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Afrika

Situation

Uganda: Flucht vor dem Krieg im Südsudan

Nothilfe für Kriegsflüchtlinge aus dem Südsudan

Beim Bau einer Hütte in AdjumaniDie Flüchtlinge aus dem Südsudan bekommen das Material für den Bau ihrer Unterkünfte in Adjumani zur Verfügung gestellt.Foto: Philipp Spalek

Seitdem im Dezember 2013 ein blutiger Bürgerkrieg im Südsudan ausgebrochen ist, haben sich mehr als 200.000 Südsudanesen über die Grenze nach Uganda geflüchtet. Etwa zwei Drittel der Flüchtlinge, die sich hauptsächlich im Distrikt Adjumani im Nordwesten Ugandas ansiedeln, sind noch minderjährig.

Starthilfen für Neuankömmlinge

Anders als beispielsweise in den Zeltcamps der UN für Vertriebene leben die südsudanesischen Flüchtlinge in Adjumani in selbstgebauten Hütten Seite an Seite mit der einheimischen Bevölkerung. Täglich kommen neue Flüchtlinge über die Grenze, mit Nichts als dem, was sie an und bei sich tragen. Die Mitarbeiter/innen der Caritas Gulu versorgen die Neuankömmlinge zunächst mit dringend benötigten Haushaltsartikeln wie Koch- und Essgeschirr, Decken oder Schlafmatten. Diese wichtigen Starthilfen, die vorrangig an Haushalte mit Alleinerziehenden, Minderjährigen sowie älteren Personen und Menschen mit Behinderung verteilt werden, machen die Menschen in ihrer Not ein klein wenig autarker.

Ein Stück Land für den Eigenanbau

In der neuen Umgebung lernen die Flüchtlinge, die zuvor zumeist von der Viehzucht gelebt haben, ihre Lebensweise umzustellen. Ihre Tiere mussten sie zurücklassen, auch verfügt Adjumani nicht über ausreichende Weideflächen für eine größere Viehhaltung. Die Caritas bietet daher in regelmäßigen Abständen Schulungen mit einheimischen Agronomen an, um die Menschen mit den örtlichen Ackerbaumethoden vertraut zu machen. Auch werden sie in diesem Zuge mit Saatgut, Arbeitsgerät und einem Stück Land ausgestattet.

Caritas Mitarbeiter Ingo Steidl mit Angelo Matang beim Projektbesuch 2016Caritas Mitarbeiter Ingo Steidl mit Angelo Matang beim Projektbesuch 2016Foto: Philipp Spalek

So zum Beispiel Angelo Matang. Er war 2014 mit seiner Familie aus Malakal im Südsudan geflüchtet. In relativ kurzer Zeit ist es ihm gelungen, durch die Ernten von seinem Feld seine Familie unabhängiger von externen Hilfen zu machen und die Schulgebühren für seine Kinder zahlen zu können. Mittlerweile hat er sich mit anderen Schulungsteilnehmenden zur „Mungola Vegetable Grower Association“, also zu einer Art Gemüseanbau-Verein zusammenzuschlossen. Denn gemeinsam können die Mitglieder effektiver wirtschaften und das gelernte Wissen und ihre Erfahrung an andere weitergeben.

Lernen für eine bessere Zukunft – auch für Mädchen

Gerade für die vielen zum Teil schwer traumatisierten Kinder ist es wichtig, möglichst schnell wieder einen einigermaßen geregelten Alltag zu leben. Da es unter den Geflüchteten auch Lehrer/innen gibt, hat die südsudanesische Gemeinschaft relativ früh damit begonnen, provisorisch Unterricht für die Kleinen selbst zu organisieren. Während die Lehreinheiten zu Beginn noch ohne Schulmaterial und unter freiem Himmel stattfanden, hat Caritas zusammen mit anderen Organisationen inzwischen mehrere Schulgebäude errichtet und stattet die Schüler/innen mit Schulmaterial aus.

Rhoda unterstützt die Caritas-Kampagne 'Bring girls back to school'Rhoda lebt seit 2013 in der Flüchtlingssiedlung und unterstützt die Caritas-Kampagne "Bring girls back to school".Foto: Philipp Spalek

Ein besonderes Augenmerk legt sie auf die Mädchen, die gemäß der Tradition ihrer Herkunftsgesellschaft häufig schon als Teenager von der Schule genommen und verheiratet werden. Die Caritas klärt die Mädchen über ihre Rechte auf und sensibilisiert ihre Eltern, um den Schülerinnen den Verbleib in der Schule zu ermöglichen. So auch die 14-jährige Rhoda, die einmal Journalistin werden möchte. Sie hat von der Caritas-Kampagne „Bring girls back to school“ profitiert und ist nun selbst in der Kampagne aktiv. Unter anderem verteilt sie Damenbinden an junge Mädchen – eine gute Gelegenheit, ein intimes Gespräch über Tabuthemen zu führen.

Ausbildung als kleiner Broterwerb

Leider gibt es bis jetzt noch keine weiterführenden Schulen für die Flüchtlinge aus dem Südsudan. Um ihnen dennoch eine Perspektive und die Chance auf einen Zuerwerb in Aussicht zu stellen, bietet die Caritas verschiedene Ausbildungen an.

Margrat unterstüzt mit den Erlösen aus ihren Näherzeugnissen ihre Familie.Margrat unterstüzt mit den Erlösen aus ihren Näherzeugnissen ihre Familie.Foto: Philipp Spalek

So können sich die Jugendlichen der Siedlung als Näher/innen, Friseur/innen, Schreiner/innen, Maurer/innen oder für eine Tätigkeit im Hotel- und Gastronomiegewerbe ausbilden lassen. Die Kurse laufen über mehrere Monate. Die Fähigkeiten, die sich die „Lehrlinge“ hier zu eigen machen, helfen ihnen nicht nur hier in der Flüchtlingssiedlung, ihren Lebensunterhalt – zumindest teilweise – selbständig zu bestreiten. Die Ausbildung ist auch über die Zeit als Flüchtling hinaus eine lohnende Investition in die Zukunft. Da es unter den Einheimischen in der eher strukturschwachen Region durchaus Bedürftige gibt, macht die Caritas diese Angebote zu etwa einem Drittel auch ugandischen Gemeindemitgliedern zugänglich.

Integration durch Friedensarbeit

Dass die Caritas die lokale Bevölkerung in ihre Planungen mit einbezieht, dient auch dem Erhalt des Friedens zwischen den gastgebenden Gemeinden und den Flüchtlingen aus dem Südsudan. Überwiegend erfahren die südsudanesischen Nachbarn in Uganda große Solidarität.

Martina lebt seit Geburt in Mungola. Als Sprecherin des Friedenskomitees ist sie häufig als Mittlerin zwischen den Einheimischen und den Flüchtlingen aktiv.Martina lebt seit Geburt in Mungola. Als Sprecherin des Friedenskomitees ist sie häufig als Mittlerin zwischen den Einheimischen und den Flüchtlingen aktiv.Foto: Philipp Spalek

Dennoch ist das Zusammenleben mit den neuen Bewohner/innen vor herausfordernde Probleme gestellt. Allein die unterschiedlichen Sprachen erschweren oft einen konstruktiven Austausch. Zudem konkurrieren die Familien um knappe Ressourcen wie Wasser und Brennholz. Um Konflikten vorzubeugen und gemeinsam Lösungen zu suchen, hat die Caritas die Bildung so genannter „Friedenskomitees“ unterstützt: Vertreter/innen der einheimischen Bevölkerung, der Flüchtlinge und der von früheren Flüchtlingsgenerationen organisieren zum Beispiel kulturelle Aktivitäten. So wird der Kontakt untereinander gestärkt und Nachbarschaft ganz praktisch gelebt. Die Zukunft gemeinsam gestalten, trotz widriger Umstände, ist eine starke Erfahrung, die den Flüchtlingen niemand mehr nehmen kann – ganz gleich, ob sie bleiben oder vielleicht in ein paar Jahren in ihre Heimat zurückkehren wollen.

Mai 2016