Im Portrait

Caritas Colombo

Boniface Jayasantha

Caritas Colombo

Mein Name ist Boniface Jayasantha. Ich bin 31 Jahre alt und arbeite als Sozialarbeiter bei der Caritas Colombo, die bei uns Caritas Seth Sarana heißt. Pallansena, das Dorf, in dem ich arbeite, liegt rund 30 km nördlich von der Hauptstadt Colombo. Hier in Pallansena hat Caritas Colombo mit Spenden von Caritas international und Caritas Kroatien eine Siedlung für Fischerfamilien errichtet, die beim Tsunami an Weihnachten 2004 ihre Häuser verloren haben.

Als ich vor zwei Jahren angefangen habe, in Pallansena zu arbeiten, habe ich mir erst einmal einen Überblick über die betroffenen Fischerfamilien und die anliegende Nachbarschaft verschafft. Eigentlich bin ich gar kein Sozialarbeiter, sondern habe lange Zeit in einer Bekleidungsfabrik gearbeitet. Über sozialarbeiterische Methoden wusste ich am Anfang sehr wenig. Dafür aber weiß ich sehr genau, wie ich mit den Menschen sprechen musste. Ich bin nämlich auch in dieser Gegend groß geworden und engagiere mich schon sehr lange ehrenamtlich.

Nach den ersten Gesprächen mit den Dorfbewohnern wußte ich sehr schnell, was zu tun ist. Ich habe eine starke Verunsicherung in der Nachbarschaft der neuen Siedlung wahrgenommen. Plötzlich sollten 50 Fischerfamilien in neugebaute Häuser mitten in ihre mittelständische Wohngegend ziehen. Das verursachte den Leuten große Sorgen. Fischer gelten nämlich in Sri Lanka als ungebildet, gewalttätig und äußerst trinkfest. Aber auch die Fischer hatten ihre Ängste: "Was ist das für eine Nachbarschaft, in die wir ziehen sollen?", fragten sie sich. Daraufhin habe ich ein Treffen zwischen Nachbarn und Fischern organisiert. Dort sollte sie Gelegenheit bekommen sich kennenzulernen und sich anzunähern.

Aus dem ersten Treffen ergaben sich viele weitere. Im Laufe der Zeit gelang es mir dann auch, kommunale Behörden, Regierungsbeamte und lokale Wohlfahrtsorganisationen und das ceylonesische Rote Kreuz für die Belange des Dorfes zu gewinnen. Inzwischen gibt es rege Kontakte in der Nachbarschaft. Letzte Woche erst haben sich die Fischer beim Bürgermeister für den Bau einer Brücke stark gemacht. Von einer solchen Brücke kann das ganze Dorf profitieren.

Ein anderes Beispiel ist die Ausbildung einer Gruppe von Fischern im kommunalen Gesundheitsposten. Hier haben die Teilnehmer gelernt, wie man eine Umfrage zur Bekämpfung von Denguefieber erhebt. Denguefieber ist eine Krankheit, die durch Mosquitos übertragen wird. Diese Umfrage wird gerade im ganzen Dorf durch die Ehrenamtlichen durchgeführt - für die Fischer eine weitere, willkommene Gelegenheit, sich im Dorf zu integrieren.

Oktober 2008