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Afrika

Rechte für Kinder

Tansania: Straßenkinder

Dar es Salaam, die größte Stadt in Tansania, entfaltet als Hafenstadt eine große Anziehungskraft auf viele Menschen, vor allem aus dem ländlichen Raum und aus angrenzenden Ländern. Sie hoffen, dort Arbeit oder persönliches Glück zu finden. Entsprechend hoch ist die Anzahl der Straßenkinder. Seit den 1990er Jahren werden es täglich mehr.

Die Kinder und Jugendlichen, die vom Land in die Stadt gekommen sind, müssen sich zunächst einmal in der Stadt orientieren. Sie knüpfen Kontakte zu anderen Kindern ohne zu Hause und bemühen sich um eine Gelegenheit, etwas Geld zu verdienen. Viele Kinder und Jugendliche sind "Sozialwaisen": Meistens gibt es noch mindestens einen Elternteil, der aber aus unterschiedlichen Gründen nicht in der Lage ist, die Kinder angemessen zu versorgen und zu erzieherisch zu begleiten. Viele Eltern tolerieren, dass ihre Kinder ein Einkommen erwirtschaften, da die Kinder und Jugendlichen damit das Haushaltseinkommen aufbessern. Insbesondere die Kinder sehr armer Familien ohne Perspektive landen, bie ihrer Suche nach einem kleinen Job, dauerhaft auf der Straße oder in den Händen von Leuten, die sie extrem ausnutzen.

Mädchen und Jungen haben auf der Straße nicht die gleiche Rolle

Die meisten Kinder nennen Armut oder Gewalterfahrungen als Gründe für ihre Flucht. Viele Kinder konnten nie oder nur kurz zur Schule gehen - und oft sind es die Mädchen, die gegenüber ihren Brüdern hier den Kürzeren ziehen. Meist hatten ihre Familien zu wenig Geld, um alle Kinder zur Schule zu schicken oder auch angemessen zu ernähren.

Jungen und Mädchen machen auf der Straße teilweise recht unterschiede Erfahrungen. Zwar erfahren Mädchen wie Jungen Ausgrenzung und Gewalt etwa von Seiten der Polizei. Fast alle berichten von Übergriffen, Schlägen und Willkür durch Polizeibeamte und andere Erwachsene.

Mädchen verlassen ihre Familie häufig, nachdem sie sexuelle Gewalt erfahren haben. Auf der Straße kommen sie schneller als Jungen mit der Prostitution in Berührung. Die damit verbundene Stigmatisierung erschwert ihre Reintegration in die Herkunftsfamilien. Zudem haben sie das Problem, sich nicht so gut vor ungewollten Schwangerschaften und Infektionen mit Geschlechtskrankheiten und HIV schützen zu können.

Viele der Kinder in Tansania arbeiten bei Fischerei-Unternehmen, als Straßenverkäufer, Autowäscher oder Schuhputzer. Vor allem die Mädchen arbeiten als Bardamen - oft bis spät in die Nacht. Viele auch als Hausmädchen. Jungen können zwar ebenso in einem Prostitutionsmilieu landen, doch das ist eher selten der Fall. Sie organisieren sich untereinander, und wenngleich Gruppen von Straßenkindern sicher keinen gewaltfreien Umgang miteinander haben, so bilden sie doch Bezugsgruppen, die auch ein Gefühl der Zugehörigkeit und Sicherheit vermitteln.

Das eigentliche Problem der Straßenkinder ist die verbreitete Armut in ihren Familien, mangelhafte Bildungschancen und ein schlechtes Gesundheitssystem. Solange die Gesellschaft jedoch diese Hintergründe ausblendet und die Kinder als Problem betrachtet, haben diese ohne professionelle  Unterstützung kaum eine Chance auf eine gesellschaftliche Integration.

 August 2015