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Afrika

Gesundheit, Pflege, Sucht

Mosambik: Gesundheit auf Rädern

Ehrenamtliche "Gesundheitsaktivisten"

Wartende PatientinnenOft warten an einem Vormittag bis zu einhundert Personen vor dem GesundheitszentrumCaritas international

In der Provinz Sofala in Zentralmosambik lebt über die Hälfte der Bevölkerung in Armut. Die Ernährungssituation ist schlecht, ebenso die Gesundheitsversorgung. Diese drei Faktoren verstärken sich gegenseitig, wer arm und hungrig ist, ist oft krank, und wer krank ist, wird schnell arm.

Infektionen und Krankheitsfälle mit dem HIV-Virus sind in Sofala noch häufiger als in anderen Regionen des Landes anzutreffen.  Schätzungen zufolge sind nahezu 15 von hundert Personen unter den Jugendlichen bis 49-Jährigen HIV-positiv. Das sind rund 185.000 Menschen, davon sind knapp 24.000 Kinder. Auch die Rate der Kinder- und Säuglingssterblichkeit ist hoch. 81 Säuglinge von 1.000 Geburten sterben, ein Indiz für die mangelnde Gesundheitsversorgung von schwangeren Frauen. Und 134 von 1.000 Kindern sterben vor dem fünften Lebensjahr.

Ein weiteres Problem in der Region stellt die Verbreitung der Krankheit Tuberkulose dar. Auffällig ist, dass vor allem HIV-Positive mit dem Tuberkulose-Bakterium infiziert sind - etwa 6 von 10 Tuberkulose-Patienten (weltweit sterben ein Viertel aller Aidspatienten an Tuberkulose).

Da der Staat keine ausreichende Gesundheitsversorgung gewährleisten kann, bleiben die betroffenen Menschen zumeist ohne Zugang zu Medikamenten. Hinzu kommt, dass viele Familien - nicht zuletzt aufgrund fehlender finanzieller Mittel - vielfach auf traditionelle medizinische Methoden zurückgreifen. Bei Infektionskrankheiten kann der Zugang zu einem Medikament der modernen Medizin jedoch über Leben und Tod entschieden. Die teils chronische und akute Unterernährung in der Region verschlechtert den Gesundheitszustand oft zusätzlich oder lässt Kranke kaum mehr zu Kräften kommen. Verursacht wird die unsichere Ernährungslage durch wiederkehrende Dürren und steigende Lebensmittelpreise.

Vertrauen schaffen - Krankheiten vorbeugen

Daher hat der Caritas-Partner Esmabama in der Region Estaquinha in der Provinz Sofala seit 2012 mit staatlicher Unterstützung ein Gesundheitszentrum errichtet. Es will die Gesundheitssituation der umliegenden Gemeinden zu verbessern. Ein wichtiger Aspekt der Arbeit sind die Gesundheitsaktivisten, auch "Activistas" genannt: Freiwillige, die selbst aus den umliegenden Gemeinden kommen, bringen die Bewohner/innen mit dem Gesundheitszentrum in Kontakt. Ausgestattet mit Fahrrädern und medizinischem Equipment zur häuslichen Erstversorgung besuchen sie die zum Teil weit entlegenen Gemeinden drei bis vier Mal in der Woche. Mit regelmäßigen Besuchen sensibilisieren sie die Bewohner/innen zu Gesundheitsthemen und leisten zugleich Präventionsarbeit für HIV/ Aids und andere Infektionskrankheiten. Jutta Herzenstiel, Referentin von Caritas international, erläutert: "Die freiwilligen Helfer kommen selber aus den ländlichen Gemeinden im Umkreis der Mission Estaquinha. Die meisten von ihnen arbeiten in ihren Heimatgemeinden und genießen daher großes Vertrauen". Im Gesundheitszentrum Estanquinha schulen Krankenpfleger/innen die Freiwilligen. So lernen sie, die Entstehung und den Verlauf der gängigsten Krankheiten wie zum Beispiel Malaria, Tuberkulose und Cholera zu erkennen und möglichst die Behandlung mit Medikamenten zu begleiten.

FahrräderÜbergabe der Fahrräder an die GesundheitsaktivistenCaritas international

Aktive Vorsorge dank mobiler Gesundheitsaktivisten

2016  wurden zwei weitere Zentren in Barada und Mangunde in das von Caritas international unterstützte Programm aufgenommen. Derzeit besuchen 46 Gesundheitsaktivisten mehrmals pro Woche die Gemeinden im Einzugsgebiet von Barada, Estaquinha und Mangunde. Auf ihrem Plan stehen neben den Hausbesuchen zahlreiche Treffen mit Gruppen und in Schulen. Kleinere Verletzungen und Erkrankungen können die Freiwilligen dank eines Medizinkits, mit dem sie ausgestattet werden, direkt vor Ort behandeln. Ihre Kernaufgabe: Sie sensibilisieren die Bevölkerung für Gesundheitsfragen und sorgen bei Bedarf für deren medizinische Betreuung oder auch einen Transport ins Krankenhaus nach Buzi oder Beira.

In den Gemeinden tätige traditionelle Hebammen begleiten werdende Mütter in das Gesundheitszentrum und stellen so deren gesundheitliche Versorgung sicher.  Dieser integrative Ansatz bringt traditionelle Heiler und Hebammen mit der modernen Medizin so zusammen, dass sich gegenseitig im Sinne der Gesundheit und im Interesse der Patienten und Patientinnen ergänzen. Immer mehr Frauen entbinden inzwischen in der sicheren Umgebung einer Krankenstation statt zu Hause.

Überzeugen und aufklären

Die Schüler und Schülerinnen von drei Missionsschulen erhalten regelmäßig Aufklärungsunterricht zu relevanten Hygiene- und Gesundheitsthemen. HIV / Aids soll in der Schule kein Tabu sein: Aufklärung ist hier die beste Vorsorge - und der einzige Weg, HIV-positive Schüler/innen vor Stigmatisierung zu schützen. "Dass Betroffene in den Familien und Gemeinden inzwischen offen über ihre Krankheit reden, ist auch ein Verdienst der Arbeit der Freiwilligen", bestätigt Herzenstiel. Die "Activistas" sind von allen gerne gesehen.

Sehr bedürftige Familien erhalten zudem von den Projektpartnern einen Essenskorb oder Saatgut, Setzlinge und Hühner. Ziel ist es, dass die Familien sich besser selber versorgen können. Um langfristig die Kost gesünder und vitaminreicher zu gestalten, werden gemeinsam mit den örtlichen Landwirtschaftsschulen 3.000 Obstbäume gepflanzt.

Januar 2017