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Naher Osten

Krisen und Konflikte

Irak: Hilfe für die Opfer des Konflikts

Irak: Hilfe für die Vertriebenen

Ein Kind steht mit Puppe vor einer BehelfsunterkunftDie meisten der Flüchtlinge besitzen nur noch das NötigsteThomas Hoerz / Caritas international

Mehr als zwei Jahre nach der Offensive des sogenannten Islamischen Staates (IS) kämpfen viele der über 3 Millionen vertriebenen Iraker ums Überleben. Sie mussten oft völlig unerwartet und nur mit dem Nötigsten Hab und Gut vor den Kämpfern des IS fliehen. Viele Familien können ihren Lebensunterhalt schon lange nicht mehr bestreiten. Besonders Kinder sowie alte und kranke Menschen sind besonders schutzbedürftig. Mit der Langwierigkeit und der Verschärfung des Konfliktes haben sich auch die Anforderungen an die humanitären Hilfe verändert. Die Stabilisierung der Lebensbedingungen der Menschen durch vielfältige und flexible Projekte steht dabei im Fokus. Die Mitarbeiter der Caritas Irak, von denen viele selbst vor dem IS fliehen mussten, setzen sich trotz schwerster Arbeitsbedingungen unermüdlich für die Menschen in Not ein. Die Caritas Irak leistet bereits seit 20 Jahren ohne Unterbrechung Hilfe im Land, genießt großes Vertrauen in der Bevölkerung und verfügt über die notwendigen Strukturen für die so dringend benötigte Nothilfe.

Nothilfe nach der Rückeroberung von Falludscha

Infolge der Rückeroberung der zentralirakischen Stadt Falludscha sind rund 85 000 Menschen vor den Kämpfen in Richtung Bagdad geflohen. Weil die Regierung sie nicht in die Hauptstadt lässt, harren sie in Flüchtlingslagern zwischen den beiden Städten aus. Dort fehlt es selbst an der notwendigsten Versorgung, weil viele Hilfsorganisationen keine Zugang zu den Lagern haben. Zusammen mit der Caritas Irak helfen wir rund 1000 Familien in fünf Lagern. Um ihre Situation zu verbessern, versorgen wir sie mit Lebensmitteln, Wasser, Zelten und dringend benötigten Gegenständen wie Hygieneartikeln und Matratzen.

Hilfe für Vertriebene in Zakho

In der Region Zakho im Nordirak helfen wir gemeinsam mit der Caritas Irak und unterstützt vom Auswärtigen Amt über 1000 Familien, die aufgrund des Vormarsches des IS aus ihrer Heimat flüchten mussten. Auch besonders bedürftige lokale Familien werden unterstützt. Mit der Verteilung von Bargeldhilfen wird den Menschen ermöglicht ihre Grundbedürfnisse an Nahrung, Hygiene-Mitteln und Haushaltswaren eigenständig zu decken. Die weiterhin funktionierenden Märkte in Kurdistan ermöglichen den Vertriebenen einen individuellen Einkauf gemäß ihrer Bedürfnisse und geben ihnen so ein gewisses Maß an Selbstbestimmung und Würde in der schwierigen Situation zurück.

Psycho-soziale Hilfe für Mütter und Kinder

Ein Mädchen vor einem Sack mit Hilfsgütern der CaritasDie Caritas versorgt die Flüchtlinge mit Überlebens wichtigen HilfsgüternThomas Hoerz / Caritas international

Doch nicht nur die Grundversorgung der Menschen spielt eine wichtige Rolle. Bis zu 600 Mütter und 1.000 Kinder erhalten Unterstützung durch psychosoziale Angeboten. Bildungs- und Freizeitaktivitäten,   Beratungen zu Themen wie Hygiene, Ernährung, Gesundheit und dem Umgang mit Gewalt sollen den Menschen helfen besser mit dem Erlebten und ihrer aktuellen Lebenssituation umzugehen. Auch Traumabewältigung, Kinderrechte sowie Fragen der Erziehung und des Familienlebens werden thematisiert. Die Angebote werden von Sozialarbeitern in Kooperation mit geschulten Freiwilligen durchgeführt. Besonders Kinder leiden unter der dramatischen humanitären Situation im Land und drohen als verlorene Generation heranzuwachsen. Deshalb unterstützt die Caritas Irak Schulbesuche für 500 Kinder, damit ihnen eine Perspektive für ein Leben nach dem Krieg eröffnet werden kann.

Christen, Jesiden und Schiiten aus Mosul und der Niniveh-Ebene

Es gibt nur wenige Hilfsorganisationen, die wie Caritas in der Lage sind, in unterschiedlichen Landesteilen Zugang zu Vertriebenen aller Glaubensrichtungen zu erhalten. Keine religiöse Gruppe ist vor dem Terror des IS sicher - seien es Christen, Jesiden, Schiiten, aber auch Sunniten. Die Caritas leistet Hilfe unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit, der Religion, Nationalität oder Weltanschauung. Aufgrund der religiösen Radikalisierung der IS Milizen handelt es sich bei den Vertriebenen allerdings vor allem um Christen, Jesiden und Schiiten aus dem Gebiet um die Stadt Mossul und die Städte der Niniveh-Ebene. Diese drei Gruppen sind allein aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit im Einflussbereich der IS akut von Gewalt, Enteignung und Tod bedroht. Auch gemäßigte Sunniten fürchten die fanatischen IS Kämpfer. Denn die selbsternannten sunnitischen Dschihadisten führen keinen Krieg gegen eine Armee. Immer wieder gibt es Gewaltexzesse gegen Zivilisten. Betroffene berichten von Vergewaltigungen, Folter, Versklavungen und brutalen Hinrichtungen.

Caritas international ruft dringend zu Spenden für die irakischen Flüchtlinge auf!

Juli 2016