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Naher Osten

Krisen und Konflikte

Irak: Hilfe für die Opfer des Konflikts

Irak: Hilfe für die Vertriebenen

Mehr als eineinhalb Jahre ist es jetzt her, dass die Truppen der Terrormiliz IS in den Westen und Norden des Irak vorgerückt sind und Hunderttausende Menschen zur Flucht gezwungen haben. Im August 2014 drangen die Dschihadisten mit ungeahnter Brutalität im Norden des Irak vor. Insgesamt über drei Millionen Menschen im Irak gelten nach Zahlen aus dem Juni 2015 als Vertriebene im eigenen Land. Nicht eingerechnet sind diejenigen, die über die Grenze in andere Länder - etwa die Türkei - geflohen sind.

Ein Kind steht mit Puppe vor einer BehelfsunterkunftDie meisten der Flüchtlinge besitzen nur noch das NötigsteThomas Hoerz / Caritas international

Die aus ihrer Heimat Vertriebenen sind vor allem Christen, Jesiden und Schiiten aus dem Gebiet um die Stadt Mossul und die Städte der Niniveh-Ebene. Auch gemäßigte Sunniten fürchten die fanatischen Milizionäre. Denn die selbsternannten Dschihadisten des IS führen keinen Krieg gegen eine Armee. Immer wieder gibt es Gewaltexzesse gegen Zivilisten. Betroffene berichten von Vergewaltigungen, Folter, Versklavungen und brutalen Hinrichtungen.

Während ein militärischer Sieg über den IS in weiter Ferne scheint, zeigen die Nothilfemaßnahmen für die Vertriebenen Wirkung. "Es gibt eigentlich keine Familie mehr, die im Freien schlafen muss", sagt Erzdiakon Emanuel Youkhana. Er ist der Leiter von CAPNI, einer Partnerorganisation von Caritas international, die vor allem im Norden des Landes aktiv ist. Trotzdem reichten die Hilfsmaßnahmen der Nichtregierungsorganisationen und der Vereinten Nationen hinten und vorne nicht.

Winternothilfe

Vor allem im Winter sind die Menschen auf zusätzliche Hilfe angewiesen. Denn viele der Vertriebenen, die oftmals in improvisierten Unterkünften hausen, sind dem harschen Klima nahezu schutzlos ausgeliefert. Deshalb unterstützt Caritas international mit Hilfe des Auswärtigen Amtes bedürftige Menschen. Unsere Partnerorganisation im Irak verteilen in der kalten Jahreszeit zusätzliche Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln, Decken, Bettwäsche und Kerosinöfen. Oft fehlt es gerade an Öfen und Kerosin, das dringend zum Kochen und Heizen benötigt wird. Um den Winter zu überstehen müssen viele Menschen jeglichen Besitz, der ihnen noch geblieben ist, verkaufen oder Kredite aufnehmen.

Sozialzentren der Caritas bieten Schutz und Hilfe

Die Caritas Irak und CAPNI begleiten und unterstützen seit vielen Jahren in ihren Gesundheitsstationen Opfer der andauernden Konflikte und Krisen im Irak. Die Zentren, die Caritas in eigener Regie oder in Zusammenarbeit mit dem Roten Halbmond betreibt, sind über das Land verteilt: sechs davon in Bagdad und ein Zentrum in der weiter nördlich liegenden Stadt Kirkuk. Zusätzlich befanden sich bis Mitte 2014 auch in Alquosh, Qaraquosh und in Bartillah Zentren der Caritas (Siehe Karte und Bildergalerie unterhalb des Textes). Dort versorgten die Mitarbeiter/innen Flüchtlinge aus Mossul und anderen bereits von IS eroberten Gebieten. Bis zu jenem Tag, an dem die islamistischen Truppen auch hier Angst und Schrecken verbreiteten.

Ein Mann trägt einen Karton mit Hilfsgütern der CaritasWillkommene Unterstützung: Ein Flüchtling freut sich über die HilfeThomas Hoerz / Caritas international

Die Flüchtlinge, die in den Caritas-Zentren versorgt wurden, mussten ebenso wie auch die Mitarbeiter selbst Hals über Kopf fliehen. Einige der Flüchtlinge suchten in der kurdischen Hauptstadt Erbil Schutz, die Mehrzahl machte sich auf den Weg nach Dohuk, einige flohen in die Provinz Sulaymaniya. 

Die Mitarbeitenden der Caritas selbst und die Freiwilligen haben sofort in den kurdischen Städten Erbil, Dohuk und Zakho alle Kontakte mobilisiert, um weiterarbeiten zu können. Es gelang ihnen, in den kirchlichen Einrichtungen Unterkünfte für die Flüchtlinge zu schaffen und Hilfsgüterverteilungen mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Medikamenten, Decken und anderen Überlebens wichtigen Gütern zu organisieren.

Die irakische Caritas hat bereits mehr als 80.000 Flüchtlinge aller Glaubensrichtungen mit Medikamenten, Lebensmitteln, Trinkwasser, Hygieneartikeln, Matratzen, Decken, Unterkünften und Bargeldversorgt. Caritas kann dabei auf hunderte freiwillige Helfer in den Kirchengemeinden und deren exzellente Ortskenntnisse zurückgreifen. 

Hilfen der Caritas erreichen auch jesidische und schiitische Flüchtlinge

Es gibt nur wenige Hilfsorganisationen, die wie Caritas in der Lage sind, in unterschiedlichen Landesteilen Zugang zu Flüchtlingen aller Glaubensrichtungen zu erhalten. Keine religiöse Gruppe ist vor dem Terror des IS sicher - seien es Christen, Jesiden, Schiiten, aber auch liberal denkende Sunniten. 

Die Caritas, die bereits seit 20 Jahren ohne Unterbrechung im Irak Hilfen leistet, genießt großes Vertrauen in der Bevölkerung und verfügt über die notwendigen Strukturen für die Nothilfe.

Die Caritas leistet Hilfe unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit, der Religion, Nationalität oder Weltanschauung. So sind unter den Tausenden Flüchtlingen, die auf die Unterstützung der Caritas bauen, unter anderem auch viele der jesidischen Verfolgten. Mehrere Zehntausend der unter Morddrohungen ins Sinjar-Gebirge geflohenen Jesiden konnten nach dem Eingreifen kurdischer Kämpfer und der USA aus dem belagerten Gebiet entkommen.

In der autonomen Region Kurdistan finden mehr als eine Million intern Vertriebener Zuflucht, die nach den Angriffen der Dschihadisten ihre Heimat verlassen mussten. Zudem sind noch rund 230.000 syrische Flüchtlinge vor den Kriegswirren in ihrem Land nach Kurdistan geflohen. Caritas international unterhält gemeinsam mit der irakischen Hilfsorganisation CAPNI in der Grenzregion Nordirak und Nordostsyrien Projekte für die syrischen Flüchtlinge und die Gemeinden, die sie aufgenommen haben. 

Ein Mädchen vor einem Sack mit Hilfsgütern der CaritasDie Caritas versorgt die Flüchtlinge mit Überlebens wichtigen HilfsgüternThomas Hoerz / Caritas international

In Dohuk und Umland hat Caritas international gemeinsam mit CAPNI rund 3.800 Vertriebenenfamilien mit ergänzenden Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln und Haushaltswaren und medizinischer Betreuung versorgt. Seit der Einnahme von Mossul im Juni 2014 hat Caritas Irak mit ihren Helfern 8.600 Vertriebenenfamilien unterstützt. Die Kollegen vor Ort haben auch in Erbil und Dohuk Zentren errichtet, die die Koordination der Hilfsmaßnahmen erleichtern. Das wird überall gemacht.

Die hohe Anzahl von Menschen, die nun in kurzer Zeit vor den IS-Truppen fliehen mussten, überfordert die Aufnahmeregionen in Kurdistan. Ohne Hilfe von internationalen Organisationen besteht die Gefahr, dass sich die Region allein aufgrund der überlasteten Bevölkerung weiter destabilisiert.

Seit 2015 konzentriert sich die Unterstützung der Vertriebenen auf die Verteilung von Bargeld an 3.000 Familien. Die weiterhin sehr gut funktionierenden Märkte in Kurdistan ermöglichen den Vertriebenen einen individuellen Einkauf gemäß ihrer Bedürfnisse und geben ihnen so ein gewisses Maß an Selbstbestimmung und Würde in der schwierigen Situation zurück. Daneben gibt es verschiedene psychosoziale Angebote, die sich insbesondere an Kinder und Frauen richten und neben Bildungs- auch Freizeitaktivitäten umfassen.

Caritas bereits lange im Irak tätig

Seit dem Vormarsch der radikalislamischen Milizen IS Anfang 2014 sind die Mitarbeitenden und freiwilligen Helfer der Caritas Irak permanent im Einsatz. Offizielle Schätzungen gehen davon aus, dass sich bereits vor der jüngsten Gewalteskalation in Mossul mehr als vier Millionen Iraker auf der Flucht befanden. Die meisten von ihnen waren aus dem Süden in den vermeintlich sicheren Norden geflohen.

In den Jahren nach dem dritten Golfkrieg von 2003 organisierte und finanzierte Caritas international den Wiederaufbau und den Betrieb von zwölf öffentlichen Gesundheitszentren. Die Gesundheitszentren sind im Irak ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Grundversorgung. Viele dieser Zentren waren nach dem Krieg zerstört, ausgeplündert oder verfügten schlichtweg weder über Medikamente noch über funktionierende medizinische Geräte. Zur medizinischen Versorgung der Schwächsten, in erster Linie der Frauen und Kleinkinder, richtete die Caritas Irak anfangs 14 Sozialzentren ein, von denen zehn weitergeführt werden konnten. 

Caritas international ruft dringend zu Spenden für die irakischen Flüchtlinge auf!

Januar 2016