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Europa

Rechte für Kinder

Ukraine: Straßenkinder

Drei in improvisierter Schlafstätte unter der ErdeViele Straßenkinder übernachten in der Kanalisation oder in leerstehenden Kellern.Foto: Caritas international

Armut hat viele Gesichter: das der bettelnden, schlecht ernährten und verwahrlosten Straßenkinder ist eines davon. Sie sind ein Symptom der desolaten Situation, in der sich die Ukraine befindet. Bereits die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise ab 2007 traf das politisch und ökonomisch instabile Land besonders hart. In ländlichen Regionen stieg seither die Arbeitslosigkeit unaufhaltsam. Seit 2014 schuf dann der bewaffnete Konflikt im Osten des Landes eine gesellschaftliche Krisensituation auf allen Ebenen. Familien mit Kindern sind besonders hart betroffen, schließlich lebten schon vor Ausbruch des Kriegs fast 65 Prozent von ihnen in bitterer Armut. Häufig prägen Arbeitslosigkeit, Alkoholmissbrauch und Gewalt den Alltag am Rande des Existenzminimums. Wie viele Kinder genau vom Krieg betroffen sind ist nur schwer zu sagen, denn über den Verbleib vieler Kinder in der Ostukraine und auf der Krim wissen die Hilfswerke derzeit kaum etwas.

Wege ohne Ziel

Die Arbeitslosenrate schoss durch den bewaffneten Konflikt weiter durch die Decke, besonders kinderreiche Haushalte schaffen es häufig nicht mehr, die Familie zu ernähren. Es gibt kein funktionierendes Sozialsystem, um extreme Härtefälle abzufedern. Sozialstationen und auch medizinische Notfalldienste mussten in Teilen des Landes geschlossen werden.Viele Kinder, deren Zuhause von Armut und häufig auch von Gewalt geprägt ist, entschließen sich wegzulaufen. Doch nun, mitten in der Krise, sind sie umso mehr auf sich allein gestellt.

Um zu überleben, sehen die Kinder oft keinen anderen Weg als sich zu nehmen, was sie zum Überleben brauchen - oder sich zu prostituieren. Oft leiden sie an Hunger und Krankheiten, an vielen Orten ist HIV weit verbreitet. Um ihrem tristen Alltag zu entkommen und den Hunger nicht zu spüren, schnüffeln einige Kinder regelmäßig Klebstoff oder konsumieren andere Drogen.

Bereits im Jahr 2012 lebten geschätzte 136.000 Kinder und Jugendliche in der Ukraine unter dem Existenzminimum - genaue Zahlen sind mangels einer offiziellen Statistik nicht zu erhalten. Rund jedes zehnte Kind wuchs schon vor der Krise ohne Obdach auf, die Hälfte von ihnen in staatlichen Heimen, die andere Hälfte auf der Straße.

Dezember 2016