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Naher Osten

Krisen und Konflikte

Irak: Hilfe für die Opfer des Konflikts

Irak: Hilfe für die Vertriebenen

Seit der Offensive des sogenannten Islamischen Staates (IS) im Jahr 2014 kämpfen viele der über drei Millionen vertriebenen Iraker ums Überleben. Sie mussten oft völlig unerwartet und nur mit dem nötigsten Hab und Gut vor den Kämpfern des IS fliehen. Die Mitarbeiter der Caritas Irak, von denen viele selbst vor dem IS fliehen mussten, setzen sich trotz schwerster Arbeitsbedingungen unermüdlich für die Menschen in Not ein.Die Caritas Irak leistet bereits seit 20 Jahren Hilfe im Land, genießt großes Vertrauen in der Bevölkerung und verfügt über die notwendigen Strukturen für die so dringend benötigte Nothilfe.

Eroberungen wie Rückeroberungen zwingen Menschen zur Flucht

Holzkreuze auf einem Hügel im irakischen DorfViele Regionen des Iraks befinden sich seit 2003 in einem Zustand ständiger Gewalt. Über drei Millionen Menschen wurden durch den Terror des IS vertrieben - doch auch die Rückeroberungen durch die irakische Armee zwingen die Menschen zur Flucht.Foto: Philipp Spalek / Caritas international

Seit Juni 2014 verbreiten die Kämpfer des sogenannten Islamischen Staates im Norden und Westen des Irak erbarmungslos Terror und Gewalt. Doch auch die Rückeroberung der vom IS besetzten Gebiete zwingt die Menschen zur Flucht - beispielsweise in Falludscha oder Mossul. In beiden Städten leisten unsere Partner Hilfe für die Zivilisten. So wurden in Mossul 5.000 "Überlebenspakete" an die hungernden Menschen verteilt. Caritas international hat ihren lokalen Partnern im Großraum Mossul 500.000 EUR bereitgestellt. Weitere Projektstandorte im Norden des Landes befinden sich in den Städten Zakho, Erbil, Sulaymaniyah, Dohuk und Alqosh, wo im Sommer 2014 nach den Kämpfen um Mossul Hunderttausende Vertriebene Zuflucht gefunden hatten.

Auch in der Region Falludscha leisten die Caritas und ihre Partner Hilfe. Infolge der Rückeroberung der zentralirakischen Stadt sind rund 85.000 Menschen vor den Kämpfen in Richtung Bagdad geflohen. Weil die Regierung sie nicht in die Hauptstadt lässt, harren sie in Flüchtlingslagern zwischen den beiden Städten aus. Dort fehlt es selbst an der notwendigsten Versorgung. Zusammen mit der Caritas Irak hilft Caritas international rund 2.600 Familien in sieben Lagern. Um ihre Situation zu verbessern, versorgt sie die Caritas mit Lebensmitteln, Haushaltswaren und Isoliermaterialien, um ihre Zelte besser vor der Witterung zu schützen. Für Geflüchtete in der Nachbarstadt Abu Gharib sowie aufnehmende Familien wird auch Bargeld für individuelle Bedürfnisse verteilt.

Psycho-soziale Hilfe für Mütter und Kinder

Lachende KinderDie Geschwister, Fahad, 6 und Rahaf, 4 im Garten der Familie. Die Caritas unterstützt 1.500 Kinder im Großraum Zakho mit psychosozialen Angeboten.Foto: Philipp Spalek / Caritas international

Doch nicht nur die Grundversorgung der Menschen spielt eine wichtige Rolle. Im Großraum Zakho erhalten über 900 Mütter und 1.500 Kinder Unterstützung durch psychosoziale Angebote. Bildungs- und Freizeitaktivitäten, Beratungen zu Themen wie Hygiene, Ernährung, Gesundheit und dem Umgang mit Gewalt sollen den Menschen dabei helfen, besser mit dem Erlebten und ihrer aktuellen Lebenssituation umzugehen. Auch Traumabewältigung, Kinderrechte sowie Fragen der Erziehung und des Familienlebens werden thematisiert. Die Angebote werden von Sozialarbeitern in Kooperation mit geschulten Freiwilligen durchgeführt. Besonders Kinder leiden unter der dramatischen humanitären Situation im Land und drohen als verlorene Generation heranzuwachsen. Deshalb unterstützt die Caritas Irak Schulbesuche für über 900 Kinder, damit ihnen eine Perspektive für ein Leben nach dem Krieg eröffnet werden kann.

Unterstützung für Christen, Jesiden, Schiiten und Sunniten

Irak: ZahkoDer 49-jährige Tammo L. ist Jeside. Er floh mit seiner Familie aus dem Sinjar Gebirge nach Zahko, wo er Unterstützung von der Caritas Irak erhält. Foto: Caritas international

Caritas ist in der Lage, in unterschiedlichen Landesteilen Zugang zu Vertriebenen aller Glaubensrichtungen zu erhalten. Keine religiöse Gruppe ist vor dem Terror des IS sicher - seien es Christen, Jesiden, Schiiten, aber auch Sunniten. Die Caritas leistet Hilfe unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit, der Religion, Nationalität oder Weltanschauung.

Die letzten Jahre haben bestehende Brüche zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Irak deutlich vergrößert und neue Konfliktlinien aufgerissen. Nach der vollständigen Befreiung Mossuls vom IS steht der Irak vor der großen Herausforderung, das verloren gegangene Vertrauen zwischen diesen Gruppen wieder aufzubauen. Nur so wird ein friedliches Miteinander der Vielzahl an Gruppierungen im Irak möglich sein. Hierbei wird die Caritas Irak ihre große Erfahrung im Bereich der Friedensarbeit einfließen lassen.

 

Oktober 2017