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Naher Osten

Krisen und Konflikte

Syrien: Humanitäre Hilfe im Konflikt

Syrien: Nothilfe im Kriegsgebiet

Die, die nicht gehen können, müssen lernen, mit dem Krieg zu leben.Die, die nicht fliehen können, sind gezwungen, mit dem Krieg zu leben.Foto: Caritas Syrien

Es sind Geschichten von unendlicher Tragik. In einem brutalen Konflikt formieren sich fanatische Milizen und überziehen Syrien mit einem Netz aus Terror. Hunderttausende Familien haben die Flucht angetreten und suchen Unterschlupf in anderen Regionen des zerfallenen Staates.

In unzähligen Fällen müssen die Vertriebenen, in der Regel sind es Mütter mit ihren Kindern, in provisorischen Unterkünften ausharren. Viele versuchen dieser Tage, die Zone des IS zu durchlaufen. Eingekesselt von den Milizen haben sie entschieden, das letzte Geld in die Flucht zu investieren. Nahrung ist seit Monaten knapp, die Menschen sind erschöpft und viele mangelernährt. Die Lebensmittelpreise sind so hoch, dass selbst ehemals gut situierte Familien die Tage zählen können, bis das letzte Ersparte aufgebraucht ist. Also brechen sie auf: die Männer suchen Inlandsflüge, um nicht in der Zwangsrekrutierung des IS zu landen. Frauen und Kinder verlassen das Haus, die Stadt, die eingekesselte Zone, ohne zu wissen, was sie am nächsten Tag erwartet.

Im Gepäck haben sie oft noch nicht einmal das Nötigste. Doch das Leiden ist damit nicht vorbei. In vielen Regionen Syriens sind große Teile der Infrastruktur zusammengebrochen. Es gibt kaum mehr eine funktionierende medizinische Versorgung. In manchen Regionen geht kaum ein Kind noch zur Schule. Ganze Familien campieren dauerhaft auf der Straße oder in öffentlichen Grünflächen.

"Die Reichen sind gegangen, die Armen jetzt bettelarm"

"Die Hälfte der Einwohner Syriens sind entweder intern Vertriebene oder Flüchtlinge. 80 Prozent der Arbeitskraft sind weggebrochen. Die Reichen sind gegangen, die Mittelschicht ist arm geworden und die Armen sind jetzt bettelarm", fasste der Präsident der Caritas Syrien, Bischof Antoine Audo aus Aleppo, schon im März 2014 die Situation zusammen. Seither haben sich immer mehr Menschen auf die lebensgefährliche Flucht aufgemacht.

Diese Entwicklung unterstreichen die Zahlen der Vereinten Nationen. Mehr als 7,5 Millionen Menschen gelten als intern vertrieben, 4,7 Millionen haben das Land verlassen. Die meisten von ihnen haben in den Nachbarländern Zuflucht gefunden. Zehntausende Menschen verloren in dem Krieg ihr Leben. Vier von fünf Syrern leben zudem nach den Klassifizierungen der UN inzwischen in Armut. In der UN-Rangliste der Entwicklung mit einer Skala von 187 Plätzen fiel Syrien vom 113. im Jahr 2011 auf den 173. Platz. In Syrien können rund zwei Millionen Kinder nicht zur Schule gehen. Viele von ihnen haben seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 kein Klassenzimmer von innen gesehen. Das gleiche gilt für hunderttausende Flüchtlingskinder im Irak, in Jordanien und Libanon.

Der fünfte Winter

Dieser Tage werden 15 Millionen Menschen aus Syrien und dem Irak, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden oder geflohen sind, mit dem einbrechenden Winter weiteren Härten und Gefahren ausgesetzt. Allein im Libanon melden die Hilfswerke, dass rund 195.000 Personen dringenden Bedarf an Heizmaterial und Decken haben oder schlicht einen trockenen Ort für die Nacht benötigen.  Für viele Menschen ist es der erste Winter, für andere der fünfte Winter ohne ein eigenes Zuhause.

Für die Hilfswerke ist es erst einmal wichtig, die Betroffenen mit dem Allernötigsten zu versorgen. Es geht schlicht um das Überleben. Caritas international unterstützt die Caritas in Syrien in ihren Bemühungen, die Not der extrem Bedürftigen zu lindern. Dazu beteiligt sich Caritas international an einem Nothilfefonds, mit dem lebensrettende Maßnahmen finanziert werden. Dabei, wie auch in anderen Projekten, geht es vor allem um medizinische Hilfen - sie reichen von Medikamenten und Laborleistungen bis hin zu Notoperationen.

Lokale Partner machen sich für die Opfer des Konflikts stark

Innerhalb des internationalen Caritasnetzwerkes wurden regionale Schwerpunkte gebildet - Caritas international unterstützt vor allem das Team in Aleppo im Norden sowie die Region Al-Jazeera im Nordosten Syriens, im Grenzgebiet zur Türkei und dem Nordirak, mit den Städten Hassaké und Qamishli. Darüber hinaus unterstützt Caritas international die nationale Struktur von Caritas Syrien in Damaskus, die koordinierende Funktionen ausübt und finanziert kurzfristig Nothilfemaßnahmen in besonders betroffenen Regionen, hier zuletzt ein medizinisches Nothilfeprojekt in Damaskus sowie humanitäre Hilfe für intern Vertriebene in einem umkämpften östlichen Vorort von Damaskus.

Außerhalb des Caritasnetzwerks leisten wir Nothilfe über Ordensgemeinschaften und eine im kirchlichen Umfeld entstandene Nichtregierungsorganisation. Regionale Schwerpunkte bilden hier aktuell Damaskus mit einem weiten Umland, die Stadt Homs und die Küstenregion (Latakia und Tartous), die Millionen von Binnenflüchtlingen aufgenommen hat. Je nach Sicherheitslage und Mobilität der lokalen Teams können neue Regionen erreicht oder müssen Regionen aufgegeben werden, die zuvor zugänglich waren. Nahrungsmittelhilfen, Hygieneartikel, Haushaltsartikel, Mietbeihilfen und medizinische Versorgung sowie Schulbeihilfen bilden den Schwerpunkt der geleisteten Hilfen in Syrien.

Aufgrund der äußerst schwierigen Bedingungen und der erheblichen Risiken für unsere lokalen Mitarbeitenden kann trotz des immensen humanitären Bedarfs nur eine begrenzte Zahl von Menschen innerhalb Syriens erreicht werden. Derzeit kann Caritas Syrien nur in vom Regime al-Assad gehaltenen Regionen tätig sein. Andere Partner von Caritas international sind auch in von der Opposition gehaltenen Gebieten aktiv. Regionen unter der Kontrolle des sog. "Islamischen Staates" sind jedoch für keinen unserer Partner zugänglich.

Trotz der extrem schwierigen Umsetzungsbedingungen für unsere Partner vor Ort konnten wir unsere Hilfen innerhalb Syriens jedoch zuletzt ausweiten.

Februar 2016