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Naher Osten

Krisen und Konflikte

Syrien: Humanitäre Hilfe im Konflikt

Syrien: Nothilfe im Kriegsgebiet

Die, die nicht gehen können, müssen lernen, mit dem Krieg zu leben.Die, die nicht fliehen können, sind gezwungen, mit dem Krieg zu leben.Foto: Caritas Syrien

Rund 8 Millionen Menschen in Syrien mussten aus ihrer Heimat fliehen und irren teilweise seit Jahren schutzsuchend im eigenen Land umher. Nach UN-Angaben leben 4,5 Millionen Syrer in, für humanitäre Hilfe nur schwer zu erreichenden Regionen; 592.000 Menschen sind in 19 belagerten Gebieten praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. "Den Menschen fehlt es an fast allem - es gibt kaum Zugang zu medizinischer Versorgung, so gut wie keine Schule für hunderttausende Kinder. Diese Liste ließe sich fast unendlich fortsetzen" berichtet der Leiter von Caritas international Dr. Oliver Müller nach seiner Syrienreise im Frühjahr 2016.

Überlebenshilfe

Nach über 5 Jahren Krieg haben viele Menschen nicht mehr genug zu Essen für sich und ihre Familien, Wasser und Strom sind Mangelware, Preise für Nahrung und Dinge des täglichen Bedarfs sind ins Unermessliche gestiegen. Der Schwerpunkt der Caritas Arbeit in Syrien liegt deshalb auf der Nothilfe. Über die Strukturen der Caritas Syrien sowie informelle Netzwerke im Umfeld katholischer Ordensgemeinschaften und anderer zivilgesellschaftlicher Organisationen helfen wir bedürftigen Syrern mit Nahrungsmitteln, Hygieneartikel, Decken, Matratzen und Winterhilfen in der kalten Jahreszeit. In Damaskus, aber auch im schwer umkämpften Aleppo, hilft Caritas Syrien Familien mit Mietbeihilfen. Viele Krankenhäuser im Land sind zerstört, die Mehrzahl der Ärzte und Krankenschwestern sind geflohen und Medikamente sind nur noch schwer verfügbar oder extrem teuer. Deshalb engagiert sich die Caritas auch in Projekten zur medizinischen Versorgung. So unterstützt die Caritas Syrien seit dem Frühjahr 2016 ein Zentrum zur medizinischen Versorgung in Damaskus und leistet lebensnotwendige Hilfe. Auch im Nordosten Syriens, in der schwer von Kämpfen betroffenen Provinz Idlib in der Grenzregion zur Türkei, beteiligt sich Caritas international an einem Nothilfeprojekt für Vertriebenen.

Lokale Partner machen sich für die Opfer des Konflikts stark

Seit Beginn der Krise sind Hilfsprojekte von Caritas international unter anderem in Damaskus, Aleppo, Hama, Homs, Deir Ez-Zor, Tartous, Latakia, Idlib und im Nordosten Syriens in der Provinz al-Jaziré über Caritas Syrien und andere lokale Partner initiiert worden. Unsere Helfer riskieren dabei jeden Tag aufs Neue ihr Leben, um bedürftigen Syrern wenigstens mit dem Nötigsten helfen zu können. Aufgrund der schwierigen Sicherheitslage sowie der eingeschränkten Mobilität werden humanitäre Helfer immer wieder in ihrer Arbeit eingeschränkt und sind gefährdet selbst Opfer des Krieges zu werden. Denn die vom Regime und der Opposition verübten Angriffe auf dem Boden und aus der Luft können jeden treffen. Erst im Februar 2016 wurde ein freiwilliger Helfer der Caritas Aleppo, der sich in einem Projekt für Schulkinder engagierte, tödlich von einer Granate getroffen. Das Büro der Caritas Aleppo kam ebenfalls bereits unter Beschuss. 

Erweiterung der Caritas Hilfen in Syrien

Trotz der extrem schwierigen Umsetzungsbedingungen für unsere Partner vor Ort konnte Caritas international ihre Hilfen innerhalb Syriens zuletzt sogar noch ausweiten. Die aktuell laufenden Projekte erreichen derzeit rund 265.000 Menschen. Das derzeitige Projektvolumen beträgt über 5 Millionen Euro. Seit Beginn der Krise wurden rund 10,5 Millionen Euro für Hilfsprojekte in Syrien aufgewendet und über 500 000 Menschen erreicht. Caritas international fordert weiterhin alle Konfliktparteien dazu auf den Schutz der Zivilbevölkerung und die Versorgung der Menschen in Syrien zu gewährleisten und die Angriffe auf die zivile Infrastruktur umgehend zu stoppen. "Die Frauen, Kinder und Männer, die noch in Damaskus, Aleppo oder Homs leben, dürfen nicht länger als Spielball in diesem grausamen Machtkampf missbraucht werden. Ebenso muss der Schutz der Helfer unbedingt geachtet werden. Das ist ein wesentlicher Bestandteil des humanitären Völkerrechts und die Voraussetzung für die Versorgung der notleidenden Menschen," so der Leiter von Caritas international Dr. Müller.

Juni 2016