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Afrika

Situation

Kenia: Dürre, Wassermangel, Hunger

Überleben ohne Regen

Frau mit leerem WasserkanisterPACIDA, Projektpartner von Caritas international, verteilt Wasser an die notleidende Bevölkerung.Pacida

In der wüstenähnlichen Region Marsabit im Norden Kenias kommt es immer wieder zu langanhaltenden Dürren, und Regenzeiten verspäten sich oder fallen ganz aus. Auch in diesem Jahr fiel die erste Regenzeit aus, und die zweite lässt auf sich warten. Die harschen klimatischen Bedingungen lassen kaum Ackerbau zu. So leben rund 80 Prozent der Menschen hier mit und von ihren Viehherden, die meisten als Nomaden. Weideland und Wasser sind für sie lebensnotwendig, doch genau diese Ressourcen werden immer knapper. Das Vieh ist in schlechter Verfassung oder mittlerweile verendet, die Weideflächen sind übernutzt und bieten kaum Futter. Gleichzeitig steigen die Marktpreise für Lebensmittel bis zu 70 Prozent. Die Situation ist vor allem für die arme Bevölkerung dramatisch, die so jeder Existenzgrundlage beraubt wird.

Im Februar 2017 hat die kenianische Regierung daher den Notstand ausgerufen und die internationale Gemeinschaft um Unterstützung gebeten. Gemeinsam mit ihrem langjährigen lokalen Partner PACIDA (Pastoralist Community Initiative & Development Assistance) leistet Caritas international Nothilfe und Katastrophenvorsorge für über hunderttausend Menschen im Bezirk Marsabit. Primäre Ziele sind eine akute Nothilfe, Maßnahmen zur besseren Wasserversorgung und Tierhaltung, Katastrophenvorsorge und die Schaffung von Einkommensalternativen.

Akute Not lindern

In North Horr, Dukana und Maikona werden Familien und Kinder in Internatsschulen mit Nahrungsmitteln unterstützt. Familien mit Kleinkindern, schwangere und stillende Frauen sowie alte Menschen erhalten eine nahrhafte und vitaminreiche Mais-Soja-Zusatznahrung (Unimix). Mittels Tankfahrzeuge werden einige Gemeinden mit Trinkwasser versorgt, und durch die Bereitstellung von Diesel können vielerorts Wasserpumpen betrieben werden, die momentan stillliegen.

Vorbereitet auf zukünftige Dürren

Ein kleines Häuschen, davor Kanister und MenschenWasserbezug an einem kontrollierten Wasserkiosk.Caritas international

Damit die Menschen langfristig besser gegen die immer wiederkehrenden Dürren gewappnet sind, werden verschiedenste Projekte zur Wassergewinnung, Wasserspeicherung und Tierhaltung umgesetzt. In Illadhu wird ein Damm zur Speicherung von rund 23.000 Kubikmeter Wasser gebaut. In dem Wasserrückhaltebecken kann so das Oberflächenwasser während der Regenzeit gesammelt werden. Der Vorrat reicht aus, um 2.900 Menschen und rund 11.000 Rinder während der Trockenzeit über einen Zeitraum von drei Monaten mit Wasser zu versorgen.

In der Ortschaft Burgabo wurde Caritas international gebeten, sich am Bau einer Wasserleitung zu beteiligen. Zwei Drittel der Kosten finanziert die Provinzregierung. Die Grabungsarbeiten zum Verlegen der Rohre erbringen die Bewohner in Eigenleistung. Dank der neuen Leitung erhält zugleich eine Grundschule mit einem angeschlossenen Internat für rund 150 Schüler und Schülerinnen aus Nomadenfamilien Zugang zu Wasser.

In anderen Gemeinden werden Brunnen, Regenwasser-Zisternen, Quellen und sanitäre Anlagen repariert oder neu gebaut. Um die vorhandenen Wasseranlagen regelmäßig warten zu können, werden lokale "Pumpen- und Wasser-Mechaniker" ausgebildet. Wasser-Komitees übernehmen die Verantwortung, dass die Anlagen funktionieren und die Verteilung gerecht erfolgt.

Doch braucht es noch viele weitere Schritte, um die Situation für die Bevölkerung langfristig zu erleichtern. Dazu gehört, den Zustand der Tiere zu stabilisieren. Mit groß angelegten staatlichen Impfkampagnen in Moyale und North Horr können Gesundheit und Widerstandskraft des Vieh verbessert werden.

Vorsorglich handeln

Mitarbeiter der Diözese im Gepräch mit den DorfbewohnernNeudenken, umdenken, weiterdenken: Caritas und PACIDA beraten und schulen die Bevölkerung, wie sie auf die extreme Wetterlage besser reagieren können. Foto: Bente Stachowske

Die Viehhirten müssen außerdem lernen, wie eine nachhaltige Weidebewirtschaftung funktioniert. Nur so können sich die Weiden erholen und neues, kräftiges Weidegras liefern. Ein Umdenken ist auch in punkto Qualität notwendig. Für viele Hirten ist die Anzahl der Tiere ein Statussymbol und weniger dessen Zustand. Mit Aufklärung zu Herdenhaltung, Weidemanagement und Ressourcennutzung kann Caritas hier eine wirtschaftliche und qualitativ hohe Viehhaltung erreichen. Gleichzeitig sollen neue Einkommensquellen geschaffen werden, die die Menschen auch unabhängiger machen. Daher ist die Anschaffung von Heupressmaschinen zur Tierfutterproduktion und der Bau von Milchdepots mit angeschlossener Fleischerei vorgesehen. Parallel finden Ausbildungen in Milch- und Fleischverarbeitung und Tierfutterproduktion statt.

Weiter sollen in den Haushalten energiesparende Herde und Solarlampen eingeführt werden, denn die intensive Abholzung der natürlichen Baumbestände hat in der Region bedenkliche Ausmaße angenommen.

Es ist eben häufig auch der Mangel an profundem Wissen, der eine Befreiung aus der Misere erschwert und die Lage zuspitzt. So nehmen die Krankheiten durch mangelnde Hygiene zu, eigene Vorsorgemaßnahmen auf Dürren, wie Frühwarnsysteme, bestehen nicht. Caritas plant daher, gemeinsam mit der Bevölkerung Katastrophenvorsorgepläne zu entwickeln und die Menschen in Hygiene, Umweltschutz und Prävention zu schulen.

Juni 2017