Im Porträt

Caritas Georgien

Nazibola Inadze

Nazibola  Inadze, Leiterin im Jugendprojekt Caritas Georgien

Ich bin unter sehr schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen. Meine Eltern waren vom frühen Morgen bis in die späte Nacht immer auf der Suche nach Gelegenheitsjobs, um den Lebensunterhalt für unsere Familie zu bestreiten. Ich habe meine ganze Kindheit mit anderen aus meiner Clique auf der Straße verbracht.

Ohne das Tageszentrum der Caritas Georgien für Straßenkinder und andere benachteiligte Kinder wäre mein Leben wohl komplett anders verlaufen. Nachbarn von uns hatten mich schließlich mit den Sozialarbeiter/innen der Caritas - Jugendarbeit in Kontakt gebracht. In dem Caritaszentrum fand ich all die Wärme und Zuneigung, die ein Kind braucht, und die prägend für meine Entwicklung war. Ich wollte etwas lernen. Durch die Unterstützung der Mitarbeiter/innen gelang es mir, die Schule abzuschließen und Pläne zu schmieden: Ich wollte Lehrerin werden.  Also studierte ich - habe aber gleichzeitig in verschiedenen Caritasprojekten als Freiwillige mitgeholfen.

2002 schließlich bekam ich von der Caritas Georgien in der Jugendarbeit eine Stelle als Lehrerin angeboten. Meine Kollegen sagen von mir, dass ich mit meinen eigenen Erfahrungen eine ganz besondere Nähe und Verantwortung den Kindern gegenüber zeige. Seit 2009 leitete ich eine der Wohngruppen für Kinder, die aus den Jugendheimen kommen. In einer Wohngruppe (einem der sogenannten Small-Group-Houses) leben zehn Kinder mit uns Erziehern zusammen. Inzwischen bin ich Koordinatorin des 'Youth House-Aftercare" Projektes. Hier werden Jugendliche über 18 Jahre betreut, die noch nicht so gefestigt sind, dass sie bereits ganz auf eigenen Beinen stehen können.

Ich glaube, mein Lebensweg ist ein Vorbild - für die Kinder im Wohnprojekt ebenso wie für die Jugendlichen. Ich möchte dazu ein Beispiel erzählen: 2012 hatten vier Kinder aus der Wohngruppe das Alter erreicht, in dem sie das Haus verlassen, um eigenständig leben zu können. Alle vier hatten das Selbstbewusstsein, sich als wertvollen Teil der Gesellschaft zu fühlen. Zwei von ihnen arbeiten nun selbst in dem Projekt mit, um nun ihrerseits als Freiwillige anderen benachteiligten Kindern zu helfen.

Ich hoffe, dass meine Arbeit und die gemeinsamen Bemühungen im Team, so vielen Kindern und Jugendlichen wie möglich eine bessere Zukunft ermöglicht. Und ich wünsche mir, dass sich ihnen eine echte Chance im Leben bietet. So wie es Dank der Caritas für mich der Fall gewesen ist.

August 2016