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Europa

Flucht und Migration

Türkei: Rechtsberatung und Nothilfe für Flüchtlinge

2 Kinder Kinder in der Türkei in NotlagenCaritas internation

Nicht erst seit dem EU-Türkei Abkommen schaut die internationale Gemeinschaft ganz genau auf das Nachbarland im Norden Syriens, das seit dem Beginn des Krieges in 2011 nach UN-Angaben über 2,7 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen hat. Auch eine steigende Anzahl von Flüchtlingen aus dem Irak und Afghanistan suchen in der Türkei Schutz. Nur rund 10% der Flüchtlinge leben in offiziellen Flüchtlingslagern an der syrischen Grenze. Die Übrigen müssen sich größtenteils alleine und ohne Unterstützung durchschlagen.

Der Überlebenskampf geht weiter

Für die syrischen Flüchtlinge, die über die Grenze in die Türkei fliehen konnten, hört der Überlebenskampf in der Regel nicht auf. Zwar müssen sie sich nicht mehr vor Luftangriffen fürchten, doch die Mehrheit der Menschen lebt weiterhin unter prekären Verhältnissen. Besonders schwerwiegend ist neben der unzureichenden Grundversorgung, die Diskriminierung der Flüchtlinge auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt. So sind Männer, Frauen, aber auch Kinder gezwungen meist illegal und häufig unter ausbeuterischen Bedingungen zu arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Von den rund 400.000 syrischen Flüchtlingen in Istanbul können sich nur wenige eine angemessene Wohnung leisten. Oft teilen sich mehrere Familien eine kleine Wohnung ohne heißes Wasser oder Strom.

Keine ausreichende medizinische Versorgung

Auch die medizinische Versorgung ist ein großes Problem. Zwar haben registrierte Flüchtlinge Anspruch auf medizinische Behandlung, jedoch werden nicht alle Kosten übernommen. Menschen mit akuten oder chronischen Krankheiten sehen sich vor große finanzielle Probleme gestellt. Zudem fehlt es in der Türkei an Integrationsangeboten für Flüchtlinge. Trotz einem Recht auf Schulbesuch, geht nur ein Bruchteil syrischer Flüchtlingskinder zur Schule. Sprachbarrieren, die Kosten für einen Besuch sowie eine häufige Diskriminierung durch die Schulen selbst sind Gründe dafür. Auch das Angebot von Sprachkursen ist sehr begrenzt. Viele Flüchtlinge leben deshalb isoliert und ohne eine Zukunftsperspektive.

Verschärfte Grenzkontrollen

Insgesamt wagten von Januar bis Juli 2016 über 159 000 Menschen die gefährliche Überfahrt mit dem Boot aus der Türkei nach Europa. Über 3000 Personen verloren im gleichen Zeitraum, bei dem Versuch über das Mittelmeer nach Griechenland und Italien zu gelangen, ihr Leben. Nach dem Inkrafttreten des EU-Türkei Abkommens im März 2016 hat sich die Anzahl der Flüchtlinge, die über die Ägais nach Griechenland kommen, jedoch merklich veringert. Waren es nach UN-Angaben im März noch 26 971, ging die Zahl im April auf 3650 Neuankömmlinge zurück. Die Mehrzahl der Flüchtlinge stammt aus Syrien, gefolgt von Afghanistan und Irak.

Doch sowohl die politischen Ereignisse innerhalb der Türkei als auch die Umsetzung und Auswirkungen des umstrittenen EU-Türkei Abkommens erschweren die Situation für Flüchtlinge im Land weiter. Die Vereinbarung sah nicht nur vor, dass die EU die Türkei mit 3 Milliarden Euro für die Versorgung syrischer Flüchtlinge unterstützt, sondern auch, dass die Türkei jene Flüchtlinge zurücknimmt, die illegal über die Ägäis übersetzen. Im Gegenzug verpflichtete sich die EU für jeden zurückgewiesenen Syrer einen anderen Syrer über legale Kontingente in der EU aufzunehmen. Medienberichten zufolge hat die EU bis Juli 2016 jedoch lediglich 798 von ursprünglich bis zu 18.000 erwarteten Flüchtlingen aus der Türkei aufgenommen.

Caritas-Zentrum für Flüchtlinge in Istanbul

In Zeiten politischer Umwälzungen und Unsicherheiten sowie vermehrter Anschlägen im ganzen Land, verschlechtert sich die Lage für schutzsuchende Menschen in der Türkei deshalb weiter. Es fehlt an Rechtssicherheit, Zukunftsperspektiven und schlicht an einer menschenwürdigen Grundversorgung. Vor allem in Istanbul sind die Lebensumstände besonders prekär und die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt groß. Genau hier setzt die Arbeit der Caritas Türkei an. In einem Zentrum für Flüchtlinge und Migranten erhalten besonders bedürftige Menschen Unterstützung in Form von Gutscheinen für Nahrungsmittel und Hygieneartikel, Kostenübernahmen für medizinische Behandlungen sowie Mietbeihilfen. Die Flüchtlinge werden außerdem über ihre Rechte aufgeklärt und von Sozialarbeitern begleitet. Um der sozialen Isolation entgegenzuwirken wurde eine Frauengruppe gegründet, in deren Rahmen Freizeitaktivitäten für Mütter und Kinder angeboten werden.

Juli 2016