Im Porträt

Stella Mollel

PortraitStella Mollel, Koordinatorin des Caritas-Vorschulprogramms in der Diözese Arusha Caritas international

"Als ich in der siebten Klasse war, wollte mein Vater mich von der Schule nehmen und verheiraten. Doch meine Mutter war nicht einverstanden. Sie ist sogar vor Gericht gezogen, damit mein Vater meinen Schulbesuch weiter bezahlt. Ohne meine Mutter hätte ich nicht weiter zur Schule gehen können", erzählt Stella Mollel ihre Geschichte, die sich jedes Jahr in zahlreichen anderen Massai-Familien wiederholt. Seit 2004 arbeitet Stella als Koordinatorin für das Vorschulprogramm der Caritas in der Diözese Arusha im Norden Tansanias. Sie setzt sich dafür ein, dass möglichst viele Kinder, vor allem in abgelegenen Gebieten, in denen die Massai meist leben, Zugang zu Bildung in Form eines Vorschulprogramms bekommen. Dafür binden Stella und ihre Kollegen die Eltern und die Dorfgemeinschaft mit ein:  Die Eltern bezahlen den Lehrer, helfen beim Bau der Schulgebäude und halten sie in Stand. Auch die warme Mahlzeit am Mittag geht in der Regel auf ihre Kosten.

"Wenn ich mit dem Geländewagen der Caritas zu den Schulen fahre, schauen die Mädchen mich alle an und sagen, dass sie später genauso werden wollen. ‚Wenn ihr die Möglichkeit habt, geht zur Schule!‘, sage ich ihnen dann immer", erzählt Stella, die sich ihrer Vorbildfunktion bewusst ist. Aufgrund ihrer eigenen Geschichte fühlt sie sich dazu berufen Massai-Mädchen dabei zu helfen in die Schule zu gehen. Mit Erfolg: 102 Schulen haben die Caritas-Mitarbeitenden in der Diözese Arusha seit 1998 zusammen mit den Dorfgemeinschaften eröffnet, 26 Schulgebäude errichtet und 152 Lehrer ausgebildet. Keine Selbstverständlichkeit, denn Bildung wird bei den Massai nicht sehr hoch angesehen, weiß Stella: "Ihr Vieh ist für die  Massai das Allerwichtigste, deshalb müssen die Kinder oft schon in jungen Jahren auf die Herden aufpassen, statt zur Schule zu gehen. Und die Mädchen werden oft schon nach der siebten Klasse verheiratet." Damit das nicht mehr passiert, setzten Stella und ihre Kolleginnen und Kollegen  sich weiterhin dafür ein, dass möglichst viele Massai-Kinder erst in die Vorschule und dann in die Schule gehen dürfen.

Oktober 2016