versucht,  Risiken der Natur  abzuschätzen und sich möglichst gut auf künftige Widrigkeiten einzustellen. Insofern ist Resilienz  tatsächlich  keine  neue  Erfindung. Allerdings sind individuelle wie auch gemeinschaftliche Krisenbewältigungsstrategien in Gemeinden, die von Armut, vorheriger Vertreibung oder langjähriger gesellschaftlicher Konflikte gelitten haben, stark in Mitleidenschaft gezogen worden oder nicht mehr vorhanden.

Im Sinne einer Daseinsvorsorge ist es umso dringender, Anpassungsmechanismen neu zu entwickeln, zu erproben und auch zu verhandeln - denn nicht alles, was kurzfristig hilft, ist langfristig sinnvoll. Für diesen Prozess brauchen die betroffenen Gemeinden dringend Unterstützung, zumal da arme Gemeinden nach einer Katastrophe oft nicht aus eigener Kraft heraus agieren können.

Mehrere Landwirte beraten sich auf einem kahlen AckerKollegiale Beratung vor der Pflanzsaison mit dem Ziel, eine möglichst klimaintelligente Lösung zu finden.Caritas international

Caritas International integriert in die Katastrophenvorsorge seit vielen Jahren das Prinzip der Stärkung von Resilienz. Die Anlage von hochwasserstabilen Dämmen oder das Pflanzen von Baumarten, die Bodenerosion aufhalten, gehören zu den praktischen Techniken, die gemeinsam mit einer Gemeinde oder den eigens gegründeten Katastrophenvorsorge-Komitees erörtert und umgesetzt werden. Vorgelagert wird in der Regel eine Bestandsaufnahme bestehender Anpassungspraxis. Dann werden gemeinsam neue oder zusätzliche Maßnahmen erörtert, oft auch ein lokal zu verankerndes Frühwarnsystem erarbeitet. Die Gründung von Bauernkooperativen, Wasserschutz-Komitees und die gemeindebasierte Erstellung von Katastrophenschutzplänen dienen der Festigung und Weitergabe von Wissen und von Handlungskompetenzen innerhalb der Gemeinden. Fortbildungen von Kleinbauern zu angepassten Pflanztechniken und klimaresistenteren Sorten helfen, die Ernten produktiver zu gestalten. Die Resilienz einer Gemeinde stärkt oft auch deren Selbstbestimmung und Handlungskompetenz.

 

11 Klimawandel und Landwirtschaft

Die internationalen Entscheidungsprozesse zum Komplex "Klimawandel und Landwirtschaft" befinden sich gerade in einer Phase, in der wichtige Weichenstellungen für die Zukunft vorgenommen werden. Weil die konventionelle Landwirtschaft die Erderwärmung kräftig anheizt und zugleich die Landwirtschaft vom Klimawandel betroffen ist, wurden auf der Konferenz in Paris erste Weichen für eine "klimasmarte" Landwirtschaft gestellt. Smart, also klug und vorausschauend in Bezug auf das Klima soll sie sein.

Bäuerin in einer AgroforstanlageMit Kakaopflanzen werden in Peru Agroforstsysteme aufgebaut. Sie schonen den Boden und sichern die Existenz der kleinbäuerlichen FamilienbetriebeSusanne Reiner

Der Welternährungsorganisation FAO zufolge soll die "klimaintelligente" Landwirtschaft, auch "Climate Smart Agriculture / CSA" genannt, vor allem in Entwicklungsländern umgesetzt werden. Mit ihr wird ein dreifacher Nutzen in Aussicht gestellt: So soll mit CSA die Produktivität gesteigert, die Anpassungsfähigkeit an die Folgen des Klimawandels erhöht und der Ausstoß klimaschädlicher Gase verringert werden. Caritas international kommt bei der Umsetzung in den sozialen Kontexten eine herausragende Rolle zu: Denn nur, wer eine verlässliche Nähe mit starken Partnern vor Ort hat, dort Vertrauen genießt und die sozialen Gemeindestrukturen gut kennt, wird eine lokale Gemeinschaft bei dem Prozess nachhaltig unterstützen können. Fertige und rein technische Ideen aus der Ferne sind oft zu wenig auf die Gemeinde abgestimmt, es geht um einen vertrauensvollen Prozess, der alle Gemeindemitglieder berücksichtigt, auch die Ärmsten und Schwächsten. Die Partner von Caritas international stehen dafür, diesen Prozess wachsen zu lassen, langfristig zu begleiten und mit langem Atem auch bei Rückschlägen an den Erfahrungen aller anzuknüpfen.

 

12 Was tut Deutschland, um die Menschen im Globalen Süden bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen?

Deutschland unterstützt die Menschen im Globalen Süden auf mehreren Wegen. Zum einen werden über das BMZ und das Auswärtige Amt Projekte finanziert, die Menschen darin unterstützen, sich langfristig auf die Klimaveränderungen und die Folgen einzustellen. Auch Caritas international setzt mit seinen Partnern langfristige Projekte um, welche die Fähigkeit und die Strategien von Menschen im ländlichen Raum stärken, mit Hochwasser, Extremregen, Dürren, Stürmen und klimabedingten Ernteausfällen klarzukommen. Zudem werden in akuten Notlagen Hilfen gegeben, um Leben zu retten.

Auch werden Entwicklungsländer auf dem Weg zur Umsetzung ihrer nationalen Klimabeiträge unterstützt. Dafür hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zusammen mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und der Forschungseinrichtung World Resources Institute (WRI) im Jahr 2016 eine globale "NDC-Partnerschaft" gegründet. Ziel dieser Partnerschaft ist es, Klima- und Entwicklungsziele zusammenzuführen. Zugleich sollen Entwicklungsländer mit zwischenstaatlichen und multilateralen Programmen darin unterstütz werden, ihre nationalen Beiträge umzusetzen.   

In Deutschland den Ausstoß an Klimagasen zu reduzieren, das hilft auch dem Globalen Süden. Der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung aus dem Jahr 2016 ist aus der Sicht der Klimaallianz zu wenig ambitioniert. Er sollte ermöglichen, dass die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens eingehalten werden. Benannt sind im Klimaschutzplan zwar konkrete Sektorziele für die wesentlichen Handlungsfelder bis zum Jahr 2030. Daran ausgerichtet hat die Bundesregierung ein Maßnahmenprogramm 2030. Auch soll 2019 ein Klimaschutzgesetz verabschiedet werden.

Im November 2018 hat die Deutsche Klimaallianz, in der auch Caritas international Mitglied ist, ein deutlich stärkeres Maßnahmenprogramm veröffentlicht. Es macht auf Schwächen der deutschen Klimapolitik aufmerksam und macht Vorschläge, um die Klimaziele für Deutschland nicht zu verfehlen. Es wendet sich an die deutsche Klimapolitik mit der Aufforderung "Wann, wenn nicht jetzt?" [ Link zur Borschüre ]. Maßnahmen sind die "Übersetzung" der Klimaziele in konkrete Politikansätze, Regelwerke, Haushalte und Investitionspläne. Die Klimaallianz berücksichtigt dabei auch Bildung, geschlechtergerechtes Leben und Arbeiten und die Bereiche Energie, Transport, Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft.

Ebenfalls im November fordert die Klimaallianz gemeinsam mit dem Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (Venro) die Bundesregierung auf, mehr für den Klimaschutz zu tun und die eigenen Klimaschutzziele zu erhöhen. Das Positionspapier "Deutschland aus dem Klimaabseits holen" hat mit Blick auf die Klimakonferenz im Dezember 2019 in Polen damit ein deutliches Zeichen gesetzt: Es bleibt viel zu tun und die deutschen Klimaschutzziele müssen ambitionierter ausfallen. [ Link zum Positionspapier ]

13 Welchen Beitrag leistet der Deutsche Caritasverband zur Minderung von Klimagasen und für eine klimaverträglichere Lebensweise in Deutschland?

Der Vorstand hat die bundesweite Förderung einer nachhaltigen ökologischen Unternehmenspolitik bei den Diensten und Einrichtungen in seine strategischen Ziele aufgenommen. Im Frühjahr 2017 wurde der Deutsche Caritasverband erstmals nach dem Umweltmanagement-System der Europäischen Union "Eco-Management and Audit Scheme" (EMAS) auditiert, das hohe Standards für eine nachhaltige Unternehmensführung stellt und - anders als andere Umweltmanagementsysteme - großen Wert auf die Beteiligung der Mitarbeitenden legt. Infolge einer Kooperation zwischen dem Deutschen Caritasverband und Grüner Strom Label e.V. konnte beispielsweise ein Ökostrom-Spezialtarif für Mitarbeitende der Caritas mit dem Labelnehmer Polarstern Energie abgeschlossen werden.

Sehr erfolgreich ist auch das Projekt Stromspar-Check in mittlerweile  rund 170 Städten und Gemeinden, das bis 2019 fortgesetzt wird. Mehr als 500.000 Haushalte mit geringem Einkommen haben seit 2008 am Stromspar-Check des Deutschen Caritasverbandes und des Bundesverbandes der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands teilgenommen und so ihre Energiekosten deutlich reduziert. Die gesamte Energieeinsparung summiert sich bisher auf 1.162 Gigawattstunden, die CO2-Einsparung auf über 480.000 Tonnen. Der Stromspar-Check zeigt, dass Maßnahmen zur Energieeffizienz und zum Klimaschutz auch soziale Gewinne mit sich bringen können.

 

Fußnoten

[i] Der Energieverbrauch aus dem Konsum der privaten Haushalte sank in Deutschland seit 2000 mit drei Prozent nur geringfügig. Quelle: Umweltbundesamt Pressemitteilung vom 17.2.2017

[ii] http://edoc.rki.de/oa/articles/re0BdUKX9pUL6/PDF/29ETCuO6ZOtk.pdf

[iii] https://www.iea.org/media/publications/weo/WEO2016Factsheet.pdf

[iv] Der durchschnittliche Fußabdruck eines Deutschen inklusive der Treibhausgase liegt bei etwa 11 Tonnen CO2-eq, der weltweite Durchschnitt von 6,8 Tonnen CO2-eq pro Person und Jahr liegt 4,3 Tonnen über dem Wert, der als "noch verträglich" für das Klima angesehen wird. "CO2-eq" ist ein Maß für Kohlenstoffdioxid-Emissionen und Treibhausgas-Emissionen - gemessen in CO2-Äquivalenten. Sie werden oft in Tonnen pro Jahr angegeben. 

[i] Climate action for the common good Reflecting the principles of Laudato Si’ in our a transformative response to the climate crisis / Draft (Cafod 2017)

Der Blog zur Klimakonferenz

Wir sind mit dabei - bei der UN-Klimakonferenz in Katowice. Auf unserem, Blog berichten wir live von vor Ort über wichtige Klimathemen aus humanitärer Sicht.

Das Klimakonferenz-Tagebuch von Caritas-Mitarbeiterin Martina Backes: