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Lateinamerika

Rechte für Kinder

Brasilien: Chancen für Kinder und Jugendliche

Vier Kinder hocken auf dem Boden in einer GasseKinder in Recife.Anderson

Brasilien gilt mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 1,7 Milliarden US-Dollar als neungrößte Volkswirtschaft der Welt. Bis 2011 boomte die Wirtschaft des Schwellenlandes und lag bei einem Wachstum von durchschnittlich 4,9 Prozent pro Jahr.

Aufgrund sinkender Rohstoffpreise, steigender Verschuldung im Privatsektor und sehr niedriger Produktivität sinkt jedoch der BIP seit 2014, und Brasilien befindet sich in einer Rezession. Der immense Rohstoffreichtum und sportliche Großanlässe wie die WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 brachten nicht die erhofften Impulse, die Arbeitslosigkeit ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen, der Gesundheits- und Bildungsbereich bleiben mangelhaft und defizitär.

Schere zwischen Arm und Reich

Augenfällig an Brasilien ist die Ungleichverteilung unter den sozialen Schichten. In kaum einem anderen Land ist die Schere zwischen Arm und Reich größer als hier. Dabei spielen die Regionen eine entscheidende Rolle: So verfügt der Süden über moderne Wirtschaftsstrukturen, während der Norden und Nordosten wirtschaftlich deutlich zurückliegen und ärmer sind. Der Nordosten gilt gar als Armenhaus Brasiliens, und die Ungleichverteilung ist hier besonders auffällig: In der Stadt Recife beispielsweise beanspruchen zwanzig Prozent der Reichsten ganze 85 Prozent des Volkseinkommens, während 40 Prozent der Bevölkerung ein Einkommen unterhalb des gesetzlichen Mindestlohnes in Kauf nehmen muss.

Soziale Probleme

Menschen schauen aus einer mit Planen gebauten Hütte herausDie Behausungen in den Favelas sind ärmlich und ungenügend.Juan Sarmiento

Reichtum und Armut liegen in Brasilien dicht beieinander, und in den Städten mit ihren unzähligen Slums (Favelas) zeigen sich verstärkt die sozialen Probleme wie Drogen, Kriminalität und Bandenbildung.

Armut und Perspektivenlosigkeit schaffen Milieus, die Kinder und Jugendliche von zuhause weg auf die Straße treiben. Mit Kleinhandel, Drogenschmuggel, Diebstahl oder Prostitution kämpfen sie dort um ihr Leben und sind dabei großen Risiken ausgesetzt. Allein in Recife, so schätzen Experten, leben über 10.000 Kinder und Jugendliche auf der Straße und haben kaum eine Chance auf eine Zukunft. Viele von ihnen sind Analphabeten, krank, unterernährt und drogenabhängig.

November 2016

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