zurück

Afrika

Rechte für Kinder

Tansania: Straßenkinder

Berufliche Ausbildung von Straßenkindern in Tansania

Mädchen im Ausbildungszentrum für StraßenkinderIm Ausbildungszentrum für StraßenkinderCaritas international

Wie viele andere Straßenkinder war Hawa täglich auf der Suche nach Arbeit und Essen. Bis sie Schwester Viji traf. Die Schwester des Ordens Daughters of Mary Immaculate arbeitet als Koordinatorin in einem Projekt für Mädchen, die als Straßenkinder leben.

Sr. Viji nahm Hawa mit ins Kipanda Chazamani Zentrum. Hier finden 90 Mädchen im Alter zwischen 6 und 20 Jahren eine neue Heimat. Sie wohnen und essen gemeinsam in drei Häusern, die der Orden zu diesem Zweck 2013 mit externer Finanzierung gebaut hat. Eine "Hausmutter" begleitet hier die Mädchen in ihrem Alltag und organisiert mit ihnen den Tagesablauf und die Verpflegung. Der Orden, der 1984 gegründet wurde, engagiert sich seit vielen Jahren in der sozialen Arbeit und speziell im Bereich der Betreuung von Straßenmädchen. Denn Straßenmädchen sind besonders durch soziale oder sexuelle Ausbeutung gefährdet.

Blick in einen FriseursalonEines der Ausbildungsangebote ist das zur Friseurin: Ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften ist das Ziel.Wolfgang Fritz / Caritas international

Viele kinderreiche Familien sind nicht mehr in der Lage, ihren Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen oder sie zu ernähren. So bleibt den Mädchen oft nur der Weg in die nächste größere Stadt. Sie versuchen, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Ohne konkrete Ausbildung führt das meist zu Ausbeutung. Nicht selten werden sie Opfer sexueller Gewalt. Die Mädchen vermissen meist schmerzlich ihre Familien, die ihnen jedoch keine Zukunft bieten können. Dennoch ist der Kontakt wichtig, denn wenn alle Seiten mit der Aufnahme im Kipanda Zentrum einverstanden sind, stärkt das die jungen Frauen.

Die Mitarbeiterinnen des Zentrums unterstützen die Mädchen in jeder Hinsicht. Dazu gehört auch eine psychologische Begleitung. Sie versuchen zudem, den Kontakt zu den Familien wieder herzustellen. Wichtig ist den Mitarbeiterinnen im Zentrum, den Mädchen eine Ausbildung zu ermöglichen. Je nach ihrer persönlichen Fähigkeiten können die Mädchen eine Computerausbildung absolvieren oder eine Ausbildung zur Friseurin und Kosmetikerin besuchen. So erhalten jedes Jahr 30 Mädchen eine schulische Ausbildung oder eine Ausbildung zur Einkommenssicherung.  

zwei Mädchen diskutieren öffentlichTeil des Programms ist das Schlichten: die Mädchen lernen in Trainings zu verhandeln und ihre Anliegen gewaltfrei zu kommunizieren.Wolfgang Fritz / Caritas international

Selbstvertrauen trainieren

Nach einer einjährigen Ausbildung zur Computerfachkraft sind die Mädchen fit in der Anwendung von Office-Programmen. Sie können Briefe schreiben, Listen aufbauen, eine Präsentation erstellen. Auch die professionelle Recherche im Internet, die Nutzung von Bildbearbeitungs- und Buchhaltungsprogrammen sind Teil der Ausbildung. Entscheiden sich die Mädchen für eine Ausbildung als Friseurin und Kosmetikerin, so lernen sie Maniküre und Gesichtsbehandlungen, Ernährungslehre, Hygiene, Haarpflege, Haarschnitte und Grundwissen im Verwaltungsbereich.  

Nicht nur die fachliche Ausbildung ist wichtig: In dem Zentrum lernen die Mädchen in gemeinsamen Workshops Selbstvertrauen, soziale Kompetenz und Zeitmanagement. Auch Grundlagen in Hygiene werden vermittelt. Nachdem Hawa ihre Ausbildung zur Computerfachfrau abgeschlossen hatte, halfen ihr die Mitarbeiterinnen des Zentrums, eine Arbeitsstelle zu bekommen. Auch Kontakt zu ihrer Familie hat Hawa wieder regelmäßig. Sie macht Pläne für ihre Zukunft.  

Schwester Viji berichtet, dass bereits 210 Mädchen eine Ausbildung besucht haben. Und wie Hawa haben die meisten nach wie vor Kontakt zum Zentrum. Caritas international finanziert u.a. die Gehälter von zwei Sozialarbeiter/innen und zwei Berufslehrern im Zentrum.

August 2015