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Asien

Rechte für Kinder

Indien: Bildung statt Kinderarbeit

Kind bearbeitet mit Eisenstange den BodenAllein in Westbengalen müssen 1,2 MIllionen Kinder arbeiten.Caritas international

Laut Schätzungen sind in Indien bis zu 60 Millionen Kinder zwischen fünf und vierzehn Jahren von Kinderarbeit betroffen. Allein im Bundesstaat Westbengalen gehen 1,2 Millionen Kinder einer Arbeit nach. Zumeist stammen sie aus dörflichen Regionen Westbengalens oder aus Bihar, Assam oder gar Nepal. Sie verrichten Hilfsarbeiten in der Landwirtschaft oder in privaten Haushalten, stellen Ziegel her oder sammeln und sortieren Abfälle.

Der Hauptgrund für den hohen Anteil an Kinderarbeit liegt in der verbreiteten Armut, und die Mädchen und Jungen müssen zum Familieneinkommen beitragen. Aber auch innerfamiliäre Gewalt führt dazu, dass die Kinder von Zuhause ausreißen und mit Arbeit ein Auskommen suchen.

Kaum eines der betroffenen Kinder kann die Schule besuchen oder muss sie frühzeitig abbrechen.

Doppelt diskriminiert

Zwei Kinder und ein Erwachsener auf einer MüllkippeEltern und Kinder arbeiten auf Müllkippen, um etwas Geld zu verdienen.Andreas Schwaiger, Caritas Schweiz

Besonders geringe Chancen auf den Schulbesuch haben die Kinder der Dalits. Das indische Kastensystem, das zu massiven sozialen Ungerechtigkeiten führt und unter anderem im Bundesstaat Bihar sehr ausgeprägt ist, schließt die Dalits vom wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Leben der Gesellschaft weitgehend aus. Sie leben in speziellen Siedlungen oder Ghettos und dürfen nur Hilfsarbeiten verrichten.

Die Untergruppe der Musahars innerhalb der Dalits ist nochmals besonders diskriminiert. Bisher waren die Musahars fast vollständig vom indischen Schulsystem ausgeschlossen, und gerade mal ein Prozent der Frauen können lesen und schreiben. Ihre Kinder sind nun die erste Generation, die aufgrund der eingeführten Schulpflicht die Möglichkeit zum Schulbesuch haben. Zumindest auf dem Papier, denn derzeit schaffen nur 10 Prozent der Musahar-Mädchen den Abschluss der Primarschule.

Kinderrechte in Indien

An Gesetzen zum Verbot von Kinderarbeit mangelt es in Indien nicht. So verbietet schon die indische Verfassung aus dem Jahr 1950 die Beschäftigung von Kindern unter vierzehn Jahren in Minen und Fabriken. In Artikel 45 formuliert sie die Bestimmung der Einführung unentgeltlicher und obligatorischer Schulbildung. Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer gesetzlicher Bestimmungen, die auf das Verbot und die Bekämpfung der Kinderarbeit abzielen: zum Beispiel das Gesetz zur Regulierung und zum Verbot der Kinderarbeit (Child Labor Regulation and Prohibition Act 1986) oder die Nationale Strategie zur Kinderarbeit (National Policy on Child Labor 1987).

Demnach sind legale Voraussetzungen zur Bekämpfung der Kinderarbeit durchaus gegeben. Dennoch mangelt es an deren Umsetzung. Es bedarf breit angelegter Bewusstseinsbildung, um die Bevölkerung, die betroffenen Familien und Arbeitgeber über das Verbot der Kinderarbeit aufzuklären und für die Rechte der Kinder mobil zu machen.

Januar 2017