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Naher Osten

Krisen und Konflikte

Syrien: Humanitäre Hilfe im Konflikt

Der Krieg in Syrien, der im März 2011 mit einem Aufstand gegen die Regierung Assads begann, eskaliert auch im sechsten Kriegsjahr weiter. Der Konflikt löste die größte Flüchtlingskatastrophe in der modernen Geschichte des Nahen Ostens aus - sie erstreckt sich vor allem auf die Nachbarländer Syriens. Die Mehrzahl der rund 5 Millionen Menschen, die aus Syrien geflohen sind, suchen im Libanon, Jordanien, Irak, der Türkei, aber auch in Ägypten und in Armenien Zuflucht. Schätzungsweise 8 Millionen Syrer irren auf der Suche nach Schutz im eignen Land umher.

Die Lage im Land wird immer dramatischer

Mann mit Kindern auf dem ArmIn der Bekaa Ebene: syrische Flüchtlinge in NotPhilipp Spalek / Caritas international

Die UN geht davon aus, dass über 13 Millionen Menschen in Syrien auf humanitäre Hilfe und Schutz angewiesen sind. Rund 4,5 Millionen Menschen leben in, für Hilfsorganisationen nur schwer zu erreichenden, Regionen. Über 590,000 Syrer sind in belagerten Zonen praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Internationale Hilfskonvois erreichen längst nicht alle hilfsbedürftigen Menschen innerhalb des Landes und werden immer wieder vom syrischen Regime und bewaffneten Gruppen in ihrer Arbeit behindert. Nach über fünf Jahren Krieg ist selbst die Grundversorgung der Menschen oft nicht mehr gesichert. Viele Syrer leiden Hunger, die medizinische Versorgung ist katastrophal. Unzählige Krankenhäuser wurden zerstört, medizinisches Personal hat das Land verlassen und es gibt nicht genug Medikamente.

Die Wirtschaftslage ist dramatisch. Viele Menschen haben keine Arbeit und die Preise für Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarf haben sich vervielfacht. Die lokale Währung befindet sich im freien Fall. Mütter und Väter können ihre Familien nicht mehr ausreichend versorgen. Insbesondere schutzbedürftige Kinder, Alte, Kranke und Behinderte leiden darunter. Langfristig kann nur eine politische Lösung des Krieges das Leiden der Menschen verringern. Die im Februar in Genf wiederaufgenommenen Friedensverhandlungen haben bisher zwar eine vorübergehende Waffenruhe bewirkt, jedoch keinen Frieden schaffen können. Es kommt weiterhin zu schwer bewaffneten Kämpfen. Mit Unterstützung der russischen Armee, greift das syrische Regime, immer wieder auch zivilistische Ziele aus der Luft an.

Syrische Flüchtlinge in Jordanien und im Libanon

Rund 1,7 Millionen syrische Flüchtlinge sind offiziell bei dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen UNHCR in Jordanien und im Libanon registriert. Die Mehrheit von ihnen wird von Familien und Gemeinden überall im Land aufgenommen und nur ein kleiner Teil sucht Zuflucht in Flüchtlingslagern in Jordanien. Im Libanon gibt es aufgrund der jüngsten Bürgerkriegsgeschichte und der politischen Lage keine offiziellen Flüchtlingslager. Die materielle Not in beiden Ländern ist groß und sowohl die libanesische als auch die jordanische Bevölkerung ist schwer belastet. Die soziale und medizinische Infrastruktur sowie das Bildungssystem stehen aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise und der steigenden Nachfrage in beiden Ländern am Rande des Zusammenbruchs.

Mädchen mit einer Dose mit NägelnBeim Bau provisorischer Unterkünfte helfen alle mitSam Tarling / Caritas Schweiz

Der Arbeitsmarkt bietet schon für die libanesische und jordanische Bevölkerung nicht genug Möglichkeiten, so dass es für syrische Flüchtlinge besonders schwer ist ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Oft halten sich Syrer mit Gelegenheitsjobs und Hilfsarbeiten über Wasser oder enden aus Verzweiflung bettelnd auf der Straße. Viele Flüchtlingskinder arbeiten für ein paar Cent am Tag. Oft verkaufen sie Blumen, Kaugummis oder putzen Schuhe. Zehntausende sind es laut UNICEF, die in Städten oder in ländlichen Gebieten arbeiten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Preise für Lebensmittel und Benzin, Unterkunft und Heizmaterial in beiden Ländern extrem angestiegen sind. Es fehlt an Nahrung, Wasser, Gesundheitsversorgung und Wohnraum. Vielen Familien fehlt es schlicht an allem. Zu der allgemeinen Notlage kommt, dass viele Flüchtlinge durch extreme Gewalterfahrung schwer traumatisiert sind. Insbesondere Mütter und Kinder sowie junge Frauen, die Opfer sexueller Gewalt oder gar von Folter wurden, benötigen dringend psychosoziale Begleitung. Im Libanon kommt inzwischen nahezu jeder Dritte aus Syrien, das sind etwa 1,1 Million syrische Flüchtlinge. Der wirtschaftliche, politische und demographische Druck auf das Land wächst. Bei einer Bevölkerung von rund vier Millionen Menschen ist es eine große Herausforderung, so viele Flüchtlinge aufzunehmen. Ähnlich ist die Situation in Jordanien wobei dort mit 655.000 bei einer Bevölkerung von 6,5 Millionen deutlich weniger Flüchtlinge registriert sind.

Caritas hilft

Caritas Mitarbeiterin im Libanon mit KindernEine Caritas-Mitarbeiterin im Libanon kümmert sich um FlüchtlingskinderCaritas international

Caritas international unterstützt sowohl die Menschen in Syrien als auch Flüchtlinge und bedürftige Libanesen, Jordanier und Iraker in den Nachbarländern mit Nahrungsmitteln, Medikamenten, ärztlicher Hilfe, Miet- und Schulbeihilfen sowie psychosozialen Angeboten. Zudem setzt Caritas international vermehrt auf Bargeldhilfen, die den Menschen erlauben die Deckung ihrer Grundbedürfnisse selbst in die Hand zu nehmen. In einem Krieg, der den Menschen jegliche Normalität geraubt hat, gibt diese Art der Unterstützung den Flüchtlingen ein Stück ihrer Würde zurück und unterstützt außerdem die lokale Wirtschaft. Im Winter ist weiterer Schwerpunkt der Hilfen die Ausstattung mit Heizmaterial und Decken.

Bisher konnte Caritas international rund eine halbe Millionen Vertriebene in Syrien und Flüchtlinge in den Nachbarländern erreichen. Insgesamt konnten über 40 Millionen Euro bereitgestellt werden. Der größte Teil des Geldes kommt vom Auswärtigen Amt.

Die Hilfe in Syrien ist nur unter hohen Risiken für Leib und Leben möglich. Ungezählte Überfälle auf Hilfskonvois sowie der Tod zahlreicher Helfer belegen das auf grausame Weise.

Juni 2016

Caritas international ruft zu Spenden für die Flüchtlinge und Gewaltopfer auf.

Bitte spenden Sie Online oder per Banküberweisung auf folgendes Konto: 
Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe
IBAN Nr. : DE04660205000000000202
BIC-Nr. : BFSWDE33KRL 

ehemals: Nr. 202 /  BLZ 660 205 00

Stichwort: Nothilfe Syrien