Im Porträt

Caritas Bolivien

Paul Cardenas

Paul Cardenas

Seine Verbindung zu den Gemeinden im nordbolivianischen Distrikt Pando könnte fast nicht enger sein. Paul Cardenas liebt es, in die abgelegenen Dörfer am Rande des Amazonas zu fahren - den Regenwald zu riechen, zu atmen, zu spüren. Wo auch immer er auf den nur wenig befahrenen Pisten auf Menschen trifft, wandert seine Hand auf die Hupe. Sein breites Grinsen wird stets erwidert, ein kurzer Plausch ist jedes Mal obligatorisch.

"Ich liebe diese Arbeit. Ein reiner Schreibtischjob wäre nichts für mich. Es ist schön, auch mal aus dem Büro rauszukommen. Natürlich gehört das Organisieren der Projekte im Büro mit dazu. Aber noch lieber bin ich im Feld", sagt der 32-Jährige. Doch damit nicht genug. Cardenas hat sein Herz auch an eine Bewohnerin eines der von der Caritas betreuten Dörfer verloren. Noch wohnt er mit ihr die meiste Zeit in der Provinzhauptstadt Cobija. "Ich denke aber schon lange darüber nach, mit ihr wieder aufs Land zu ziehen", sagt er - und grinst.

Schon seit sechs Jahren ist der studierte Agrarforstwirt bei der Caritas Pando. "Eigentlich wollte ich nur zwei Jahre bleiben", sagt er. Denn länger war die Dauer des ersten Projekts zunächst nicht angelegt. Doch die Unterstützung wurde verlängert, und Cardenas blieb.

Cardenas ist Camba, ein stolzer Bewohner der Provinzen Nordboliviens. Für Außenstehende macht sich das vor allem in seinem Akzent bemerkbar: Sein Spanisch kommt etwas genuschelter daher als das der Menschen in den anderen Landesteilen, sein Singsang ähnelt schon sehr dem der Brasilianer, mit denen sich die Menschen in Pando eine Grenze teilen.

Neben Cardenas gibt es noch zwei weitere Mitarbeiter, die als Techniker in dem Projekt der Caritas Pando mitarbeiten. Sie beraten Gemeinden, wie sie auf Brandrodung verzichten können, wie sie Pflanzen im Dickicht des Waldes anpflanzen können und ihre Ernährungssituation - und vor allem die ihrer Kinder - verbessern können. Wo sich dieses von Caritas international unterstützte Projekt schon etabliert hat, werden die Tipps der Techniker wohl geschätzt: "Es ist wie ein Supermarkt ohne Preise", sagt einer der Teilnehmer. Egal ob Ananas, Paprika, Wassermelonen, Yukka, Bananen oder Gurken: "Du musst nur in die Parzelle gehen und kannst dir nehmen, was du willst."

Dezember 2015