Im Portrait

Caritas Haiti

Marie Gabrielle Pierre

Caritas Haiti

Sie ist eine unübersehbare Gestalt an der Caritas-Gesundheitsstation in Léogâne - die groß gewachsene, schlanke Marie Gabrielle Pierre, von Beruf Krankenschwester. Zusammen mit drei Ärzten, einer Krankenschwesterkollegin, zwei Dutzend Gesundheitspromotoren und vielen freiwilligen Helfern ist sie eine feste Größe im Caritas-Gesundheitsteam. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet die gebürtige Léogânerin in ihrem Beruf.

Wie bei Hunderttausenden anderen Haitianerinnen und Haitianern, hat das Erdbeben am 12. Januar 2010 das Leben Marie Gabrielles und ihrer Familie geprägt. "Der Erdstoß an jenem Dienstag um 16:53 Uhr erwischte mich, meinen Mann und meinen Sohn glücklicherweise zu Hause. Wir hatten, Gott sei Dank, nur materielle Schäden zu beklagen. Niemand aus der Familie wurde getötet oder verletzt", sagt die Mutter eines 12-jährigen Jungen.

Seit der Katastrophe lebt sie mit Kind und Kegel bei Geschwistern unweit der Gesundheitsstation - denn das Haus der Krankenschwester ist bei dem Beben in sich zusammengestürzt. Umso bewundernswerter ist das Engagement und der Enthusiasmus, mit dem sich Marie Gabrielle ihrer täglichen Arbeit widmet.

Jeden Morgen um 8:00 Uhr nimmt Marie Gabrielle ihre Arbeit auf. In seltenen Fällen, etwa bei Aufklärungskampagnen wie nach dem Ausbruch der Cholera, auch samstags. Bis zu 40 Patienten pro Tag - 200 in der Woche - behandelt sie kostenlos mit ihren Kolleg/innen der Caritas-Gesundheitsstation.

Am häufigsten sind es die typischen Erkrankungen wie Grippe, Fieber, Durchfall oder auch Hautkrankheiten aufgrund der schlechten hygienischen Verhältnisse in den Lagern. Hunderte Familien leben in Léogâne auch ein Jahr nach dem Beben immer noch in provisorischen Notcamps.

"Ich bin stolz auf den Beitrag, den wir hier für die Bevölkerung Léogânes leisten: Vorbeugung, Gesundheitsaufklärung und natürlich die Behandlungen", sagt die Krankenschwester. Und ergänzt fast schüchtern: "Bei Gesundheit ist alles wichtig. Und dieses Projekt hat für die Bevölkerung Großes geleistet und wird es weiterhin tun."

In der Station werden in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium Haitis Kinder regelmäßig gegen Tetanus und Polio geimpft. Das Caritas-Gesundheitszentrum ist nicht nur für die Bevölkerung aus Léogâne Anlaufstelle. Patienten aus den jeweils 40 und 50 Kilometer westlich von Léogâne entfernten Orten Petit Goâves und Miragoâne scheuen den weiten Weg an Léogânes 'Rue Ça Ira' nicht - dort kümmert sich um sie: Die große schlanke und vor allem freundliche Marie Gabrielle Pierre.

September 2012